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Oliver BehrensExperte der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung

Kunden gewinnen auch ohne eigenen Online-Shop

Experte erklärt: So können Einzelhändler das Internet nutzen

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Miesbach - Wie lassen sich auch ohne aufwändigen Online-Shop im Internet neue Kunden gewinnen? Dies erklärt ein Experte der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung am 25. Oktober in Miesbach.

Mit ein paar Mausklicks ist der Einkauf erledigt, bequem vom Sofa aus und rund um die Uhr. Was für die Kunden komfortabel ist, bedeutet für die Händler einen großen Aufwand. Vor allem kleine Läden haben meist weder die technischen noch die personellen Kapazitäten für einen eigenen Online-Shop. Viele Inhaber lassen da lieber gleich die Finger vom Internet und beschränken sich auf ihr Schaufenster an der Straße. Eine riskante Entscheidung, wie Oliver Behrens von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) in München betont. „Auch traditionelle Ladengeschäfte müssen online auffindbar sein.“

Warum es dafür nicht zwangsläufig einen Webshop braucht, erklärt Behrens bei der Veranstaltung „Handel 2025 – Strategien für die Zukunft“ am Dienstag, 25. Oktober, im Saal der Kreissparkasse am Miesbacher Bahnhofsplatz. Es ist nicht die erste Veranstaltung dieser Art. Ende Juni diskutierten rund 50 Einzelhändler in Holzkirchen, wie sie zu einer Aufwertung des Ortszentrums beitragen können. „Wir waren überrascht von der positiven Resonanz“, sagt Alexander Schmid, Geschäftsführer der Standortmarketing-Gesellschaft (SMG) Landkreis Miesbach, die die Vortragsreihe zusammen mit der Standortförderung Holzkirchen und der Gemeinschaftswerbung Miesbach (GWM) organisiert.

In Miesbach soll es nun schwerpunktmäßig um die fortschreitende Digitalisierung der Einkaufswelt gehen. Hier sind es laut Behrens gerade die kleinen Bausteine, die die Ladengeschäfte gegen die Erschütterungen durch den immer stärker werdenden Online-Handel absichern. So reiche schon ein gepflegter Internetauftritt, um neue Kunden anzulocken – auch aus anderen Städten. Das Motto: online anschauen, im Laden kaufen. Der Aufwand für den Betreiber: minimal.

Sogar an der Kasse können sich die traditionellen Geschäfte etwas von ihren digitalen Brüdern abschauen. Behrens empfiehlt, auch auf dem Land Kreditkartenzahlung anzubieten. „Das ist im Ausland längst üblich“, sagt er. Und damit gerade für den Einzelhandel in einem touristisch geprägten Landkreis wie Miesbach ein nicht zu unterschätzender Standortfaktor.

Einen weiteren Mythos will Behrens bei seinem Vortrag in Miesbach entzaubern. „Kaum jemand will ausschließlich im Internet einkaufen“, sagt er. Um die Kunden vom Sofa herunterzulocken, müsse man ihnen aber mehr bieten als nur volle Regale. Das Schlagwort heißt „Einkaufserlebnis“. „Die Läden müssen sich ein Stück weit neu erfinden“, empfiehlt der Experte.

Wie das gelingen kann, erklärt Eva-Maria Schmitz von der Standortförderung Holzkirchen mit einem Beispiel aus der Marktgemeinde. Dort habe die Inhaberin eines Bekleidungsgeschäfts ihre Kundinnen in eine Gruppenunterhaltung beim Chatprogramm WhatsApp eingeladen. „Da stellt sie ihre neue Ware vor und nimmt Bestellungen an“, erklärt Schmitz. Zum Abholen kämen die Damen dann im Laden vorbei. Für ein nettes Gespräch bei Sekt oder Kaffee nehmen sie den Weg vom Sofa gerne in Kauf.

Die Veranstaltung

„Handel 2025 – Strategien für die Zukunft“ findet am Dienstag, 25. Oktober, im Kreissparkassensaal am Miesbacher Bahnhofsplatz statt. Sie richtet sich an alle interessierten Ladeninhaber im Landkreis, aber auch an Kommunalpolitiker, die sich mit der Ortsentwicklung beschäftigen. Im Mittelpunkt steht ein Fachvortrag von Oliver Behrens von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung zum Thema Digitalisierung im Einzelhandel. Anmeldungen sind möglich unter 0 80 25 / 99 37 20 sowie per Mail an florian.brunner@smg-mb.de. Beginn ist um 19 Uhr.

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