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Positives Beispiel für Integration: Zum Gespräch beim Bayerischen Roten Kreuz in Miesbach saßen alle Beteiligten an einen Tisch zusammen – darunter Kreisgeschäftsführer Robert Kießling und Vize-Präsidentin Brigitte Meyer (v.l.).

Eritreerin mit bester Sanitäterausbildung

Flüchtlingsarbeit beim BRK Miesbach: Wenn Ehrenamt integriert

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Frehiwet Gebremichael aus Eritrea engagiert sich bei der Bereitschaft des Bayerischen Roten Kreuzes in Schliersee. Sie ist ein gutes Beispiel für gelungene Integration. Davon gibt es beim BRK einige.

Miesbach – Der Lockenschopf von Frehiwet Gebremichael (25) hüpft auf und ab, als die junge Frau aus Eritrea angeregt von ihrer Ausbildung erzählt. Gebremichael wird im Juni die Prüfung als Krankenpflegefachhelferin im Krankenhaus Agatharied abschließen. Trotz sprachlicher Schwierigkeiten sollte der Test für die 25-Jährige, die vor drei Jahren ohne ihre Familie nach Deutschland geflüchtet war, kein Problem darstellen. Ihre Sanitäterausbildung hat sie als Gruppenbeste abgeschlossen.

Das Bayerische Rote Kreuz sieht die Arbeit mit Flüchtlingen als „besondere Verpflichtung – schon von unserer Geschichte her“, sagt BRK-Vizepräsidentin Brigitte Meyer bei einem Besuch in Miesbach. Der Landkreis wurde im Rahmen einer Integrationswoche zum Weltrotkreuztag als positives Beispiel vorgestellt. „Das ist sicher nicht selbstverständlich“, betont Kreisgeschäftsführer Robert Kießling. „Hier können wir gelungene Integration zeigen – nicht nur beim BRK, sondern in vielen Bereichen.“

Gebremichael engagiert sich sehr. Wenn die Eritreerin nicht gerade auf die Abschlussprüfung lernt, verbringt sie die freien Stunden bei der BRK-Bereitschaft in Schliersee. „Die Leute sind meine Freunde geworden“, sagt sie. Gebremichael ist in Thalham untergebracht und muss zu ihrer Arbeitsstelle pendeln. Trotz all ihres Engagements wartet sie nach drei Jahren noch immer auf einen positiven Aufenthalts-Bescheid. Kießling schüttelt den Kopf. „Ich kann das überhaupt nicht verstehen.“

Mitarbeiter überlastet, Stellen nicht besetzt: Beim BRK gibt es eine Menge Möglichkeiten, um Asylbewerber zu beschäftigen. Beispielsweise waren einige probeweise in den Fahrdienst integriert worden. „Das hat sich super bewährt“, sagt Kießling. Auch Patienten hätten positive Rückmeldung gegeben. Allerdings scheiterte das Projekt an finanziellen Hürden. „Die Leute hätten nicht mehr an ihren Sprachkursen teilnehmen können“, sagt Kießling. Jetzt soll es einen neuen Versuch geben.

Im BRK-Auto sitzt hin und wieder auch Deus Charles. Seit acht Monaten ist er in Deutschland, seit sechs Wochen erst in Miesbach. Dort hat er sich gleich um einen Job in seinem gewohnten Metier gekümmert. „Ich arbeite seit 25 Jahren als Mediziner“, sagt er. Charles studierte in Tansania und war dort als Allgemeinmediziner tätig. Sein Traum wäre, seinen Beruf auch irgendwann in Deutschland ausüben zu können. Bis das klappt, ist er mit dem BRK-Patientenfahrdienst unterwegs.

Arbeiten ist das eine, Traumata überwinden und Spaß haben das andere. Den Part übernimmt beim BRK die Wasserwacht. In Kursen für Erwachsene und Kinder lernen die Asylbewerber dort das Schwimmen. „Wir haben Wartezeiten bis nach den Sommerferien“, sagt Hannes Kiesewetter, der in Holzkirchen das Hallenbad leitet. Für ihn und seine Helfer bedeuten diese Kurse aber nicht nur, die Teilnehmer zum Seepferdchen zu führen.

Bei den Schwimmkursen ist psychologisches Geschick gefragt. Viele der Asylbewerber kamen über den Seeweg nach Europa. „Wenn du das Ertrinken direkt miterlebt hast“, sagt Kiesewetter, „dann ist es eine Überwindung, daran zu arbeiten.“ Hin und wieder seien deshalb Teilnehmer abgesprungen. Nicht so die 16-jährige Silva aus Syrien. Sie kam mit ihrer Mutter und den beiden Geschwistern nach Deutschland, nachdem ihr Vater im Bombenhagel in Aleppo ums Leben gekommen war. „Ich hatte erst Angst im Wasser“, erzählt sie. „Aber Hannes und die anderen haben mir geholfen.“

Ob mit der Schwimmnudel im Hallenbad oder im BRK-Kittel im Kleiderladen: Das Bayerische Rote Kreuz hat jede Menge Platz für Asylbewerber. Beispielsweise sollen vier Flüchtlinge in die Tätigkeiten in der Geschäftsstelle in Miesbach eingebunden werden. Und Kießling sagt: „Unsere Potenziale sind noch lange nicht ausgeschöpft.“

nip

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