Mit dem Kinderdorf Irschenberg ist Jeanette Fiozzi-Wimmer seit 34 Jahren eng verbunden.
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Mit dem Kinderdorf Irschenberg ist Jeanette Fiozzi-Wimmer seit 34 Jahren eng verbunden.

Internationaler Tag des Ehrenamts

Engagiert im früheren Zuhause: Ehrenamtliche über ihre Tätigkeit im Kinderdorf Irschenberg

  • Jonas Napiletzki
    VonJonas Napiletzki
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Jeanette Fiozzi-Wimmer ist engagiert und bodenständig. Dass die 34-Jährige im Kinderdorf Irschenberg aufgewachsen ist, sieht man ihr nicht an. Dort engagiert sie sich ehrenamtlich.

Miesbach – Weltweit wird am Samstag, 5. Dezember, der Tag des Ehrenamts gefeiert. Zu diesem Anlass spricht Jeanette Fiozzi-Wimmer über ihre Tätigkeit in ihrem ehemaligen Zuhause: dem Caritas Kinderdorf Irschenberg. In ihrem Leben als Physiotherapeutin, Tanz- und Sportlehrerin sitzt Fiozzi-Wimmer fest im Sattel. Die 34-Jährige wuchs im Kinderdorf ohne Kontakt zu ihren Eltern auf. Ihr geregeltes Leben sei keine Selbstverständlichkeit, sagt die Miesbacherin. „Mein Sprungbrett war meine Zeit in Irschenberg.“ Seit ihrem Auszug aus der Einrichtung mit 18 Jahren möchte Fiozzi-Wimmer „etwas zurückgeben“ – an die Betreuer, die sie teilweise noch aus Kindestagen kennt, und an den Nachwuchs im Kinderdorf.

Wegbegleiter für die Bewohner des Kinderdorfs

Dafür engagiert sie sich seit 16 Jahren ehrenamtlich für die Einrichtung, organisiert Fackelwanderungen, spielt Fußball, bietet Tanz- und Theaterkurse sowie Ferienbetreuung für die Kinder an. „Ich sehe mich als Wegbegleiter und Perspektivenschaffer“, sagt die Ehrenamtliche.

Arbeit mit Kindern ist herausfordernd, aber wichtig

Bei ihrer Arbeit ist Fingerspitzengefühl gefragt. „Viele der Kinder haben schlimme Erfahrungen gemacht, Gewalt oder Misstrauen erlebt oder sind depressiv.“ Kindliches Vertrauen hätten die wenigsten – und im Vergleich zu anderen sei der Betreuungsbedarf höher. „Wer dauerhaft mit zehn oder mehr Gleichaltrigen aufwächst, ist immer in Habachtstellung, will Aufmerksamkeit erkämpfen und gesehen werden“, erklärt die Miesbacherin. Das könne schon mal anstrengend sein. Fiozzi-Wimmers Herausforderung ist dabei, nicht als jemand gesehen zu werden, der – aus Sicht der Kinder – „schon wieder irgendetwas anschaffen will“, sondern die Barriere zu durchbrechen, um auf einer Wellenlänge arbeiten zu können. „Ich weiß ja, wie ich selbst früher war“, erinnert sich die 34-Jährige verständnisvoll.

Ziel ihres Engagements sei vor allem die Vermittlung von Hoffnung und Perspektive im Leben. „Gerade bei Kindern, die Gewalt erfahren haben, ist die Gefahr hoch, dass sie in das gleiche Muster wie die Eltern rutschen.“ Neben der Präventionsarbeit stehen in den Aktionen auch Spaß, Lebensfreude und Kreativität auf der Agenda. „Die Kinder sollen ihr Selbstwertgefühl aufbauen.“

Fiozzi-Wimmer profitierte selbst von der Einrichtung

All das, was Fiozzi-Wimmer ihren Schützlingen mit auf den Weg geben will, hat sich die ehemalige Kinderdorf-Bewohnerin, die sich selbst als „afrobajuwarische Powerfrau“ bezeichnet, in ihrem Leben auch erarbeitet – mit anfänglicher Unterstützung der Caritas-Mitarbeiter. Als Kind besuchte sie die kinderdorfeigene private Mittelschule, erwarb anschließend die Mittlere Reife. Nach ihrem Besuch der Hauswirtschaftsschule zog es die Ehrenamtliche nach München und Nürnberg, wo sie eine Tanzausbildung absolvierte. Kurz darauf bildete sich die 34-Jährige zur Physiotherapeutin weiter und zog zurück in ihren Heimatlandkreis Miesbach. In der Kreisstadt heiratete sie im Jahr 2019 ihren Mann Dominik Wimmer. Das Paar betreibt gemeinsam ein Studio, in der Fiozzi-Wimmer unter anderem Physiotherapie, Pilates sowie Tanz- und Sportkurse anbietet. Für Firmen hat sich die Therapeutin auf Präventionskurse gegen Rückenschäden spezialisiert. „Mein Mann nutzt die Räume für Legasthenietherapie und Yogakurse.“ nap

Lesen Sie auch über das Engagements des Kinderdorf-Fördervereins.

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