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Die Marktmacht wird immer größer: Mit der Übernahme von Tengelmann buhlen mittlerweile neun Edeka-Märkte um die Kunden im Schlierach-/Leitzachtal. Darunter auch von selbstständigen Kaufleuten geführte Betriebe wie der Nah & Gut Waltner in Elbach (Bild unten) oder der Edeka Geissler in Miesbach (Bild Mitte), der aber Ende März schließt. In Weyarn wird hingegen gerade ein weiterer großer Markt gebaut (Bild oben).

Interview zur Supermarkt-Schwemme

Experte verteidigt Edeka-Strategie: „Die Kunden entscheiden mit“

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Die Großen werden immer mehr, die Kleinen verschwinden: Die Supermarkt-Landschaft im Landkreis ist im Umbruch. Doch welche Strategie verfolgen Edeka & Co. damit eigentlich? 

Professor für BWL an der LMU München.

Schlierach-/Leitzachtal – Keine drei Kilometer liegen zwischen den beiden Edeka-Märkten in Miesbach und Hausham. Mit dem Auto sind das nicht mal fünf Minuten. Nur ein Beispiel für ein Phänomen, das seit ein paar Jahren im gesamten Landkreis zu beobachten ist. Überall schießen neue Vollsortimenter und Discounter aus dem Boden. Oft buhlen Lidl, Aldi, Netto und Co. in unmittelbarer Nachbarschaft um die Gunst der Kunden. Und fast unbemerkt sperren immer mehr kleine, inhabergeführte Läden zu. Weil das Geschäft nicht mehr läuft, oder weil sich die Betreiber in den Ruhestand verabschieden und keinen Nachfolger mehr finden. Professor Tobias Kretschmer (46), Leiter des Instituts für Strategie, Technologie und Organisation an der Ludwig-Maximilians-Universität München, verfolgt diese Entwicklung aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht. Wir haben ihn zu seinen Erkenntnissen befragt.

-Herr Prof. Kretschmer, wie kann es sein, dass ein Unternehmen wie Edeka auf engstem Raum mehrere große Märkte baut? Macht es sich damit nicht selbst Konkurrenz?

Tobias Kretschmer: Auf den ersten Blick könnte man so argumentieren. Aber betrachten wir es doch mal aus Sicht eines wirtschaftlich-rational denkenden und handelnden Konzerns. Solange ein Standort prinzipiell auch für andere Ketten interessant ist, tut ein Unternehmen gut daran, diesen selbst zu besetzen. Einfach, damit sich keine Möglichkeiten für die Wettbewerber ergeben. Quasi nach dem Motto: Lieber machen wir uns selbst Konkurrenz, als dass andere einen Teil unseres Geschäfts abbekommen.

-Wäre es nicht sinnvoller, Standorte zu suchen, wo man allein und damit quasi konkurrenzlos ist?

Tobias Kretschmer: In einer Zeit, in der die meisten Menschen mit dem Auto Einkaufen fahren, ist dieser Vorteil längst nicht mehr so bedeutsam. Auch der Kunde denkt rational und versucht, seine Transportkosten zu minimieren. Für ihn ist es wirtschaftlicher, ins Gewerbegebiet zu fahren, wo er mehrere Märkte nebeneinander hat und damit die für ihn attraktivsten Angebote auswählen kann, anstatt verschiedene Ecken in der ganzen Stadt abzuklappern. Die Folge ist, dass das Kundenpotenzial an viel befahrenen Straßen oder an anderen leicht erreichbaren Orten am größten ist. Und damit logischerweise auch die Supermarkt-Konzentration.

-Trotzdem ist das Geschäft an einem Ort irgendwann einmal ausgereizt. Damit müsste doch auch das aktuell fast schon grenzenlos anmutende Supermarkt-Wachstum ein Ende finden.

Tobias Kretschmer: Das ist sicher richtig. Aktuell spürt man davon aber noch nichts. Aldi und Lidl wachsen enorm, und Edeka hat sich durch die Übernahme von Tengelmann weiter verstärkt. Aus wissenschaftlicher Sicht ist das eine Art Marktbereinigung. Ich gehe davon aus, das mittelfristig deutschlandweit nur noch drei bis vier große Ketten übrig bleiben, die sich das Geschäft regional untereinander aufteilen.

-Das klingt ja fast schon nach einer lokalen Monopol-Struktur. Wäre das nicht auch das Ende der Schnäppchenschlacht?

Tobias Kretschmer: So weit würde ich nicht gehen. Man könnte eher von einem natürlichen Oligopol sprechen, also einem Markt mit einigen wenigen Anbietern. Einen starken Preisanstieg sehe ich deshalb aber nicht. Dafür ist die Online-Konkurrenz zu groß. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass zum Beispiel Amazon in das Geschäft mit frischen Lebensmitteln drängt. Die schnelle Lieferung ist in Großstädten kein Problem, und auch auf dem Land könnte man ein geeignetes Netzwerk aufbauen.

-Was damit aber wohl das endgültige Aus für kleine Läden wäre...

Tobias Kretschmer: Das würde ich so nicht sagen. Richtig ist, dass sich die Betreiber neue Konzepte überlegen müssen. Sie brauchen einen Wettbewerbsvorteil, den ihnen kein Discounter oder Online-Händler streitig machen kann. Der Preis oder die Sortimentsgröße fallen da schon mal weg. Interessanter ist eine Spezialisierung, zum Beispiel auf regionale Produkte. Aber auch das funktioniert nur, wenn es die Leute annehmen. Überhaupt darf man die Kunden nicht von der Verantwortung freisprechen. Sie entscheiden mit ihrem Kaufverhalten, welche Geschäftsmodelle sich am Markt durchsetzen. Aktuell sind das eben die großen Vollsortimenter und Discounter.

Das sagt Edeka

Bis vor wenigen Jahren war der Edeka-Markt von Ernst und Anita Geissler die zentrale Einkaufsadresse im Miesbacher Gewerbegebiet Ost. Seit der Neueröffnung des Alpengroßmarkts an der Schlierseer Straße finden aber immer weniger Kunden den Weg dorthin. Ende März wird Geissler seinen Laden aufgeben (wir berichteten). Das habe ihm der Konzern so nahegelegt, hat der 60-Jährige unserer Zeitung erzählt. Schreibt Edeka etwa seine inhabergeführten Läden Stück für Stück ab? 

Die Pressestelle von Edeka Südbayern weist diese Vermutung zurück: „Für alle selbstständigen Edeka-Kaufleute in Südbayern gilt die volle Unterstützung der Edeka Südbayern“, versichert Sprecher Christian Strauß. Gemäß ihres genossenschaftlichen Auftrags stehe ihnen das Unternehmen beispielsweise durch betriebswirtschaftliche Beratung oder finanzielle Unterstützung „stets zur Seite“. Darüber hinaus biete man bei Schließungen den Kaufleuten und ihren Mitarbeitern Arbeitsplätze im Unternehmensverbund an, „da sie für das Unternehmen sehr wertvoll sind“. Dies sei auch im Fall von Ernst und Anita Geissler erfolgt. 

Zur generellen Strategie gibt Edeka Südbayern folgendes bekannt: „Zur Sicherung der Nahversorgung tragen wir den Wünschen der Kunden vor Ort Rechnung und modernisieren und prüfen unser Verkaufsstellennetz regelmäßig auf Optimierungspotenzial.“ Auch andernorts sei es keine Seltenheit, dass sich in näherer Umgebung oder sogar in derselben Straße zwei oder mehr Edeka-Märkte befinden und erfolgreich nebeneinander betrieben würden.

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