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Endlich wieder ein Dach über dem Kopf: Fünf vom Erdbeben in Ecuador schwer getroffenen Familien hat der Miesbacher Missionspfarrer Padre Enrique Rosner mit Spendengeldern aus seiner Heimat ein neues Zuhause geschenkt.

Padre Enrique Rosner konnte fünf Häuser bauen

Erdbebenhilfe: Ecuador dankt Miesbachern für Spenden

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Die Hilfe der Miesbacher ist angekommen. Geld für fünf Fertighäuser hat Padre Enrique Rosner bei seiner Spendenaktion für die nach dem Erdbeben in Ecuador obdachlosen Familien gesammelt. 

Miesbach – Als die frisch gebackenen Hausbesitzer die Treppengeländer ihrer ziegelroten Bambusbauten weiß anpinseln, steht ihnen die Freude ins Gesicht geschrieben. Endlich wieder ein festes Dach über dem Kopf, endlich wieder eine Perspektive auf ein halbwegs normales Leben in ihrer Heimat Ecuador. Einem Land, das ein Jahr nach dem verheerenden Erdbeben mit 671 Toten und 3000 Verletzten vom 16. April 2016 noch nicht auf die Beine gekommen ist. Noch immer leben 7000 Menschen in Zeltstädten. „Der Wiederaufbau geht langsam voran, er wird noch Jahre dauern“, sagt Padre Enrique Rosner. „Viele Wunden sind geblieben.“

Padre Enrique Rosner aus Miesbach ist Missionspfarrer in Ecuador.

Ein paar davon konnte der Miesbacher, der seit 45 Jahren als Missionspfarrer in der Gemeinde Tababela nahe der ecuadorianischen Hauptstadt Quito tätig ist, heilen – dank der Hilfe aus seiner Heimat. 14 000 Euro an Spenden sammelte Rosner bei seinem Heimaturlaub im Mai und Juni 2016 über einen Aufruf im Miesbacher Merkur ein. Mit dem Geld kaufte er bei der kirchlichen Organisation „Hogar de Cristo“ fünf Fertighäuschen aus Bambus – und bot somit fünf Familien in den vom Erdbeben fast vollständig zerstörten Küstenprovinzen die Chance auf ein neues Leben. „Die Aktion konnte nicht mehr sein als ein Tropfen im Meer der Not und Armut“, sagt Rosner. „Aber sie war ein Zeichen, dass die Opfer nicht vergessen sind.“

Ein tröstendes Gefühl für ein Volk, das von seiner Regierung weitgehend alleingelassen wird. Wegen der Wirtschaftskrise ist Ecuador hoch verschuldet, für finanzielle Hilfen bleibt nicht viel Spielraum. Als wäre das Unglück nicht groß genug, brachen heuer erneut die Naturgewalten über die Küste herein. Schwere Überschwemmungen im März und April forderten wieder etliche Todesopfer, erneut wurden 7000 Menschen obdachlos. Hinzu kommen die Schäden auf den Feldern. „Dieses Jahr gibt es keine Reis-, Mais- und Kakao-Ernte“, berichtet Rosner. Zwar würden sich Handel und Tourismus langsam erholen, aber die Wohnungsnot sei unverändert groß.

Umso glücklicher ist der Missionspfarrer, dass er wenigstens fünf Familien in ihrer Not helfen konnte. Und die mit dem Geld aus Miesbach finanzierten Fertighäuser sind nicht nur eine Übergangslösung, sondern dank ihrer Bauweise auf Stelzen aus Bambus für weitere Naturkatastrophen gerüstet. Doch daran wollen die Bewohner erst mal nicht denken. Sie richten sich ihr neues Zuhause lieber mit viel Eifer ein.

Und immer wieder denken sie dankbar an ihre Helfer in Padre Enriques Heimat. Der wird ihnen auch in Zukunft nicht von der Seite weichen. Er weiß, dass in Ecuador ein unerschütterlicher Glaube fast lebensnotwendig ist. „Das Leben geht weiter“, sagt Rosner – und richtet den Miesbachern gerne die Grüße der von ihnen beschenkten Familien aus: „Dios se lo pague.“ Vergelt’s Gott.

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