Bei der Sanierung soll die Wasserfläche von 1350 auf rund 1000 Quadratmeter verkleinert werden.
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Bei der Sanierung soll die Wasserfläche von 1350 auf rund 1000 Quadratmeter verkleinert werden.

Freibad Miesbach

Heißer Streit ums warme Wasser

  • Dieter Dorby
    vonDieter Dorby
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Warmfreibad oder nur Freibad – die Frage nach der Wassertemperatur sorgte im Stadtrat nun für eine intensive Diskussion. Teile der Freien Wähler hatten die Abkehr von garantierten 24 Grad Celsius gefordert, sich aber am Ende nicht durchsetzen können. Auch ein Absenken auf 22 Grad fand keine Mehrheit.

Die Kreisstadt Miesbach hält an ihrem Warmfreibad fest. Das hat der Stadtrat am Donnerstagabend gegen die Stimmen der Freien Wähler – mit Ausnahme von deren Mitglied Florian Ruml – beschlossen. Markus Seemüller hatte als Fraktionssprecher die Abkehr vom Beheizen des Wassers auf 24 Grad gefordert. Damit wäre aus dem Warmfreibad ein einfaches Freibad geworden.

Ausgangspunkt waren die Vorträge der Planer Josef Krautloher aus Vilshofen (Bad) und Dirk Hartisch, Geschäftsführer des Planungsbüros Möller und Meyer in Gotha (Technik). Insgesamt fünf Varianten stellte Hartisch vor, wie das Wasser erwärmt werden kann: per Gaskessel (Kosten bis zu 75 000 Euro), Geothermiepumpe (420 000 Euro), Anbindung an das Fernwärmenetz des Gymnasiums (100 000 Euro), Blockheizkraftwerk (400.000 Euro), Holzheizung (450 000 Euro) oder Luftwärmepumpe (400 000 Euro).

Zuheizen mit Fernwärme oder Gas

Für Hartisch sind eigentlich nur zwei Varianten zu bevorzugen: der Anschluss an das Fernwärmenetz der Schule sowie das Heizen mit Gaskessel. Dass man überhaupt heizen müsse, liege daran, dass die integrierte Absorberanlage das Wasser nur bei sonnigem Wetter erwärmen kann. „Man braucht eine Stütztemperatur“, stellte er fest. Vor allem wenn das Wasser nachts abkühlt und dann mehrere Tage braucht, um sich wieder zu erwärmen.

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Für Warmbadreferent Erhard Pohl (CSU) liegt nun „der große Wurf“ vor. „Es geht nicht mehr um die Frage, ob wir sanieren, sondern ums Weiterkommen“, sagte er. 24 Grad seien mit Blick auf Kinder und Senioren wichtig, und die „Wetterkapriolen“ seien ebenfalls zu beachten. Mit der Fernwärme lasse sich das Wasser klimaneutral beheizen, und in 25 Jahren seien die Kosten amortisiert.

Seemüller widersprach: „Wir finden, dass die Solaranlage allein reicht.“ Es gehe darum, Geld und Energie zu sparen. Bestenfalls sei es vorstellbar, einen Anschluss für später vorzubereiten, falls ein Beheizen wirklich unumgänglich sei.

„Warmbaden nicht mehr zeitgemäß“

Deutlicher wurde sein Fraktionskollege Lechner: „Das zwanghafte festhalten am Warmbad und 24 Grad ist mit Blick aufs Klima nicht mehr zeitgemäß und vermittelbar.“ Bei der Besichtigungsfahrt 2015 habe man viele Bäder gesehen, bei denen es allein mit einer Absorberanlage klappe. Zudem bedeute mehr Technik auch mehr Kosten und mehr Verschleiß. „Trotzdem stehen wir zum Bad.“ Um das zeigen zu können, beantragte Lechner thematisch getrennte Abstimmungen.

Gebäudereferent Manfred Burger (Grüne) sprach sich dagegen für einen Anschluss an die Fernwärme aus, „weil wir in absehbarer Zeit auch die Heizung im Hauptgebäude erneuern müssen“. Und seine Fraktionskollegin Astrid Güldner verwies darauf, dass das Kultusministerium sogar 26 Grad für Schwimmunterricht empfiehlt. „Außerdem brauchen die Bürger Naherholungsstätten – auch in der Corona-Krise.“ Voraussetzung sei jedoch, dass die Wärmeerzeugung klimaneutral erfolgt.

„Im kalten Wasser mag keiner baden“

Auch die SPD unterstützte das Warmbaden. „Ein bisschen zuheizen müssen wir“, sagte Paul Fertl, der amüsiert feststellte, „dass die grünste Fraktion nun die Freien Wähler sind“. Florian Hupfauer (FDP) betonte indes, dass es wichtig sei, am Ort schwimmen lernen zu können – „aber im kalten Wasser mag keiner schwimmen“.

Für Stefan Griesbeck (CSU) fallen die 100 000 Euro für den Fernwärmeanschluss bei einer Bausumme von 3,3 Millionen Euro brutto – abzüglich der geschätzten staatlichen Förderung von 830 000 Euro – nicht ins Gewicht. Ebenso wie die Kosten fürs Heizen, die sich in den vergangenen fünf Jahren bei 12 000 Euro jährlich bewegt hätten.

Immerhin wurde diesmal trotz aller Zweifel ausdrücklich betont, dass der gesamte Stadtrat die Sanierung will – auch jetzt inmitten der Finanzkrise der Stadt. Diese Frage hatte im zurückliegenden Wahlkampf noch für Verwerfungen gesorgt. Entsprechend einstimmig fielen die weiteren Beschlüsse: So werden die beiden Ingenieurbüros mit den Leistungsphasen 3 und 4 beauftragt, an deren Ende eine fertige Planung steht, mit der ein Zuschussantrag und ein Bauantrag gestellt werden können. Die Entscheidung zwischen Bauplan 1 und 2 und damit die Beantwortung der Frage, wo das Technikgebäude situiert werden soll, gilt es noch zu treffen.

ddy

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