Handy, Diebstahl, Smartphone
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Zwar nicht in der Handtsche, dafür aber auf dem Armaturenbrett ihres Autos hatte die Taxifahrerin ihr Smartphone aufbewahrt. Nachdem der Miesbacher (34) ausgestiegen war, war es nicht mehr da (Symbolfoto).

Weil er kein Geständnis ablegen wollte

Smartphone-Dieb aus Miesbach legt Einspruch gegen Geldstrafe ein - und muss noch mehr zahlen

Weil er das Smartphone einer Taxifahrerin gestohlen haben soll, musste ein Miesbacher (34) eine Geldstrafe bezahlen. Er legte Einspruch ein – und machte alles nur noch schlimmer.

Miesbach Mit einem Einspruch erhofft man sich vor Gericht üblicherweise, eine mildere Strafe als im Strafbefehl angegeben zu kassieren. Ein Miesbacher (34) hatte genau das vor, als er sich wegen Diebstahls vor dem Amtsgericht verantworten musste. Eine geringere Strafe zu erhalten, setzt laut Staatsanwalt Jungwirth jedoch die „Geständnisfiktion“ voraus. Heißt also, dass der Miesbacher zu seinen Taten hätte stehen müssen. Dies tat er nicht vollends, wodurch er sich nun vor Gericht ein Eigentor schoss und letztlich sogar mehr Tagessätze hinnehmen musste.

Im Oktober 2020 soll der 34-Jährige einer Taxifahrerin in Miesbach deren Smartphone im Wert von 200 Euro gestohlen haben, wobei er einen unachtsamen Moment der Frau ausnutzte. Im Strafbefehl stand, dass die Fahrerin dem Fahrgast nur kurz von der Rückbank einen Mund-Nasen-Schutz holte, da dieser keinen dabei hatte. In dem Moment sei der Diebstahl geschehen. Als der 34-Jährige das Taxi verließ, soll er das Handy sofort ausgeschaltet haben, um eine Ortung zu verhindern.

Angeklagter will Smartphones betrunken verwechselt haben

Zunächst gab der Angeklagte vor Gericht an, „dass das alles so stimmt“. Umgehend revidierte er jedoch seine Aussage: „Das war nur ein Versehen. Ich dachte, es sei mein Handy gewesen.“ Er sei leicht angetrunken gewesen, habe bei einem Freund fünf bis sechs Bier getrunken – und so „die Smartphones eben verwechselt“.

Das Handy, das er entwendete, soll sich auf dem Armaturenbrett des Taxis befunden haben. „Und unsere beiden Handys sahen auch wirklich sehr ähnlich aus“, sagte der Miesbacher. Einen gravierenden Unterschied gab es dennoch: Das Handy der Taxifahrerin war mit einer schwarzen Filzhülle ummantelt. „Hatte Ihr Handy auch eine Hülle?“, fragte Richter Walter Leitner. Der Miesbacher verneinte dies.

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Die aufmerksame Taxifahrerin bemerkte den Verlust ihres Smartphones jedoch ziemlich bald nach dem Ausstieg des Fahrgasts. „Ich konnte nachverfolgen, wo mein Handy war“, sagte die 56-Jährige vor Gericht aus. So folgte sie dem Signal und traf den Angeklagten tatsächlich in einer Miesbacher Bar an. Prompt sprach sie den Mann an und fragte, ob er ihr Handy gestohlen hätte. „Er sagte aber, dass er’s nicht hat“, so die Haushamerin. Ihr Instinkt sagte ihr etwas anderes. So wartete sie, bis der Miesbacher die Bar verließ, und folgte ihm in Detektivinnen-Manier. „Ich sah, dass er beim Gehen etwas wegschmiss“, erinnerte sich die Zeugin. Bei dem Gegenstand könnte es sich um die Handyhülle gehandelt haben.

Ohne Geständnis noch höhere Geldstrafe

Als der Beschuldigte in einer Spielothek Halt machte, „habe ich die Polizei angerufen“. Die Beamten waren schnell vor Ort und durchsuchten den Angeklagten umgehend. Und siehe da: Das Handy der Taxifahrerin befand sich ausgeschaltet in der Hosentasche des Mannes – ohne Filzhülle. „Dadurch wurden Sie des Diebstahls überführt“, merkte der Staatsanwalt an. Ein Versehen sei dies wahrlich nicht gewesen. Da der Miesbacher den Diebstahl nicht gestanden habe, sei eine höhere Strafe als im Strafbefehl angegeben notwendig. Statt der ursprünglichen 30 Tagessätze plädierte Jungwirth auf eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen à 35 Euro.

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Richter Leitner erkannte an, dass der Miesbacher immerhin einen Teil einräumte und er bei Tatbegehen 2,24 Promille Alkohol im Blut hatte. „Da macht man schon mal verrückte Sachen“, konstatierte der Richter. Er entschied letztlich auf 35 Tagessätze – bei gleichbleibender Höhe. Leitners Fazit in Richtung des Angeklagten: „Viel hat Ihnen der Einspruch nicht gebracht.“

hph

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