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Letzter Auftritt als Mama Bavaria: Nach ihrer Fastenpredigt bei der Starkbierprobe am Nockherberg verkündete Luise Kinseher überraschend ihren Abschied.

„Das kann man nicht ewig machen“

Mama Bavaria hört auf: Das sagen unsere Fastenprediger

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Das war’s mit der Mama Bavaria am Nockherberg: Luise Kinseher hat ihren Abschied verkündet. Die Fastenprediger im Landkreis zeigen Verständnis. Es gibt sogar schon Ideen für eine Nachfolge.

Landkreis – „Das ist schon eine sehr exponierte Position“, sagt Nico Schifferer (65) über die Rolle des Fastenpredigers am Nockherberg. Er selbst steht heuer zum zehnten Mal als Bruder Barnabas am Rednerpult des Tegernseer Bräustüberls und liest dort in bewährter Manier der Lokalprominenz die Leviten (22. März, 18 Uhr). Dass Kollegin Kinseher nach acht Jahren ihre Rolle an den Nagel gehängt hat, kam für Schifferer nicht überraschend.

Mit erhobenem Zeigefinger im Bräustüberl: Nico Schifferer.

„Mal wurde ihr vorgeworfen, sie sei zu lasch, mal sie sei zu hart – wahrscheinlich hat sie keinen Bock mehr gehabt“, vermutet er. Eine Fastenpredigt, so die Erfahrung Schifferers, sei eben immer eine Gratwanderung. Kinseher habe die Gürtellinie in der Vergangenheit ein paar Mal überschritten, aber auch unterschritten. „Es ist schwer, in der Mitte zu bleiben“, weiß der 65-Jährige.

Ob er selbst nach immerhin zehn Jahren als Bräustüberl-Prediger schon einmal ans Aufhören gedacht hat, dazu will sich Schifferer nicht äußern. „Kein Kommentar!“ Und auch auf die Frage, wen er gerne als Nachfolger Kinsehers am Nockherberg sehen würde, lässt er sich nichts Konkretes entlocken. „Ich wüsste schon jemanden“, sagt Schifferer, „möchte aber keine Namen ins Spiel bringen“.

Anders Wolfgang Ober (43), der sowohl im Gasthof Terofal in Schliersee (23. März, 20 Uhr) als auch im Miesbacher Bräuwirt (9. und 10. März, jeweils 19.30 Uhr) den Fastenprediger gibt. Vermutlich müsse der Kinseher-Nachfolger drei Voraussetzungen erfüllen, mutmaßt Ober. Es komme wohl nur ein Mann in Frage („die Mutterrolle ist ja schon durch Kinseher besetzt“), er müsse über eine gewisse Bekanntheit und Nähe zum BR verfügen sowie ein Bayer sein.

Für Ober wäre damit der Kabarettist und Schauspieler Andreas Giebel der wahrscheinlichste Kandidat. „Und der passt auch gut zum Starkbierfassl dazu“, meint der Miesbacher augenzwinkernd.

Ober selbst hält die Fastenpredigt in Miesbach heuer schon zum elften Mal – und hat damit die Halbwertszeit einer Luise Kinseher bereits deutlich überschritten. „Demnach hätte ich schon vor drei Jahren aufhören müssen, hab’s aber gar nicht gemerkt“, witzelt er.

Die Mönchskutte streift Wolfgang Ober jedes Jahr beim Starkbieranstich im Miesbacher Bräuwirt über – heuer bereits zum elften Mal.

Einer, der ebenfalls schon ein alter Hase auf dem Gebiet des Politiker-Derbleckens ist, ist der Kreuther Florian „Flickä“ Oberlechner (50). Auch er hält heuer bereits zum zehnten Mal seine Fastenpredigt im Gasthof Köck in Gmund (9. und 10. März, jeweils 19 Uhr, sowie 11. März, 11 Uhr). Den Rücktritt der Mama Bavaria könne er durchaus nachvollziehen, sagt Oberlechner. „So etwas kann man nicht ewig machen.“

Er selbst denke aktuell noch nicht ans Aufhören, „allerdings werde ich sicher nicht die 23 Jahre meines Vorgängers erreichen“, prophezeit Oberlechner mit Blick auf den früheren und legendären Fastenprediger Pez Erdmann. Eine Idee für einen Nachfolger von Luise Kinseher habe er derzeit nicht im Kopf, sagt der Kreuther. „Schön wäre aber ein guter Kabarettist in der Art eines Walter Sedlmayr.“

Viele sagen: Die letzte Rede der Mama Bavaria war zugleich ihre beste. Das, so meint Schifferer, könne er nur unterschreiben und fügt hinzu: „Es war ihre stärkste, weil sie genau wusste, dass es ihre letzte sein wird.“

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