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Kommt zur Unzeit, ist aber für einige Landkreis-CSU-Politiker durchaus nachvollziehbar: Offener Bruch der JU mit Seehofer.

Stimmen zur JU-Landesversammlung

„Er hatte es in der Hand“ - So erklärt Miesbachs JU-Chefin die Revolte gegen Seehofer

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Die Junge Union revoltiert gegen Ministerpräsident Horst Seehofer. Im Landkreis kritisieren CSU-Politiker mehr den Zeitpunkt das öffentlichen Bruchs als die Aktion selbst. Ein Stimmungsbild.

Aktualisierung: Das sagt die JU-Vorsitzende im Kreis Miesbach

Dadurch, dass von vornherein klar war, dass Seehofer nicht nach Erlangen kommen würde, sei die Stimmung vor Ort von Beginn an angespannt gewesen, erzählt Verena Assum, die Kreisvorsitzende der JU in Miesbach. Die Dynamik, die der Aufstand in der Folge genommen hat, fasst die JU-Vorsitzende in drei Worten zusammen: „Aktion und Reaktion. Seehofer hatte es in der Hand. Er ist der Aussprache schließlich ausgewichen.“ Und das, obwohl „er wusste, dass es schon im Vorfeld gebrodelt hat“. 

Auch Assum räumt ein, dass der Zeitpunkt alles andere als passend war: „Inmitten der Sondierungsgespräche war das ein fatales Zeichen.“  In der Nachfolger-Frage scheint man sich bei der JU uneins. Der Kreisvorsitzenden Assum schwebt eine Trennung von Parteivorsitz und Ministerpräsidentenamt vor. „Wir brauchen keine One-Man-Show“, sagt sie, „sondern ein gutes Team.“ Zum Wohle der Partei.

Ursprünglicher Artikel von Montag, 6. November, 18 Uhr.

Landkreis – Das Signal des CSU-Nachwuchses an den Ministerpräsidenten war unmissverständlich: So geht‘s nicht weiter. Die Wahlschlappe bei der Bundestagswahl im Rücken, die Landtagswahl vor der Burst: Auf der Landesversammlung in Erlangen am vergangenen Wochenende sprach sich die JU mehrheitlich für einen „personellen Neuanfang“ und gegen Horst Seehofer aus. Eine öffentliche Revolte gegen den Parteichef. Mittendrin: Teile der oberbayerischen JU.

Im Landkreis Miesbach stehen arrivierte CSU-Politiker dem offenen Bruch des Parteinachwuchses mit Seehofer mitunter äußerst kritisch gegenüber. Otterfings Bürgermeister Jakob Eglseder etwa hat dafür keinerlei Verständnis. „Das ist total unprofessionell“, kritisiert er. Bei allem Ärger über Seehofer: Die Revolte kommt zur Unzeit. Schließlich sei der parteiinterne Fahrplan eigentlich klar geregelt. Erst die Jamaika-Sondierungsgespräche in Berlin, kommenden Monat dann der Parteitag, auf dem auch personelle Veränderungen diskutiert werden sollen. Die Verhandlungen über eine mögliche Koalition mit FDP und Grüne, aufgrund derer Seehofer nicht nach Erlangen gekommen war, hätten nunmal Priorität. „Er kann sich von der JU ja nicht einfach vorladen lassen“, sagt Eglseder. Dafür hätten die „jungen Politik-Heißsporne“ mehr Verständnis zeigen sollen.

Etwas mehr Nachsehen mit der JU hat Hartwig Bayerschmidt, der für die CSU in Bad Wiessee 30 Jahre im Gemeinderat saß. Dass sich der Parteinachwuchs derart forsch gegen den Ministerpräsidenten positioniert, sei durchaus nachvollziehbar. „Seehofer hat in letzter Zeit einige taktische Fehler gemacht“, sagt Bayerschmidt, selbst „kein Freund Seehofers“. Nach den jüngsten Wahlergebnissen habe die kurzfristige Absage den Unmut der Delegierten befeuert. „Wenn er eingeladen ist und nicht kommt, ist er selber Schuld“, sagt Bayerschmidt. Wobei auch er das Timing der JU bekrittelt: „Der Zeitpunkt war schlecht gewählt.“

Dass ein Umbruch an der Parteispitze grundsätzlich unumgänglich ist, darüber sind sich Eglseder und Bayerschmidt einig. „Das weiß auch Seehofer selber“, sagt Eglseder. Was die Nachfolge angeht, herrscht allerdings Uneinigkeit. Dass der Thronfolger nämlich automatisch Markus Söder heißt, ist für Eglseder keineswegs in Stein gemeißelt. Ihm schwebt eine Kandidatin aus der Region vor: Ilse Aigner.

Dazu sei gesagt: Die bayerische Wirtschaftsministerin und Landtagsabgeordnete für den Kreis Miesbach gehört dem gleichen Ortsverband an wie Eglseder. Doch nicht nur wegen dieser lokalen Verbundenheit sagt Otterfings Rathauschef: „Ilse Aigner ist als Ministerpräsidentin prädestiniert.“ Anders als Finanzminister Söder gehe Aigner mit ihren Ambitionen nicht derart in die Offensive. Viele würden diese Zurückhaltung wohl als „zu brav“ abstempeln, räumt Eglseder ein. Er sieht gerade darin jedoch ein gewichtiges Argument pro Aigner. „Sie kümmert sich um unser Land und um ihre Arbeit. Nicht um ihre Position.“

Söder hingegen steht offenkundig bereit, den Posten zu übernehmen. Auf der Landesversammlung machten einige Delegierte mit „MP Söder“-Schildern ihre Unterstützung deutlich. Kein Schild, aber eine klare Meinung hat auch Hartwig Bayerschmidt zum Mittelfranken. „Er ist eindeutig mein Favorit“, sagt der Wiesseer. „Er hat Kompetenz, Fachwissen und verhält sich gut, indem er kein Öl ins Feuer gießt.“

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