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Jede Menge Informationen hatten Kreisbrandrat Anton Riblinger (r.) und die einzelnen Kreisbrandmeister und -inspektoren bei der Dienstversammlung für die Kommandanten im Gepäck.

Klare Worte bei Kommandantenversammlung

Feuerwehren unzufrieden: Digitalfunk läuft noch nicht rund

Der Digitalfunk bereitet den Rettungsorganisationen weiter Kopfzerbrechen. Das wurde bei der Dienstversammlung der Feuerwehrkommandanten im Landkreis deutlich. 

Landkreis Alle waren sie vertreten: die 36 Freiwilligen Feuerwehren und die Werkfeuerwehr im Landkreis. Hocherfreut begrüßte Kreisbrandrat Anton Riblinger die Führungskräfte zur Dienstversammlung beim Miesbacher Bräuwirt. Damit sah er gewährleistet, dass die vielen Informationen dieses Abends bis zu jedem der 2038 Einsatzkräfte durchdringen.

611 Belastungsübungen verzeichnete Kreisbrandmeister Thomas Gegenfurtner in seinem Bericht zum Atemschutz. Für März hat er in Wall einen Übungscontainer zur Brandsimulation organisiert, für November einen großen mobilen Container des Landesfeuerwehrverbands, in dem Gasbefeuerung und Rechnersteuerung verschiedene Szenarien zulassen.

15 Ausbilder und fünf Unterstützer kümmerten sich in etlichen Lehrgängen um Aus- und Fortbildung in Sachen Sprechfunk, Maschinistenwissen oder Absturzsicherung, führte Fabian Fiegler auf. Da der Gmunder künftig als Abteilungsleiter bei der Feuerwehrschule Geretsried wirkt, folgt ihm als Fach-Kreisbrandmeister Ausbildung Stefan Eisenried von der Schlierseer Wehr nach.

Auch beim Nachwuchs läuft es gut, wie Kreisbrandmeister Peter Schlickenrieder berichtete – auch wenn es nach seinem Geschmack noch ein paar mehr Jugendliche sein dürften: „Von 32 Feuerwehren mit Jugendgruppen habe ich nur 26 Berichte bekommen.“ Und auch mehr Mädchen wären nicht schlecht. Von den 273 Zwölf- bis 18-Jährigen, die sich 2017 bei den Feuerwehren engagierten, waren nur 33 Mädchen – und das bei auch nur 16 Feuerwehren. „Überlegt es euch noch mal,“ ermunterte Schlickenrieder die Kommandanten jener Wehren, die keine Frauen aufnehmen.

178 Anwärter unterzogen sich den abgestuften Tests zu Fahrzeug- und Gerätekunde, Funk sowie Verhalten bei Bränden und Notfällen. Die Abschlussprüfung mit 18 Jahren ist nicht das Ende, betonte Schiedsrichter Karl Limmer. Zu besonderer Vorsicht bei Einsätzen auf Eisenbahnschienen mahnte Kreisbrandinspektor Andreas Schwabenbauer: „Erst nach schriftlicher Bestätigung über Einstellung des Fahrbetriebs draufgehen! Und ein Baum in der Oberleitung heißt nicht, dass da kein Strom mehr fließt.“

Für die Eigensicherung bedeutsam war auch die Empfehlung von Feuerwehrarzt Dr. Florian Meier, sich gegen Hepatitis (Leberentzündung) impfen zu lassen, die man sich beim Kontakt mit Abwasser oder Körperflüssigkeiten von Infizierten einhandeln kann. Die Kosten von über 300 Euro würden von den Gemeinden übernommen, obwohl „die Bürgermeister da in der Dienstbesprechung neulich geschluckt haben“.

Da die Einsatzzahlen bei gleichbleibendem Personalstand steigen und zudem die Aufgaben aufgrund neuer Bauten und Vorschriften anspruchsvoller werden, ging es auch um wirkungsvolle Einsatzplanung. Die Leitstelle in Rosenheim hat zwar ein neues Alarmierungssystem entwickelt, um schnellstmöglich und bedarfsgerecht die tatsächlich benötigten Einsatzkräfte und -mittel an den Ort des Geschehens zu bringen, wie Florian Kink zeigte. Doch der neu eingeführte Digitalfunk beflügelt die Abläufe nicht immer. Er befindet sich laut Erich Schröck vom Landratsamt nicht nur „immer noch im erweiterten Probebetrieb“. Vielmehr müsse wegen diverser Probleme der Rettungsdienste „der komplette Alpenraum noch einmal überplant werden“. Nicht zuletzt fehlten für zwei neu erforderliche Basisstationen noch die Standorte.

Der kleine Etat des Kreisverbands mit rund 33 000 Euro wurde einstimmig genehmigt. Der größte Posten darin sind mit 4000 Euro vier Sichtschutzwände gegen die Gaffer bei Autobahnunfällen. Die Bandbreite der Aufgaben und das Engagement nötigten Landrat Wolfgang Rzehak, Miesbachs Polizeichefin Katharina Schreiber und Ortsbeauftragtem Siegfried Faltlhauser vom Technischen Hilfswerk in ihren Grußworten höchsten Respekt ab. Sie würdigten vor allem die Tatsache, dass die Feuerwehren ihre körperlich und seelisch fordernden Einsätze in ihrer Freizeit und ohne Entgelt leisten.

Von Gudula Beyse

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