Schlachthof Traunstein
+
Hygiene als oberstes Gebot: Laufende Qualitätskontrollen des verarbeiteten Rindfleisches haben im Schlachthof Traunstein einen großen Stellenwert.

Neubau im Landkreis Miesbach kein Thema mehr

Endlich ein eigener Schlachthof: Landwirte kaufen Anlage in Traunstein

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
    schließen

Die Erzeugergemeinschaften Miesbach und Traunstein haben absofort einen eigenen Schlachthof. Nach knapp 14 Jahren als Pächter haben sie die Anlage in Traunstein gekauft.

Moderne Technik: Mehr als 50.000 Rinder werden jedes Jahr im Schlachthof in Traunstein geschlachtet. Die meisten liefern die Landwirte der Erzeugergemeinschaften.

Miesbach/Traunstein– Für Georg Westenrieder war von Anfang an klar: Ein eigener Schlachthof im Landkreis Miesbach rentiert sich nicht. „Das war nie ein Thema für uns“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Erzeugergemeinschaft (EG) Miesbach. Bei einer Versammlung habe er den Verfechtern der Idee, die im Zusammenhang mit der Öko-Modellregion entstanden war, die Augen geöffnet. Es reiche nicht, einfach nur ein Gebäude hinzustellen, in dem die Metzger dann ihr Vieh schlachten können. Vielmehr gelte es auch, die Hygiene-Standards zu überwachen und die Vermarktung des Fleisches zu organisieren. Ein viel zu großer Aufwand für ein Potenzial von gerade einmal 700 Schlachtungen im Jahr, findet Westenrieder.

Der Vorstandsvorsitzende weiß, wovon er spricht. Seit 2004 hat die EG Miesbach zusammen mit der EG Traunstein den Schlachthof der Stadt Traunstein gepachtet. 52 500 Rinder wurden dort im vergangenen Jahr verarbeitet. Den Hauptteil liefern die mehr als 4000 in den EGs zusammengeschlossenen Landwirte, der Rest sind Lohnschlachtungen von Metzgereien oder externen Betrieben. Jetzt haben die Erzeugergemeinschaften der Stadt Traunstein den Schlachthof abgekauft. Der Stadtrat hat der notariellen Beglaubigung des Kaufvertrages am 25. Januar zugestimmt.

Für Westenrieder und seinen Traunsteiner Kollegen Hans Grabner ein weiterer Schritt in Richtung konsequenter Regionalisierung bei der Erzeugung von Rindfleisch. „Wir können für die Zukunft nun geradliniger alle Maßnahmen umsetzen, die mit dem nachhaltigen Betrieb der Liegenschaften im Zusammenhang stehen“, erklären Westenrieder und Grabner den Kauf. Dies betreffe die Aufgabenbereiche Umweltschutz und Energie ebenso wie notwendige bauliche oder technische Erweiterungen und Veränderungen der Produktionsstätte für eine zeitgemäße Bewirtschaftung.

Wollen in die Zukunft investieren: Georg Westenrieder (r.), Vorstandsvorsitzender der Erzeugergemeinschaft (EG) Miesbach, und Hans Grabner, Vorstand der EG Traunstein.

Als Beispiel nennt Westenrieder den Ausbau der Waschanlage für die Viehtransporter und die Vergrößerung der Kühlhäuser. Bislang habe man die Lager jeden Vormittag räumen müssen, um Platz für die nächsten 200 bis 300 Fleischstücke zu schaffen. „Wir waren gewissermaßen zum Abverkauf gezwungen“, sagt Westenrieder. Dadurch habe man nicht immer den optimalen Preis erzielen können.

Dass jetzt der richtige Zeitpunkt für den Schlachthof-Kauf gekommen ist, hat aber noch einen anderen Grund. Für die Stadt Traunstein habe sich angesichts der Haushaltsbelastungen schon länger die Frage gestellt, den Schlachthof zu schließen oder neu zu bauen, teilen die Erzeugergemeinschaften mit. Dies hätte für die Landwirte und ihr Vieh lange Transportwege zu weiter entfernten Schlachthöfen – zum Beispiel in München oder Waldkraiburg – zur Folge gehabt. Und langfristig durch den Wegfall eines wichtigen Mitbewerbers wohl auch schlechtere Preise, fürchtet Westenrieder. Mit dem Kauf habe man nun den Standort gesichert und neue Perspektiven für die Vermarktung geschaffen.

Zu einer industriellen Schlachtfabrik wolle man diesen aber nicht ausbauen, betonen Westenrieder und Grabner unisono. Weiterhin sollen auch Selbstfahrer die Möglichkeit haben, ihr Vieh abzuliefern. Die Bauern im Landkreis Miesbach beauftragen dafür einen Spediteur, der sich dank kleiner Ladungen von maximal zehn Rindern pro Lkw ebenfalls um das Tierwohl kümmert.

„Wir Landwirte wollen den Lebenszyklus unserer Nutztiere von Fütterung und Haltung bis zur Schlachtung unter unserer Kontrolle halten“, sagen Westenrieder und Grabner. Schon als Pächter habe man wichtige Meilensteine wie die Bio- und Genfrei-Zertifizierung erreicht. In diese Richtung wollen die EGs nun als Eigentümer weiterarbeiten. „Das sind wir nicht nur den Konsumenten schuldig, sondern auch unserem Selbstverständnis als moderne, verantwortlich handelnde Landwirte.“

Die Erzeugergemeinschaft

Miesbach ist ein Zusammenschluss aus aktuell 1925 Landwirten aus den Landkreisen Miesbach, Bad Tölz-Wolfratshausen, Rosenheim und München. Sie ist 1973 aus dem Zuchtverband Miesbach hervorgegangen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Bio-Landwirt entsetzt über gefährlichen Trend: Mit Kühen „dummer Unfug“ getrieben
Bei der Kulikitaka-Challenge werden Kühe auf der Weide mit Bewegungen aus dem Merengue-Tanz erschreckt. Schrecklich findet das Kreisrat Leonhard Obermüller.
Bio-Landwirt entsetzt über gefährlichen Trend: Mit Kühen „dummer Unfug“ getrieben
Fahrerflucht in Bayrischzell - Polizei sucht Wohnmobil
Am Sonntag sind in Bayrischzell zwei Wohnmobile mit den Spiegeln kollidiert. Ein Fahrer floh. Die Polizei sucht nun Zeugen.
Fahrerflucht in Bayrischzell - Polizei sucht Wohnmobil
Ingrid Pongratz bestellt 324 Flaschen Wein aus Marseillan
Miesbachs designierte Partnerstadt Marseillan in Südfrankreich leidet an den Folgen der Corona-Krise. Ingrid Pongratz hat zur Unterstützung eine Sammelbestellung Wein …
Ingrid Pongratz bestellt 324 Flaschen Wein aus Marseillan
Gstatterberg/Schliersee: Sensibler Berghang angegraben - Gemeinde sauer
Da blieb den versammelten Behördenvertretern wohl die Spucke weg. In einem hochsensiblen Hang am Gstatterberg in Schliersee hat ein Hauseigentümer munter drauflos …
Gstatterberg/Schliersee: Sensibler Berghang angegraben - Gemeinde sauer

Kommentare