+
Kommt es zur Hauptverhandlung? Die 13 Angeschuldigten in der Sponsoring-Affäre um die Kreissparkasse haben nun Gelegenheit, sich zur Anklage zu äußern. Dann entscheidet das Gericht, ob eine Verurteilung wahrscheinlich ist.

Sponsoring-Affäre

Fall Kreidl: Warum viele Angeklagte froh sind, dass die Staatsanwaltschaft endlich handelt

  • schließen

13 Staatsanwälte und 75 Kripobeamte durchsuchten am 27. Januar 2015 vornehmlich im Landkreis 27 Wohnungen und Geschäftsräume. Viele, gegen die ermittelt wurde, sind erleichtert.

Miesbach - Nicht nur im Landratsamt und bei der Sparkasse wurden Unterlagen beschlagnahmt, auch bei amtierenden und ehemaligen Vorständen und Verwaltungsräten der Bank. Morgens um 7 Uhr standen die Ermittler vor der Tür.

Erfahrungen, die Spuren hinterlassen haben. Männer, die gerade noch geachtet in der Mitte der Gesellschaft standen – auf einmal behandelt wie Verbrecher. Und beim einen oder anderen sickerte erstmals die beklemmende Gewissheit ins Bewusstsein: Das wird sich nicht so einfach vertanzen.

Dass es nun, drei Jahre später, doch noch zur Anklage kommt (wir berichteten), war für Außenstehende nicht mehr zwingend zu erwarten. Zwar wurden 450 Aktenordner konfisziert, der Umfang soll 6000 Seiten betragen – aber drei Jahre Ermittlungszeit ohne Terminziel? Man konnte das Gefühl bekommen, das Verfahren verliefe im Sand.

Für die Betroffenen – die sechs Verwaltungsratsmitglieder sollen wegen Untreue angeklagt werden, während sieben höherrangige Akteure aus dem Vorstand und Vorsitzende ein Extra-Verfahren bekommen – war es eine belastende Zeit der Ungewissheit. „Seit der Hausdurchsuchung kann ich nicht mehr schlafen“, gesteht einer gegenüber unserer Zeitung. Geschenke, ja, die habe man angenommen. Aber eine Vorteilsabsicht? „Nein. Das war damals einfach so.“

Zumal der wahre Wert der Geschenke, die auf die Verwaltungsratsmitglieder bei Sitzungen warteten, nicht zu erkennen gewesen sei, wie Weyarns ehemaliger Bürgermeister und Ex-Verwaltungsrat Michael Pelzer sagt: „Wenn Sie einen Schirm geschenkt bekommen, rechnen Sie nicht damit, dass der 250 Euro kostet.“

Es sind drei Vorwürfe, mit denen sich die Verwaltungsräte auseinandersetzen müssen: die teuren Gelegenheitsgeschenke, die zu hohen Kosten ihrer Reisen zu Sitzungen im Stubaital und die nachträgliche Genehmigung der 293 000 Euro Umbaukosten für Landratsbüro, Vorzimmer und Besprechungszimmer, die die Sparkasse als Geschenk übernahm.

Pelzer ist optimistisch, dass sich vieles entkräften lasse. So sei auch die tatsächliche Höhe der Kosten der Fahrten nicht klar gewesen. „Wenn ich als Verwaltungsrat zu einer dienstlichen Reise geladen werde, muss ich mich doch nicht um die Kosten kümmern.“

Unter dem Strich – und mit dieser Sichtweise steht Pelzer nicht allein – habe die Staatsanwaltschaft ungewöhnlich große Anstrengungen unternommen, um in der Sponsoring-Affäre zu einem Ermittlungserfolg zu kommen. Und sieht sich nun in einem Dilemma. „Entzündet hat sich das damals an Jakob Kreidl“, mutmaßt Pelzer. Nun gehe es darum, aus der Ecke, in die sich die Ankläger manövriert hätten, rauszukommen. „Fakt ist, dass es mit Regierung von Oberbayern und Sparkassenverband zwei Prüfungsinstanzen gab“, sagt Pelzer. „Wir haben ja nachgefragt, ob alles passt, aber es kam gar nichts.“

Ob es zur Hauptverhandlung kommt, ist offen. Gerade die einfachen Verwaltungsräte hoffen, dass die Wirtschaftskammer des Landgerichts die Anklage nicht zulässt. Alle hätten bereits einen Preis bezahlt, ist mehrfach zu hören. „Dass es zu einer Vorverurteilung in der Bevölkerung kommt, tut vor allem den Familien verdammt weh“, erklärt Pelzer. Dem stimmt auch Landrat Wolfgang Rzehak zu, der als damaliges Verwaltungsratsmitglied ebenfalls angeklagt wird. Er ist zuversichtlich, dass sich viele Vorwürfe auflösen, sagt aber: „Ich bitte im Interesse aller zu bedenken, dass bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt.“

ddy

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Feuerwehr-Großeinsatz in Irschenberg: Das steckte dahinter
„Rauchentwicklung aus Gebäude“: Diese Meldung hat am Mittwochmittag für einen Großeinsatz in Irschenberg gesorgt. Doch dahinter steckte etwas ganz anderes.
Feuerwehr-Großeinsatz in Irschenberg: Das steckte dahinter
Rettungshubschrauber im Einsatz - 75-jähriger Radfahrer schwer gestürzt
In Hausham kam der Rettungshubschrauber zum Einsatz. Ein 75-Radfahrer musste ins Krankenhaus gebracht werden. Er wird wohl überleben.
Rettungshubschrauber im Einsatz - 75-jähriger Radfahrer schwer gestürzt
Sponsoring-Affäre:  Disziplinarverfahren gegen Kreidl und Rzehak eingeleitet
Nachdem die Staatsanwaltschaft in der Causa Kreidl Anklage erhoben hat, leitet die oberste Beamten-Aufsicht Bayerns ein Disziplinarverfahren ein - gegen den ehemaligen …
Sponsoring-Affäre:  Disziplinarverfahren gegen Kreidl und Rzehak eingeleitet
Großbrand in Weyarn: Polizei nennt mögliche Brandursache - 200.000 Euro Schaden
Ein Großbrand rief in der Nacht auf Mittwoch mehrere Feuerwehren aus dem Landkreis auf dem Plan. Ein Wohnhaus aus Holz stand in Weyarn (Stürzlham) in Flammen.
Großbrand in Weyarn: Polizei nennt mögliche Brandursache - 200.000 Euro Schaden

Kommentare