Energieernte über den Wipfeln: Die ArGe Hofoldinger Forst will noch in diesem Jahr die drei Windräder ins Genehmigungsverfahren schicken. Die Otterfinger Anlage wäre das erste große Windrad im Landkreis Miesbach.
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Das Energieeffizienznetzwerk soll die Energiewende beflügeln und Synergien schaffen (Symbolbild).

Fortschritte nach Zusammenschluss

Energiewende im Kreis Miesbach: „Erheblicher Nachholbedarf“ - Umdenken in den Rathäusern

  • Jonas Napiletzki
    VonJonas Napiletzki
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Bei der Energiewende gibt es im Kreis Miesbach „erheblichen Nachholbedarf“ – findet EWO-Energiemanager Andreas Scharli. Trotzdem: Er erkennt ein Umdenken in den Rathäusern.

Landkreis – In Sachen Energiewende im Landkreis Miesbach gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Wobei „schlecht“ in diesem Fall relativ ist – sagt Andreas Scharli. Der Energiemanager des EWO-Kompetenzzentrums betreut die zusammengeschlossenen Kommunen des neuen Energieeffizienz-Netzwerks. Scharli hat guten Grund zu guter Laune. Denn: In dem Netzwerk selbst ist aus Sicht des Mitarbeiters der Bürgerstiftung Energiewende Oberland bereits die gute Nachricht zu finden. „Die Zusammenarbeit ist sehr motiviert angelaufen.“

Auf der anderen Seite steht: „Wir werden die Energiewende nicht so schaffen, dass man sie nicht sieht.“ Schön und schiach seien jedoch subjektiv. „Und welchen Grund gibt es, dass man die Energiewende nicht sehen sollte?“ Wie berichtet unterzeichneten Ende Juli die Gemeinden Fischbachau, Gmund, Hausham und Otterfing sowie die Stadt Tegernsee, die Marktgemeinde Holzkirchen und der Landkreis selbst eine Erklärung zur Gründung des Energieeffizienz-Netzwerks mit dem Ziel gegenseitiger Synergien.

Andreas Scharli, Energiemanager der Bürgerstiftung Energiewende Oberland.

Scharli erklärt: „Das erste gemeinsame Treffen findet am 5. Oktober statt.“ Anders als bei der Auftaktveranstaltung rechnet Scharli hier nicht mit politischen Vertretern sondern mit fachlich beauftragten Mitarbeitern der Gemeinden. Bereits vorher hat die Bürgerstiftung mit den Teilnehmern Gespräche geführt. Was ist technisch möglich? Was ist schon passiert? „Wir hatten viele Ortstermine“, verrät Scharli. Datenaufnahmen seien teils schon erfolgt. „Die werden jetzt in Vergleich miteinander gesetzt.“

Energiewende in Fischbachau, Gmund, Otterfing und im Landkreis Miesbach: Teils großer Nachholbedarf

In der Gemeinde Fischbachau etwa konnte sich Scharli bereits „einen sehr guten Überblick“ verschaffen. Die Grundschule in Elbach hat noch immer eine alte Ölheizung verbaut. Neben dem Umstieg auf eine Pelletheizung stehe auch eine ergänzende Photovoltaik-Anlage (PV) im Raum. „Da ist die Frage, was im Haushalt möglich ist“, sagt der Energiemanager. Auch Glasbausteine in der Fassade seien im Fokus.

In Gmund gibt es ebenfalls Bestrebungen, eine PV-Anlage auf dem Dach der Schulen zu installieren. „Für den Gemeinderat ist nicht die Frage ob, sondern wann das realisiert wird“, sagt Scharli.

Während der Otterfinger Altbürgermeister Jakob Eglseder (CSU) in den Augen Scharlis die Energiewende „nicht ganz oben auf der Liste“ hatte, sei das bei Michael Falkenhahn (SPD) anders. „Wir sind im Kontakt zu schnellen Umsetzungen“ – auch hier gehe es zunächst um PV-Anlagen auf gemeindlichen Liegenschaften.

Interessant werde es bei den Entscheidungen des Landratsamts. Scharli sieht beim Landkreis einen „erheblichen Nachholbedarf“ – der laut dem Energiemanager auch dem früheren Kreisbaumeister geschuldet sei. „Der fand Photovoltaik furchtbar hässlich.“ Jetzt sei die Stelle neu besetzt und der Kreis wieder aufgeschlossener.

