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Eine Schrankwand voller Christian Schad: (v.l.) Stadtarchivarin Barbara Wank, Bürgermeisterin Ingrid Pongratz, Schad-Vertraute Marie-Luise Richter, die mit ihrem Mann Günter die Sammlung zusammentrug, und Kulturamtsleiterin Isabella Krobisch.

Stadt Miesbach richtet eigenes Christian-Schad-Archiv ein

Das Erbe des Künstlers

Das Erbe des weltbekannten Künstler kommt heim in seine Geburtsstadt: Die Stadt Miesbach richtet mit der umfassenden Sammlung des Ehepaars Günter A. und Marie-Luise Richter ein eigenes Christian-Schad-Archiv ein.

Miesbach – Er ist der international bekannteste Sohn der Stadt Miesbach. Christian Schad, 1894 als Spross der Familien Waitzinger und Fohr in der Kreisstadt geboren, gilt als einer der Vorreiter der Neuen Sachlichkeit und hat mit der Schadografie eine Fotogramm-Technik entwickelt, die seinen Namen trägt. Werke von ihm hängen zum Beispiel im Museum of Modern Art in New York oder in der Tate Gallery in London. „Wir dürfen uns stolz nennen, dass er ein Miesbacher Gewächs ist“, sagt Bürgermeisterin Ingrid Pongratz. Nun wird ein Teil seines Erbes in seiner Geburtsstadt verwaltet: Die Stadt Miesbach hat das Schad-Archiv des Ehepaars Günter und Marie-Luise Richter aus dem Tegernseer Tal gekauft, das mit Schad eng befreundet war. „Ein unbeschreiblicher Schatz“, schwärmt Stadtarchivarin Barbara Wank.

Das Erbe des Künstlers ist ein geteiltes. Schads Witwe Bettina überführte 1999 mit der Stadt Aschaffenburg ihre Sammlung in eine Stiftung; Miesbach hatte damals das Nachsehen, weil die Witwe ein Museum als Heimstatt für ihr Schad-Archiv zur Bedingung gemacht hatte, das die Stadt nicht bieten konnte. Das Schad-Museum in Aschaffenburg öffnet heuer im Herbst seine Pforten. Ein weiterer, allerdings kaum gepflegter Bestand ist inzwischen in alle Winde zerstreut, nachdem eine Erbengemeinschaft den Nachlass von Christian Schads 2007 verstorbenen Sohn Nikolaus auflöste, weiß Marie-Luise Richter.

Mit ihrem Mann hatte sie die Sammlung, die nun der Stadt Miesbach gehört, in vier Jahrzehnten zusammengetragen. Die Richters, die eine Werbeagentur führten, richteten Schad zu seinem 80. Geburtstag eine große Einzelausstellung aus, verlegten seine Werke, und in ihrer Edition G. A. Richter erschien 2002 auch die große Schad-Monografie. Dafür trug das Ehepaar eine umfassende Sammlung zusammen und verwahrte, was er ihnen überließ: Privatfotos, Handschriften über seine Einstellung zur Kunst und seine Sicht der Dinge, sogar ein handgeschriebenes Manuskript für ein Theaterstück. Entwürfe Schads für Illustrationen in Zeitschriften und Büchern; von ihm selbst handbearbeitete Linolschnitte und Radierplatten, die Aufschluss über seine Arbeitsweise geben; Ektachrome seiner für die Kunstgeschichte wichtigsten Werke, ohne die Schads berühmte Bilder nicht in Artikeln oder Büchern abgebildet werden könnten, Fotos von nicht mehr zugänglichen Werken, die in Museumsarchiven verstaut sind und nicht herausgeholt werden, weil sie sonst Schaden nehmen würden. Aber auch Bücher über Schad, über seine Bedeutung für die Kunstgeschichte, über seine Werke und Publikationen, die seine Arbeiten nutzten. Zudem Kataloge aus Schads Ausstellungen und aus Versteigerungen, die der Nachwelt Aufschluss über Schads Schaffen und seine Rezeption geben.

Der Schatz verbirgt sich nun in einer drei Meter breiten, schlichten Schrankwand in einem Raum, den die Stadt eigens für das Archiv eingerichtet hat. Über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart. „Ein hochanständiger Preis“, betont Kulturamtschefin Isabella Krobisch, der nur einen Bruchteil dessen ausmacht, was man – mal ganz abgesehen vom Aufwand – bei Versteigerungen hätte bezahlen müssen.

Die Stadt, die bislang schon 150 Arbeiten Schads – vor allem Grafiken – besitzt, die 2014 in der bislang letzten großen Schad-Ausstellung in Miesbach zu sehen waren, hat sich damit auch einen Grundstein gesichert, sollte es irgendwann einmal klappen mit einem Miesbacher Museum. Bis dahin ist die gepflegte Sammlung einem Fachpublikum wie Kunststudenten oder Doktoranden dienlich, die bislang bei Richter ein und aus gingen. „Schad würde noch Stoff bieten ohne Ende“, ist sie überzeugt. Zum Stadtjubiläum im Mai ist geplant, das Schad-Archiv auch einen Tag lang zu öffnen.

Katrin Hager

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