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In die Jahre gekommen ist das Warmfreibad in Miesbach. Immer wieder wurde die fällige Sanierung verschoben - jetzt geht es nicht mehr.

Stadtrat berät über Investitionen

Freibad und Museum hoffen auf grünes Licht

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Die Donnerstagssitzung des Miesbacher Stadtrats könnte teuer werden für die Stadt. Erst wird die Machbarkeit der Warmfreibad-Sanierung diskutiert, dann der Antrag des Museumsvereins zum abgespeckten Kloster-Umbau. Das Problem: Beides kostet die klamme Stadt 3,2 Millionen Euro.

Seit Jahrzehnten wird am Miesbacher Warmfreibad nur das Nötigste repariert. Die überfällige Sanierung wird regelmäßig verschoben. Damit soll nun Schluss sein, wenn es nach Erhard Pohl (CSU) geht. Am morgigen Donnerstag (17 Uhr) werden im Stadtrat die Machbarkeitsstudien zur Badsanierung vorgestellt – ein Beschluss ist nicht vorgesehen, erklärt der Badreferent. Die Kosten: 2,5 Millionen Euro.

Billiger geht’s nicht, betont Pohl: „Das ist nur die allernötigste Grundsanierung – ohne Luxus, ohne Firlefanz.“ Weiteres Aufschieben sei angesichts der hoffnungslos maroden Bausubstanz nicht mehr drin. „Es ist schon fünf nach zwölf.“

Die Mängel sind bekannt: Löcher in der Uralt-Folie, ein über 40 Jahre alter Gasbrenner, kein Überlaufbecken, kein Wasser-Recycling und keine Abdeckung, um das Abkühlen über Nacht zu verringern. Das Bad ist zudem ein Verschwendrian: Das Wasser wird erwärmt und chemisch aufbereitet, um dann am Überlauf des Beckens einfach in den Kanal entsorgt zu werden. Aufbereitung? Fehlanzeige.

Für Pohl und die vielen Unterstützer ist das Bad die zentrale Freizeiteinrichtung der Stadt. Bis zu 30 000 Besucher nutzen sie pro Saison. „Für fünf Euro kann eine Familie dort den Tag verbringen“, ergänzt der Referent. Gerade Leute ohne Balkon oder Garten nutzen dies. Deshalb sieht er die Stadt auch moralisch in der Pflicht, in diese freiwillige Leistung zu investieren, die für Pohl nicht nur der Stadt dient. „Genau genommen ist das eine Einrichtung für den Landkreis.“ Deshalb hofft er auf einen überfraktionellen Schulterschluss. „Es ist eine politische Entscheidung.“

Die alte Klosterschule verfällt vor sich hin. Der Museumsverein mahnt deshalb zum Handeln - zumindest mit einem Minischritt.

Ein Bekenntnis zur Badsanierung könnte jedoch das Projekt auf Eis legen, das in der Tagesordnung als nächster Punkt folgt: das geplante Museum in der alten Klosterschule. Wie Carl Langheiter, Vorsitzender des Museumsvereins, erklärt, müsste man drei Millionen Euro investieren – 750 000 Euro für das Museum, die restlichen 2,3 Millionen für die Sanierung der Klosterschule, die die Stadt 2011 als Heimat für das Museum erworben hat. Seit elf Jahren steht das Gebäude nun leer – „das hat die Bausubstanz nicht besser gemacht“, sagt Langheiter.

Um der Stadt die finanzielle Hürde so niedrig wie möglich zu machen, hat der Verein nun eine Minimallösung erarbeitet und beantragt, mit dieser abgespeckten Version das Museum zu starten. Geplant ist zunächst nur, Keller, Eingangsbereich sowie das Hochparterre von Hauptgebäude und Mittelteil herzurichten. Maximal 700 000 Euro sind dafür notwendig –  25 000 Euro davon sind für die Einrichtung des Museums. „Damit können wir starten.“

Da das restliche Gebäude nach und nach saniert werden soll, ist es laut Langheiter wichtig, so zu planen, dass alle Anschlüsse passen und kein Geld durch vermeidbare Umbauten vergeudet wird. Mit dem Museum zu starten sei wichtig, um das Engagement im Verein am Leben zu halten und möglichen Sponsoren zu zeigen, dass sich etwas bewegt. Zudem sei das Geld für die Sanierung nicht verloren, betont Langheiter: „Jeder investierte Euro erhöht den Wert der Immobilie.“ Zusammen mit der hochwertigen Sammlung an Exponaten könnten die Innenstadt belebt und der Tourismus gefördert werden.

So unterschiedlich die Zielgruppen und Argumente beider Projekte sein mögen – in einem Punkt herrscht Einigkeit: „Wir wollen uns nicht auf ein Entweder-oder einlassen“, betont Pohl. „Jedes Projekt hat seine Berechtigung. Wir sehen uns nicht als Konkurrenten.“ Das bestätigt auch Langheiter: „Es wäre falsch, durch eine nicht vorhandene Konkurrenz Unruhe zu stiften. Beide Projekte sind wichtig und haben nichts miteinander zu tun.“

ddy

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