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Gemeinsam anstoßen auf den Erfolg: 2015 war das im Miesbacher Rathaus noch möglich - (v.l.): Ingrid Pongratz, Natalie Geisenberger, Wolfgang Rzehak.

Kein Empfang für Olympionikin

Eiskanal-Königin zeigt Miesbach die kalte Schulter

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Olympiasiegerin Natalie Geisenberger ist angefressen. Die Doppel-Olympiasiegerin fühlt sich nicht hinreichend gewürdigt. Deshalb gibt es keinen Empfang seitens der Stadt. 

Miesbach – Als Rennrodlerin Natalie Geisenberger im Februar bei den olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Einzel und mit der Mannschaft siegte, war eigentlich klar: Für das zweite Doppel-Gold in Folge wird es wohl ein extra-großer Bahnhof werden für die berühmteste Tochter der Kreisstadt. Ein Brillant-Feuerwerk wie zuletzt dürfte diesmal nicht mehr reichen.

Doch stattdessen gab es nichts. Und es ist eher unwahrscheinlich, dass es zumindest noch zum Eintrag ins Goldene Buch der Stadt kommt, den Bürgermeisterin Ingrid Pongratz trotz aller Widrigkeiten immer noch anstrebt. Denn Geisenberger geht mittlerweile auf Distanz. Auf eine öffentliche Ehrung legt die 30-Jährige keinen Wert mehr. Auch die für 1. Juni geplante Hochzeit mit ihrem Lebensgefährten Markus Scheer findet nun nicht mehr in Miesbach statt.

Denn auf dem gesellschaftlichen Parkett ist es so glatt wie im Eiskanal: Einmal angeeckt, schlittert man dahin – und eine Rückkehr zur Ideallinie ist kaum möglich. Ausgelöst hat Geisenbergers Missstimmung dem Vernehmen nach, dass die vierfache Olympiasiegerin bei ihrer Heimkehr aus Südkorea nicht mit einem Empfang oder zumindest einem Wir-gratulieren-Transparent am Ortseingang begrüßt wurde. Nichts wies auf ihren Triumph hin. Ein Fauxpas, bedingt auch durch den Urlaub der Bürgermeisterin, der die Sportlerin und ihren Manager, Vater Helmut Geisenberger, offenbar zutiefst kränkte.

Pongratz will zum genauen Hergang nichts sagen. Nur so viel: Sie habe umgehend den Fehler eingeräumt und sich dafür bei den Geisenbergers mehrfach entschuldigt – auch schriftlich. „Ich wollte das umgehend bereinigen.“

Aus der Welt geschafft wurde das „Missverständnis“ (Pongratz) dennoch nicht. Über Wochen versuchte man bei der Stadt, doch noch einen Empfang im Einklang mit dem Sportstar zu organisieren – vergeblich. Nun steht fest: Einen Empfang wird es laut Pongratz nicht mehr geben, „denn irgendwann ist es zu spät“.

Helmut Geisenberger, der die Pressearbeit für seine Tochter macht, hüllt sich zu den Vorgängen in Schweigen: „Ich möchte dazu nichts sagen.“ Verständlich, immerhin ist die 30-Jährige seit 2015 Ehrenbürgerin der Kreisstadt. Porzellan zerschlagen will keiner.

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Einer, der beide Seiten gut kennt, ist der ehemalige Sportreferent und Ex-Stadtrat Jochen Holzkamm. Er bedauert die verfahrene Situation. „Es ist halt blöd gelaufen“, stellt er fest. Während des Urlaubs der Bürgermeisterin habe niemand die Vorbereitungen in die Hand genommen. „Es ist eine Verkettung unglücklicher Umstände. Das habe ich auch Natalie so gesagt.“ Jetzt sei der richtige Zeitpunkt verpasst. Beide Seiten bräuchten nun Geduld, um wieder zusammenzukommen. „Das wird mit der Zeit wieder wachsen.“

Immerhin: Zwei Empfänge gibt es in Miesbach doch noch für Natalie Geisenberger. Am Samstag feierte sie bei ihrem Verein, dem SV Miesbach, im kleinen Rahmen mit 45 engen Fans, die sie auch zu Rennen begleiten, ihren Mega-Erfolg. Und am 7. Mai tragen sich alle Landkreis-Olympioniken von Pyeongchang – also auch Viktoria Rebensburg, Vanessa Hinz, Elisabeth Schicho, Konstantin Schad, Lucas Bögl, Florian Wilmsmann und Arnd Peiffer – im Landratsamt ins Goldene Buch ein. Ein Sektempfang ist geplant und ein Essen – an letzterem wird Geisenberger allerdings auch nicht teilnehmen. Dem Vernehmen nach vermisse sie auch hier eine besondere Würdigung ihrer sportlichen Erfolge. Dabei wäre sie dort nicht die einzige ohne Heimat-Empfang. Auch Snowboardcrosser Schad bekommt keinen Festakt von seiner Gemeinde Fischbachau – allerdings im Einvernehmen.

Unsere Zeitung hat alle Sportler im Landkreis geehrt, Sie haben die besten zum Landkreissportler 2017 gewählt, die schönsten Eindrücke der Preisverleihung:

Von Tränen und Triumphen, Frust und Freude

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