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Platzmangel: Durch die Flüchtlinge geht es im Freizeit- und Kulturkeller oft eng zu.

Jugendzentrum erfreut sich großer Beliebtheit

Mit Flüchtlingen wird’s im FuKK zu eng

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Miesbach - Der Freizeit- und Kulturkeller Miesbach erfreut sich großer Beliebtheit – und die ist teilweise zu groß. Denn die Asylberwerber aus der benachbarten Erstaufnahmeeinrichtung in der Turnhalle der Berufsschule haben den Jugendtreff der Stadt für sich entdeckt. Es wird zu eng.

Der Freizeit- und Kulturkeller (FuKK) an der Seite der Miesbacher Mittelschule ist eine etablierte Anlaufstelle gerade für die jüngeren Jugendlichen. Dort können sie unter Aufsicht miteinander Zeit verbringen. Sport, Musikmachen, auch Filmeschauen und Basteln ist dort möglich. Eigentlich würde alles gut laufen.

Doch die aktuelle Flüchtlingssituation in der Kreisstadt wirkt sich auch auf den Betrieb der Jugendfreizeitstätte aus, wie die beiden Sozialpädagogen Gisela Staudinger und Simon Friedt jüngst im Stadtrat berichteten. „Die Asylbewerber haben uns entdeckt“, sagte Friedt. „Sie wollen zu uns rein.“ Grundsätzlich sei das erfreulich, gerade mit Blick auf den kulturellen Austausch, aber dafür sei der FuKK zu klein. Aus Brandschutzgründen ist die Besucherzahl auf 50 Personen beschränkt. Zwischen zehn und 20 Flüchtlinge seien zuletzt im Schnitt rübergekommen. Die Verantwortlichen sehen die Gefahr, dass die Asylbewerber die Miesbacher Jugendlichen – viele mit Migrationshintergrund – verdrängen könnten.

Um das Problem zu lösen, suchen die FuKK-Verantwortlichen Unterstützung bei anderen Einrichtungen in der Kreisstadt. So habe man bereits Kontakte zur katholischen Pfarrei und dem Haindlkeller geknüpft, den der Verein Eigeninitiativ betreibt. „Wir würden gerne tagsüber etwas für die Flüchtlinge anbieten“, erklärte Friedt. „Sie brauchen Raum zur Freizeitgestaltung, der kein Geld kostet, sonst sitzen sie nur draußen herum und trinken.“ Damit wäre vielen Stellen geholfen. Die evangelische Kirche sei dagegen zu weit entfernt von der Unterkunft. Und zum Moscheeverein bestehe noch kein Kontakt.

Staudinger und Friedt appellierten daher an die Stadträte, in mehr Räume und Personal zu investieren. Denn Friedt ist überzeugt: „Wir sehen große Chancen für die Integration.“ Freiräume würden einer Radikalisierung entgegenwirken, Vorurteile könnten abgebaut werden, und im Miteinander könnten die Asylbewerber Demokratie erleben und lernen.

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) dankte den FuKK-Vertretern für die ausführliche Information und betonte die Bedeutung der Einrichtung: „Eure Arbeit ist ganz ganz wichtig.“ Jedoch sei die Raumsituation schwierig zu lösen. Während Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) sich über die Willkommenskultur in Miesbach freute und darauf hinwies, dass Prävention in der Jugendhilfe später deutlich höhere Kosten vermeiden helfe, sah der ehemalige Jugendreferent Erhard Pohl (CSU) den Landkreis in der Pflicht: „Miesbach betreut die meisten Asylbewerber und hat damit die meisten Lasten zu tragen.“ Allerdings gefalle ihm der Aspekt, auf diesem Weg die Fremden an die deutsche Lebensweise heranzuführen.

Pongratz sah indes Bund und Freistaat in der Pflicht: „Wir helfen ja bei einer staatlichen Aufgabe.“ Alfred Mittermaier (CSU) sah es ähnlich: „Nur schauen ist zu wenig. Ich erwarte von Bund und Freistaat, dass man dort anders arbeitet.“ Man müsse schneller etwas umsetzen.

Deshalb soll nun das Landratsamt prüfen, ob der Brandschutz durch bauliche Maßnahmen mehr Besucher zulassen könnte. Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) gab den FuKK-Verantwortlichen mit auf den Weg, bei den Wünschen und Forderungen konkreter zu werden – „dann sind wir auch bereit, das zu unterstützen“.

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