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In seinem Element: Gustav Wührer bei einer Pause während einer Radltour.

Ehemaliger Miesbacher Fahrschulleiter mit 83 Jahren gestorben

Er hat immer Gas gegeben: Nachruf auf Gustav Wührer

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Unzählige Miesbacher haben bei ihm ihren Führerschein gemacht. Und über seine vielen sportlichen Aktivitäten hatte er einen großen Freundeskreis. Jetzt ist Gustav Wührer (83) gestorben.

Miesbach – Kein Jahr ist es her, dass Gustav Wührer und seine Frau Christa mit dem Wohnmobil durch Australien fuhren. Drei Wochen waren die beiden auf Achse – ganz allein. „Ich wollte meinen 80. Geburtstag in Sydney feiern“, erinnert sich Christa Wührer. Ihr Mann, damals 82, zögerte keine Sekunde.

Gustav Wührer empfand sein Alter nie als Einschränkung. Er war immer aktiv. Ob beim Segeln im Mittelmeer, beim Skifahren in Kanada oder beim Mountainbiken in den heimischen Bergen. Doch eine Radltour im Juni 2016 sollte auch sein Schicksal sein. Wührer stürzte schwer, war monatelang außer Gefecht. Er kämpfte sich zurück ins Leben, doch sein Körper machte nicht mehr richtig mit. Am 20. Februar ist der Miesbacher nun im Alter von 83 Jahren gestorben.

Über seine vielen Aktivitäten, die er meist mit seiner ebenso sportlichen Frau ausübte, baute sich Wührer einen großen Freundes- und Bekanntenkreis auf. Vor allem im Skiclub sowie im Tennis- und im Turnverein engagierte er sich sehr. Den meisten wird Wührer aber wohl über seine Fahrschule in Erinnerung bleiben. 1961 zog der ausgebildete Fahrlehrer mit seiner Frau von München nach Miesbach, wo er die seit 1934 bestehende Fahrschule Fellner übernahm. Auch hier drückte Wührer aufs Gas. Bereits vier Jahre später hatte er die Zulassung für alle Fahrzeugklassen in der Tasche, 1976 spezialisierte er sich auf den Nutzfahrzeugbereich.

Als Wührers Sohn Gerald 1982 in den Betrieb seines Vaters einstieg, übertrug dieser ihm stufenweise die Leitung. Drei Jahre später planten die beiden den Bau des neuen Firmengebäudes mit Schulungsräumen, Büro, Garage, Werkstatt und Übungsplatz am Miesbacher Windfeld. Doch selbst im Rentenalter nahm der Senior noch auf dem Beifahrersitz Platz. „Bis vor einem Jahr hat er noch Busfahrer ausgebildet“, erzählt Christa Wührer stolz.

Umso schwerer traf ihn sein Unfall. Aus heiterem Himmel wurde der so fitte 83-Jährige aus seinem aktiven Leben gerissen. Kraft in dieser schlimmen Zeit gaben ihm seine Familie – allen voran seine Frau, sein Sohn, seine Schwiegertochter, seine drei Enkel und sein Urenkelkind – und natürlich seine vielen Freunde. Sie alle wünschten sich, dass ihr „Gustl“ wieder Gas geben könnte. Dass sie nun von ihm Abschied nehmen mussten, können sie noch gar nicht richtig glauben. Doch weil sie alle so viel mit ihm erlebt haben, werden sie ihn in guter und vor allem lebendiger Erinnerung behalten.

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