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Der Busverkehr im Landkreis soll besser werden – mit überschaubaren Preisen und engem Takt. Bis zur Umsetzung werden aber noch Jahre vergehen.

Noch Jahre bis Schiffe Busse unterstützen

Experte stellt neuen Plan für die Öffentlichen im Landkreis vor: Umsetzung wird teuer und dauert

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Der Nahverkehrsplan für den Landkreis liegt vor. Das 260-seitige Papier nennt ehrgeizige Ziele, doch eine schlagartige Verbesserung des Busangebots ist nicht in Sicht.

Landkreis – Erik Meder vom Verkehrsplanungsbüro Gevas in München fiel gestern im Wirtschaftsausschuss die Aufgabe zu, das umfangreiche Werk griffig zu präsentieren. Die vorangegangenen Sitzungen mit der Zukunftswerkstatt Mobilität bezeichnete der Diplom-Geograf als „sehr fruchtbar, intensiv und produktiv“. Im Wesentlichen behandelt der Nahverkehrsplan, der erstmals 1997 erstellt wurde, drei Fragen: Wo steht der Landkreis heute? Wohin möchte er? Und mit welchen Maßnahmen will er das erreichen?

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Der Status

„Für die Schwachstellenanalyse haben wir uns die bestehenden Verkehrsachsen und die touristischen Achsen wie etwa den Alpenbus angeschaut, Richtwerte festgelegt und dann geschaut, wo diese Richtwerte unterschritten werden“, berichtete Meder. Insbesondere in Ost-West-Richtung gebe es deutlichen Nachholbedarf. Das zeigte auch die Befragung der Bevölkerung. 628 Fragebögen gingen online oder auf Papier ein. Unabhängig davon, dass die Bürger den Takt auf nahezu allen Linien für unzureichend halten, wurden häufig die Querverbindungen bemängelt, beispielsweise auch zum Kreiskrankenhaus nach Agatharied.

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Die Zielsetzung

„Als Zielsetzung haben wir einen 30-Minuten-Takt auf allen Achsen zugrunde gelegt“, erläuterte Meder. Um die Zusatzkosten ermitteln zu können, haben die Planer das bestehende Angebot als kostenneutral angenommen. Die Erkenntnis: Für eine Verbesserung des Busangebots auf den Verkehrs- und touristischen Achsen sind bis zu 8,5 Millionen Euro pro Jahr erforderlich. Vergleichsweise bescheiden nehmen sich da die Kosten für die Verbesserung des Angebots im ländlichen Raum aus: Je nach Ausgestaltung wären 150 000 bis 300 000 Euro erforderlich. Eine Verbesserung sehen die Experten hier eigentlich nur durch den Einsatz des Anrufsammeltaxis (AST). „Wir werden deshalb an diesem Angebot dranbleiben“, merkte Fachbereichsleiter Peter Schiffmann vom Landratsamt an.

Im Blick hat der Nahverkehrsplan auch die Umstiegsmöglichkeiten zwischen Bus und Bahn, die derzeit nicht optimal aufeinander abgestimmt sind. Zudem soll möglichst die Schifffahrt am Tegernsee integriert werden. „Das könnte ein bayernweites Pilotprojekt darstellen“, sagte Meder.

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Die Umsetzung

Bis der Nahverkehrsplan ganz oder auch nur in Teilen umgesetzt wird, vergehen noch Jahre. Ein Grund sind die aktuellen Verkehrsverträge mit den Busunternehmen, die größtenteils erst Ende 2027 auslaufen. Vorher lassen sich nur punktuell Veränderungen vornehmen. Um zumindest bereits 2020 erste Schritte unternehmen zu können, beschloss der Wirtschaftsausschuss, von einer Ausnahmemöglichkeit Gebrauch zu machen und bei Streckenleistungen unter 50 000 Kilometern pro Jahr auf eine sogenannte Vorabbekanntmachung zu verzichten. Heißt: Der Landkreis muss nicht schon ein Jahr vor Start eines neuen Busangebots dieses bekannt machen, kann also flexibler agieren.

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Die Kosten

Die weit größere Herausforderung dürften aber die Kosten sein. „Wir können uns nicht alles sofort leisten“, merkte Fachbereichsleiter Schiffmann an. Der Nahverkehrsplan schlägt deshalb vor, die festgelegten Richtwerte zunächst dort anzustreben, wo der größte Druck besteht. Das betrifft beispielsweise die Wochenenden und hier insbesondere die Anbindung an den Bahnverkehr. In der Finanzplanung des Landkreises für die nächsten Jahre ist der Nahverkehrsplan noch gar nicht berücksichtigt. Lediglich für 2020 sind 150 000 Euro für erste Maßnahmen eingestellt.

Wie viel Geld Kreiskämmerer Gerhard de Biasio überhaupt einplanen muss, hängt auch vom MVV-Beitritt ab. Erklärtermaßen möchte der Landkreis die Vorteile des Münchner Tarif- und Verkehrsverbunds bei Busangebot und Tarifkonditionen nutzen. „Verlässliche Zahlen gibt es erst Ende 2022, wenn die Grundlagenstudie zum MVV-Beitritt vorliegt“, merkte Schiffmann an. „Zwei bis vier Millionen Euro werden an uns aber schon hängen bleiben.“

Der Wirtschaftsausschuss empfahl die Annahme des Nahverkehrsplans in der vorliegenden Fassung. Die endgültige Entscheidung trifft der Kreistag in seiner morgigen Sitzung.

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