Abstrich vom Chef: Dr. Florian Meier, Ärztlicher Koordinator für Corona im Landkreis und Leiter des Testzentrums, führt einen Test bei einer Autofahrerin durch.
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Abstrich vom Chef: Dr. Florian Meier, Ärztlicher Koordinator für Corona im Landkreis und Leiter des Testzentrums, führt einen Test bei einer Autofahrerin durch.

Von wegen kostenlos

Fehlende Verordnung verzögert Start der Corona-Schnelltest-Offensive im Landkreis

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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  • Sebastian Grauvogl
    Sebastian Grauvogl
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Ab Montag sollten auch die Menschen im Landkreis kostenlose Corona-Schnelltests bekommen. Daraus wurde nichts: Der Bund war zu langsam. Die Ärzte durften nichts umsonst testen.

Landkreis – Das Bundesgesundheitsministerium wirbt im Internet für seine neue Schnelltestoffensive. Eine Animation zeigt einen Teststreifen, an dem ein kleines Schildchen baumelt: „kostenlos“. Ab Montag, 8. März, übernimmt der Bund die Kosten für ein regelmäßige Schnelltest für alle Bürger, kündigt das Ressort von Minister Jens Spahn an. Doch der Start missglückte, auch im Landkreis Miesbach. Antworten auf die drängendsten Fragen haben wir hier zusammengefasst.

Fehlende Verordnung verzögert Start der Corona-Schnelltest-Offensive im Landkreis

Wie viele kostenlose Schnelltests gab es am Montag im Landkreis?

Keinen. Schuld ist die fehlende rechtliche Grundlage. Die Testverordnung des Bundes regelt, wer Schnelltests kostenlose bekommt, erklärt Hausarzt Dr. Florian Meier, Ärztlicher Koordinator für Corona im Landkreis und Leiter des Testzentrums. Diese Verordnung sollte einen Paragraf erhalten, der einen Schnelltest pro Woche für Jedermann erlaubt. Am Montag hatte der Bund die neue Version der Verordnung aber nicht veröffentlicht. „Das ärgert mich maßlos“, sagt Meier. „Jeden Tag hat jemand groß verkündet, am Montag gehe es los. Wir haben uns vorbereitet. Dann ist Montag und es fehlt die Grundlage.“

Ab wann wird es kostenlose Schnelltests geben?

Sobald der Bund die neue Testverordnung im Bundesanzeiger veröffentlicht. Wann das sein wird, ist offen. Einen Anhaltspunkt könnte die aktuelle Verordnung liefern: Sie gilt seit dem 25. Januar, sagt Meier. Veröffentlicht wurde sie am 27. Januar. „Die neue Version wird wohl in ein paar Tagen kommen.“

Was passiert bis die neue Testverordnung veröffentlicht ist?

Hausärzte und Apotheken dürfen bis dahin keine kostenlosen Tests anbieten. Hintergrund sind ihre Berufsordnungen: Sie dürfen nie umsonst arbeiten. Auch die Schnelltests wären nicht umsonst, der Bund würde sie nur für die Menschen bezahlen.

Wären die Ärzte Testbereit bereit gewesen?

Laut Meier ja: „Wir stehen in den Startlöchern und würden gerne testen.“ Er hat in der Garage seiner Praxis ein kleines Testzentrum eingerichtet. Wer keine Symptome hat, kann dort bereits von 8 bis 12 Uhr einfach ohne Termin vorbeikommen. Noch muss er muss aber für seinen Abstrich zahlen. Ist der negativ, kann er sein Zertifikat gleich mitnehmen. Die Einnahmen will Meier spenden bis die Kosten übernommen werden.

Welchen Vorteil hat der Schnelltest beim Fachmann gegenüber dem vom Supermarkt?

Meier sieht in den Tests beim Experten drei Vorteile: Sie sind deutlich genauer, sie werden fehlerfrei durchgeführt und die Menschen bekommen ein Zertifikat. Letzteres ist Voraussetzung zum Beispiel für den Besuch im Pflegeheim oder den Grenzübertritt. Die Test aus dem Supermarkt seien eher für Menschen, die sich vor dem Besuch der Großeltern absichern wollen. Für offizielle Zwecke brauche es den Stempel des Fachmanns.

Wie belege ich, dass dies mein erster kostenloser Test diese Woche ist?

„Das weiß kein Mensch“, sagt Meier und lacht. Auf der Gesundheitskarte dürfen Ärzte keine Daten speichern, ein zentrales Register gibt es nicht. Menschen könnten sich jeden Tag an einer anderen Stelle testen lassen. Auffallen würde das nicht. Das System hängt an der Ehrlichkeit der Menschen.

Wer darf kostenlos testen?

Auch das steht erst endgültig fest, wenn der Bund die Testverordnung veröffentlicht. Hausärzte und Testzentren werden es auf jeden Fall sein. Außerdem darf das Landratsamt laut Vorabversionen der Verordnung wohl dritte wie das BRK und die Apotheken beauftragen. „Die Paragrafen schwirren durchs Netz“, sagt Meier. „Aber es gibt noch nichts Rechtsbindendes.“

Meier glaubt, dass alle Hausärzte im Landkreis Tests anbieten werden. Das BRK wird es wohl auch tun. Bei Apotheken ist die Lage schwieriger: „Nicht alle haben dazu den Raum.“

Kann ich mich auch in der Apotheke testen lassen?

Grundsätzlich schon. Die Alten Stadtapotheke in Miesbach führt bereits seit Heilig-Drei-König bei asymptomatischen Menschen Schnelltests mit Ergebniszertifikat durch. 35,99 Euro kostet ein vom Personal professionell abgenommener Anti-Gen-Test, berichtet Apotheker Dr. Fritz Grasberger. Die Testwilligen müssen zustimmen, dass ein positives Ergebnis ans Gesundheitsamt gemeldet wird. Die Termine würden gut nachgefragt, vor allem von Grenzpendlern nach Österreich und Italien. Entgegen der Ankündigung des Bundes musste Grasberger auch am Montag noch kassieren. Der Grund: die fehlende Testverordnung mit anschließender offizieller Beauftragung der Apotheke durch das Gesundheitsamt. Grasberger kritisiert: „Das war mal wieder ein typischer Jens Spahn.“ Die Folge: jede Menge Verunsicherung. „Wir schwimmen alle“, sagt Grasberger.

Baut das BRK Teststationen im Landkreis auf?

„Wenn wir das wüssten“, seufzt BRK-Kreisgeschäftsführer Robert Kießling. Noch habe man keinerlei Infos, ob derartiges im Landkreis geplant sei. „So etwas muss koordiniert ablaufen“, betont Kießling. Das BRK stehe aber selbstverständlich zur Verfügung, wenn es dafür gebraucht werde. „Bis dahin harren wir der Dinge.“

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