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Kleinigkeiten zählen: Achim Gebhardt (l.) und Solveig Lüthje nehmen mit Inhaber Michael Brunner die Schaufenster seines Geschäfts unter die Lupe.

Experte: „Hier ist es persönlicher als in München“

Einzelhändler im Check: Das hat Miesbach der Kaufingerstraße voraus

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Ein guter Wille allein reicht oftmals nicht, um erfolgreich zu sein. Wie man sein Angebot gut präsentiert, ließen sich zehn Einzelhändler aus Miesbach beim Store-Check erklären.

Miesbach – Der Gewerbeverein Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM) hatte einen zweitägigen Check von der Günter-Rid-Stiftung gesponsert bekommen, deren Ziel es ist, den inhabergeführten Einzelhandel zu unterstützen und zu stärken. Einer, der die Gelegenheit genutzt hat, ist Michael Brunner. Der Inhaber von Brunner’s Vinothek, die erst Ende 2017 von der Fraunhoferstraße rüber an den Marktplatz gezogen ist, ließ sein Geschäft von Diplom-Geograf Achim Gebhardt und Humangeografin Solveig Lüthje unter die Lupe nehmen. Das Fazit der beiden Experten: Brunner macht bereits vieles richtig.

Dabei sind es die kleinen Feinheiten, die den Unterschied ausmachen. Bei der Betrachtung von außen lobt Gebhardt die indirekte Beleuchtung. So könne der Kunde von außen erkennen, welche Waren es im Geschäft gebe. Und aus größerer Entfernung zeigen die erleuchten Schaufenster, dass der Laden geöffnet ist.

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Was Brunner ebenfalls gut gelöst hat, sind die Preisschilder. Wichtig: Die kleinen Pappschilder sehen wertig aus und weisen das Ladenlogo auf – auch wenn das eine oder andere alte Preisschild dennoch zu finden ist. „Es geht darum, Wertigkeit zu vermitteln“, erklärt der Projektleiter. Oft werde provisorisch ein Zettel mit Klebeband fixiert und überdauere die Zeit – was beim Kunden keinen guten Eindruck hinterlasse.

Auch ein Bildschirm im Laden sei positiv, wenn darauf dem Kunden Hintergründe zu Waren und deren Herstellung in ansprechender Optik vor Augen geführt werden. Gebhardt: „Das Display erweitert die Produktwelt im Laden.“

Um zu überzeugen, sei es auch wichtig zu transportieren, dass hier hochwertige Waren und engagierte Menschen anzutreffen sind. Das sei vor allem wichtig im Konkurrenzkampf mit dem Internet. „Das greifbare Erlebnis ist dabei ganz wichtig“, betont Gebhardt. Denn das sei das entscheidende Argument, eben nicht bequem von der Couch aus online zu bestellen, sondern ins Geschäft zu gehen.

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Dabei sei das Internet nicht als Feind zu verstehen – im Gegenteil. „Wer online präsent ist, kann viele Menschen erreichen, die er sonst nicht erreichen würde“, stellt Gebhardt fest und verweist auf Goggle Business, das gute Dienste leisten könne.

Ebenfalls vorbei seien die Zeiten, als die Konkurrenz noch in der Nachbarschaft lag. „Heute verstehen sich Geschäfte als Standortgemeinschaft, die gemeinsam auftreten und dafür sorgen, dass der Ort präsent und lebendig erscheint.“

Das geht laut Lüthje in einigen Kommunen sogar so weit, dass die Werbeanlagensatzung nicht als Verhinderungskatalog interpretiert wird, sondern als Vorgabe-Instrument, um Unternehmen eine aufeinander abgestimmte Linie an die Hand zu geben. Satzungen dieser Art würden auch regelmäßig weiterentwickelt, um die einheitliche Linie auf einem aktuellen Stand zu halten.

Miesbach als Einkaufsstadt attestieren Lüthje und Gebhardt gute Voraussetzungen. „Als Kreisstadt hat Miesbach große Bedeutung“, stellt Gebhardt fest. Vieles sei bereits recht gut, vor allem die Vielfalt an inhabergeführten Geschäften. Auch der Marktplatz als Treffpunkt und Kommunikationsforum biete eine gute Basis. „Gut gefällt auch, wie hier Tradition mitunter neu und frisch interpretiert wird.“ Der große Trumpf aber ist: „Hier ist es persönlicher als in Münchens Kaufinger Straße am Samstag.“ Diese Stärke gelte es gemeinschaftlich zu kultivieren.

Brunner nimmt einiges aus dem Store-Check mit. „An ein paar Kleinigkeiten kann man immer noch feilen“, sagt er. Die Linie aber stimme. Wichtig ist laut Gebhardt vor allem ein Punkt: „Das Geschäft muss zum Inhaber und seinen Mitarbeitern passen. Ist das nicht echt, merkt das der Kunde.“

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