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Zu billig: Das Bierpfand ist so niedrig, es macht die Kisten zum beliebten Baumaterial für selbst gemachte Möbel. Die Brauer kostet das viel Geld.

„Total veraltet und ein ziemlicher Schmarrn“

Flaschenpfand: Landkreis-Brauer fordern Erhöhung - Keine Alleingänge

  • Christian Masengarb
    vonChristian Masengarb
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Das Pfand auf Bierkästen und Flaschen ist viel zu niedrig - da sind sich die Brauer im Landkreis Miesbach einig. Einseitig mehr verlangen will aber keiner von ihnen.

Landkreis – Die Bierbrauer haben ein Problem. „Eine Bierflasche bekommt man heute nicht mehr unter 15 Cent“, erklärt Tilo Ruttmann, Geschäftsführer der Weißbierbrauerei Hopf aus Miesbach. Pfand zahlen die Kunden dafür aber nur acht Cent. Jede nicht zurückgebrachte oder zerbrochene Flasche kostet Ruttmann und seine Kollegen also mindestens acht Cent. Bei den Kästen sei der Unterschied noch deutlicher: Die Träger kosten inzwischen eher dreimal so viel wie der Pfandpreis in Höhe von 1,50 Euro. Auf ein Jahr gesehen entstehe so „ein gewaltiger Kostenfaktor“, sagt Ruttmann. Das müsse sich dringend ändern.

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Die bayerischen Brauer

Eine Forderung, die viele Brauer teilen. 40 Bierbrauer im Freistaat wollen das Pfand für einen leeren Kasten im März kommenden Jahres auf bis zu sechs Euro und das Pfand pro Flasche auf 15 Cent anheben – wenn es bis dahin keine deutschlandweit einheitliche Erhöhung gibt (wir berichteten). Das kündigte Georg Rittmayer, der Präsident des Verbands Private Brauereien Bayern, an. „Wir wollen eine bundesweite Lösung“, sagte er. „Aber vielleicht geht’s nur mit Druck.“ Das Germeringer Brauhaus wird sogar schon ab Herbst fünf Euro Tragl-Pfand verlangen.

Weißbierbrauerei Hopf

Ganz so weit sind die Brauer im Landkreis nicht. Einen Alleingang schließt Ruttmann aus. „Wenn jede Brauerei unterschiedlich Pfand verlangt, macht das der Verbraucher nicht mit“, sagt er – und verweist auf die Verhandlungen zwischen Brauereiverbänden aus ganz Deutschland, um das Pfand einheitlich anzuheben. Er will warten, bis diese Bemühungen Erfolge liefern. Denn: Es dürfte bald so weit sein, glaubt Ruttmann. Die Schere zwischen Kosten und Pfandpreis klaffe so weit auseinander, dass allen klar sei: Es muss etwas passieren. „Es geht nur noch darum, wie wir es machen.“

Hoppe Bräu

Bis es so weit ist, führt das günstige Pfand zu allerhand Problem. Die Kosten für die Brauer, klar, und die ökologischen Folgen achtlos weggeworfener Kisten, zum Beispiel. Aber es gibt auch kuriose Auswirkungen, wie Markus Hoppe, Geschäftsführer bei Hoppebräu in Waakirchen, berichtet: „Die Leute bauen sich aus unseren Bierkisten Betten, Tische und Bänke.“ Weil die Tragl nur 1,50 Euro kosten, sind sie als Baumaterial im Vergleich zu Holz und Metall unschlagbar günstig. Den Unterschied zum Einkaufspreis legen Hoppe und seine Kollegen drauf – und subventionieren damit selbst gebaute Theken in deutschen Party-Kellern.

Dazu sei das Pfandsystem nicht da, sagt Hoppe. Die Kisten bleiben rechtlich Eigentum der Brauerei. Das Pfand dient lediglich als Versicherung des Käufers, dass er sie zurückbringt. Ist der Preis dafür zu niedrig, funktioniert die Idee nicht. Deswegen unterstützt Hoppe eine Erhöhung. Neun oder zehn Euro für einen gesamten Kasten wären fair, findet er. „Das Geld ist ja nicht weg, die Menschen bekommen es wieder.“ Der derzeitige Preis sei „total veraltet und ein ziemlicher Schmarrn.“

Trotzdem: Auch Hoppe schließt einen Alleingang aus und wartet auf eine branchenweite Lösung. „Wenn wir ein anderes Pfand verlangen, sagt der Großhandel: ,Puh, dann fahr ich den Hoppe eben nimmer an.‘“

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Sappl Bräu

Ein anderes Problem hat Wolfgang Sappl von Sappl Bräu aus Holzkirchen. „Wenn einer ein Tragl zur Verwandtschaft nach Niederbayern mitnimmt, sehen wir das nie wieder“, sagt er. Das koste die junge Brauerei viel Geld. „Wir würden gerne mehr wachsen, aber weil die Tragl so teuer sind, können wir das nicht.“ Ein höherer Pfandpreis könne helfen – aber nur, wenn er wenigstens bayernweit einheitlich sei. Sonst sei die Umstellung der Pfandautomaten zu schwierig. Einen Alleingang schließt auch Sappl aus.

Der Rest

Die übrigen Landkreisbrauer ziehen ein ähnliches Fazit. Auch beim Valleyer Schlossbräu heißt es: Erhöhung ja, Alleingang nein. Nadine Stoever von der König Ludwig Brauerei, der das Holzkirchner Oberbräu gehört, verweist auf den Deutschen Brauer-Bund. Auch hier wird es also keinen Alleingang geben.

Wenigstens vorsichtig zur Pfanderhöhung neigt Martin Schwind, Inhaber des Mariensteiner Brauhauses. Diese sei „schon längst überfällig“. Ein Alleingang sei schwierig, aber „wenn sich alle zusammenraufen im Landkreis wäre es umsetzbar“.

Einseitig höhere Pfandpreise müssen die Bier-Fans im Landkreis dennoch eher nicht befürchten. Einziger Überraschungskandidat bleibt das Herzoglich Bayerische Brauhaus Tegernsee. Hier wollte sich trotz mehrfacher Nachfrage niemand gegenüber unserer Zeitung zu den Pfandplänen äußern.

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