Hausham hat Energiecoaching erhalten - Holzkirchen, Tegernsee und Gmund noch ohne Ortstermin

„Beispielsweise im Sonderpädagogischen Förderzentrum Hausham gibt es viele Möglichkeiten“, sagt Scharli. Eine PV-Anlage könnte man mit Ladeinfrastruktur für elektrische Busse ausstatten. „Wenn es die mal gibt, könnten die Fahrzeuge in den Pausen dort geladen werden.“ Landkreis-Klimaschutzmanagerin Antonia Rüede-Passul erklärt: „Wir sind derzeit noch am Anfang.“ In der Planungsphase gelte es zunächst, die passenden Gebäude herauszuarbeiten. „Das Förderzentrum könnte eine PV-Anlage erhalten“, bestätigt Rüede-Passul. Ladeinfrastruktur sei ein Thema – „konkret geht es aber erst um die Liegenschaften selbst.“ Dass der Landkreis mit Entscheidungen zu E-Bussen derzeit noch zögert, versteht Scharli. „Das ist eine völlig neue Dynamik, die auch budgetmäßig spannend wird.“

Klarer ist die Lage indes in Hausham: „Die Gemeinde hat vor drei Jahren ein Energiecoaching bekommen.“ PV-Anlagen auf Feuerwehr- und Kindergartendächern werden laut Scharli neu angestoßen.

Mit der Marktgemeinde Holzkirchen, der Stadt Tegernsee und der Gemeinde Gmund gab es Scharli zufolge noch keine Ortstermine. „Es wird aber nicht mehr lange dauern“, sagt der Energiemanager. Das Netzwerk sei mit allen Teilnehmern in Kontakt. Insgesamt erkennt der Mitarbeiter „seit der vergangenen Kommunalwahl eine ganz andere Stimmung“ in den Gemeinden. „Die Rathäuser haben ihre Vorbildfunktion erkannt.“ Angesichts der Unwetter seien sich mehr Gemeinden ihrer Pflicht bewusst. „Da spielt die schwarze Null nicht mehr die entscheidende Rolle, die sie früher inne hatte.“

Energie-Gremien im Kreis Miesbach im Überblick

Energiewende Oberland, Energienetzwerk, EKO, INEV, Arbeitskreise, Klimaschutzmanagement oder Verbraucherzentrale: Das Dickicht der zuständigen Gremien und Vereine wird immer dichter. Antonia Rüede-Passul, Klimaschutzmanagerin am Landratsamt Miesbach, hat den Überblick.

Sie erklärt: „Die Energiewende Oberland (EWO) wurde als Bürgerstiftung von Privatpersonen und den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen gegründet.“ Mit im Boot sind mittlerweile auch Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen. „Die Stiftung selbst kümmert sich unter anderem um oberlandweite Projekte und fördert die landkreisübergreifende Zusammenarbeit“, sagt Rüede-Passul. Etwa die Organisation von Treffen der Klimaschutz-Beauftragten und -Managern ist Teil dieser Arbeit. Auch das Replace-Projekt, das den Austausch alter Heizung in Privathaushalten stützt, wird von der Stiftung betrieben. Aus der EWO ging das EWO-Kompetenzzentrum Energie e. V. EKO hervor. „EKO ist die Stelle, an die Gemeinden konkrete Aufträge zu den Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Ressourcenschutz – etwa Energienutzungspläne – vergeben können“, erklärt die Landratsamt-Mitarbeiterin.

Ebenfalls Teil der EWO-Stiftung ist das neu gegründete Energieeffizienz-Netzwerk, in dem Landkreis Teilnehmer ist. Der Verbund von Kommunen wird von INEV unterstützt – dem Institut für nachhaltige Energieversorgung, das an die Hochschule Rosenheim gekoppelt ist. Auf Landkreisebene kümmern sich die Klimaschutzmanagerinnen um Projekte im Kreis Miesbach. „Dazu gehört beispielsweise das Solarpotenzialkataster, das Stadtradeln oder der Klimafrühling oder die Unterstützung von Kommunen beim Ausbau der Windenergie“, sagt Rüede-Passul.

In den Kommunen selbst kümmern sich oft Arbeitskreise um die Ideen auf Gemeindeebene. Ihnen obliegen etwa Vorschläge an die Gemeinderäte. „Die Verbraucherzentrale stellt und koordiniert Energieberatung“, erklärt Rüede-Passul. Die Stelle ist vom Bund gefördert. „Das Landratsamt arbeitet als Vermittlungsstelle.“ Rüede-Passul betont, diese Stellen seien nur eine Auswahl. „Klimaschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe – je mehr daran arbeiten, desto besser.“

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