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Ersatzbau des Landratsamts: Stadtrat Miesbach lehnt Flachdach-Variante ab

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Von: Dieter Dorby

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Ansicht Landratsamt Flachdach Ersatzbau
So soll sich der Flachdach-Bau auf dem Gelände des Landratsamts in die Umgebung einfügen. © LRA

Miesbach – Vielleicht lag es ja daran, dass Landrat Olaf von Löwis als – wie er selbst sagt – „interessierter Bürger“ die Diskussion des Miesbacher Stadtrats zum Ersatzbau des Landratsamts verfolgte. So wurde die Ablehnung des ungeliebten Flachdachs zumindest in der Wortwahl sehr dezent formuliert.

In der Diskussion um den umstrittenen Neubau des neuen katholischen Pfarrheims hatte man damals verbal deutlich größere Geschütze aufgefahren (wir berichteten).

Für Kreisbaumeister Christian Boiger ging es zusammen mit Planerin Jessica Lauterbach und Abteilungsleiterin Maria Rode in der jüngsten Stadtratssitzung darum, die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen für den Ersatzbau zu schaffen. Wie berichtet, soll das ehemalige Gebäude von Landwirtschaftsamt und -schule an der Münchner Straße ersetzt und mit einem Neubau entlang der Riezlerstraße kombiniert werden. Dazu braucht es eine Änderung des geltenden Bebauungsplans. Um die Planungen aus zeitlichen Gründen zügig fortsetzen zu können, galt es nun, die Eckpunkte – also Baufenster, Geschossigkeit, Dachformen und Höhen – zu definieren.

Geplant ist entlang der Münchner Straße ein Bau, der sich mit vier Vollgeschossen am baufälligen Vorgänger orientiert, wobei das oberste als Satteldachgeschoss ausgeführt wird. Im rückwärtigen Teil soll sich ein dreigeschossiger, L-förmiger Bau mit einem Flachdach anschließen. Beide Baukörper umschließen die als Naturdenkmal geschützte Buche im Innenhof und ergänzen die beiden exponierten Häuser an der Rosenheimer Straße, die beide mit Walmdächern ausgestattet sind.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Geschmack kontra Funktionalität

Wie Boiger zusammenfasste, habe die Corona-Pandemie den Homeoffice-Anteil am Landratsamt so stark erhöht, dass der Ersatzbau auf dem bestehenden Grundstück in deutlich kleinerer Form umgesetzt werden kann – damit auch ohne Verlegung der Riezlerstraße. Die Folge: Das Baufenster müsse nun maximal ausgeschöpft werden. Damit reduziere sich aber der zulässige Abstand zu den Nachbargrundstücken auf ein Minimum, weshalb man nicht höher bauen könne. Einzig sinnvolle Lösung sei daher ein Flachdach übrig bleibe, das aber begrünt werden soll. Zudem seien darauf keine technischen Aufbauten dort vorgesehen.

Löwis
Nur als „interessierter Bürger“ hat Landrat Olaf von Löwis die Diskussion im Stadtrat verfolgt. © tp

CSU-Sprecher Erhard Pohl regte dennoch an, die Flachdachgestaltung zu überdenken. Mit einem Satteldach hätte der Landkreis auch noch eine Vorratsfläche, die man später ausbauen könnte. Die zuvor von Boiger gezeigte Satteldachvariante, die extrem wuchtig daher kam, relativierte Pohl: „Vielleicht versucht man es mit einer Dachneigung von 20 und nicht 40 Grad.“ Auch Markus Seemüller (FWG) störte sich am Flachdach und verwies auf die Schneelast – „ich bitte das zu überdenken“.

Verständnis von Fertl, Lob von Güldner

Paul Fertl (SPD), Mitglied des Ersatzbau-Arbeitskreises, zeigte sich verständiger: „Ein Satteldach wäre zu massiv. Es muss halt für die Nachbarschaft verträglich sein.“ Zweite Bürgermeisterin Astrid Güldner (Grüne) lobte sogar die Flachdach-Lösung: „Ich finde die Kombination sehr gelungen.“ Begeistert sei sie vom neuen Raumkonzept, das auf gemeinsame Arbeitsplätze (Desksharing) setzt. „Wir bekommen das wohl modernste Landratsamt Bayerns. Da können wir auch außen moderner werden.“ Zudem dürfe es sich durchaus in der Architektur zeigen, dass es sich um ein Amtsgebäude handle.

Den ursprünglichen Beschlussvorschlag, der das Flachdach in Aussicht stellt, hatte Bürgermeister Gerhard Braunmiller (CSU) gar nicht ausgepackt, sondern gleich eine Alternative präsentiert - zumal sich die Ablehnung bereits vergangenes Jahr im Stadtentwicklungsausschuss abgezeichnet hatte. Die sieht vor, die Planer sollten sich noch mal Gedanken zu Sattel-/Walmdachlösungen machen. Dem folgte der Stadtrat mit großer Mehrheit.

ddy

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