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Wollen die Einigkeit wiederherstellen: (v.l.) Gisela Hölscher (Vorsitzende), Stefan Eibl (Schriftführer), Andreas Obermüller (Schatzmeister) und Birgit Eibl (stellvertretende Vorsitzende).

Nach Debatte Aufruf zum Zusammenhalt

Freie Wähler Miesbach: Gisela Hölscher ist neue Kreisvorsitzende

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Monatelang stritten Andreas Obermüller und Sepp Hartl um den Vorsitz der Freien Wähler im Landkreis. Bei der Neuwahl verzichteten beide. In einer turbulenten Sitzung ging dieser an Gisela Hölscher.

Tegernsee – Die Fronten bei der Wahl des Vorstands der Freien Wähler (FW) im Landkreis sind von Anfang an klar. An einem Ende des Raums im Tegernseer Fischerstüberl sitzt der bisherige Kreisvorsitzende Andreas Obermüller aus Tegernsee an einem Tisch mit Birgit Eibl, Peter Friedrich Sieben und Gisela Hölscher. Er stapelt Listen, überprüft Ausdrucke, macht Notizen. Am anderen Ende geht der Waakirchner Bürgermeister Sepp Hartl (FWG) mit Brille, Stift und Zettel noch einmal die Rede durch, die er vorbereitet hat. An seinem Tisch sitzen insgesamt sieben Person, darunter drei Neumitglieder. Dazwischen harren an zwei Tischen FW-Mitglieder – alle mehr oder minder unzufrieden mit den Entwicklungen der vergangenen Monate – der Ereignisse. Damit ist die Bühne bereitet für eine Versammlung, bei der hart diskutiert werden wird.

Lesen Sie die Vorgeschichte: Freie Wähler: Landkreis-Vorsitz der FW weiter unklar

Freie Wähler Miesbach: Hölscher ist neue Kreisvorsitzende

Kreis- und Gemeinderätin Eibl, von Berufs Rechtsanwältin, fasst zusammen, wie es zu dem Termin gekommen ist. Die Versammlung sei bereits der dritte Versuch, einen Vorstand zu finden, sagt die Holzkirchnerin. Beim ursprünglichen Termin im März sei ein Nichtmitglied in das Gremium gewählt worden, wodurch alle Abstimmungen ungültig waren. Wie berichtet, war bei dieser Wahl überraschend Hartl zu Obermüllers Nachfolger gewählt worden. Auch das wurde durch den Fehler hinfällig. Ein Nachholtermin im April sei wegen Unklarheiten über das Verfahren kurzfristig verschoben worden, führt Eibl fort. „Wir sind alle Menschen, passiert“, sagt sie.

Der Streit hatte sich an der Frage entzündet, wie die Beziehung zwischen FWG, also den überzeugten Parteifreien, und der FW, also der Partei mit Hubert Aiwanger an der Spitze, weitergehen soll. Ziel ist eine gemeinsame Freie-Wähler-Liste für die Kommunalwahl. Dafür müsse die FWG aber unter das Dach der FW-Partei kommen, hatte Obermüller gefordert. Hartl, der für seine Kandidatur als Bezirksrat zwar der Partei FW beigetreten war, dessen Herz aber ansonsten für die Unabhängigkeit der FWG schlägt, sieht dafür keine Notwendigkeit. Er hatte daher überraschend selbst für den Vorsitz kandidiert – und zunächst gewonnen.

Entsprechend kritisch beurteilt Hartl die Vorgänge. „Es verwundert mich, dass ein Vorsitzender nicht weiß, wer Mitglied in seiner Partei ist“, merkt er an. Dass das nun ausgerechnet an der Wahl schieflief, bei der er zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt wurde, habe eine „gewissen Beigeschmack“. Seine Konsequenz: Er steht nicht mehr für Ämter zur Verfügung. „Weil ich mich nicht vorn’ hinstelle, wo ich kein Vertrauen hab’.“

Obermüller unterbricht ihn. „Ich beende mal deinen Wortschwall.“ Hartl entgegnet: „Brauchst du net, ich bin Mitglied und darf reden, wann ich will.“ Obermüller: „Ja, aber du musst dich kurz und bündig fassen.“ Hartl: „Hast du mir vorher net gesagt.“ Obermüller: „Willst du noch etwas sagen?“ Hartl: „Nein, danke.“

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Freie Wähler Miesbach: Dritter Anlauf zur Wahl soll glücken

Nächster Punkt. Jetzt verkündet Obermüller: „Ich stehe weder als Vorsitzender noch als Zweiter Vorsitzender zur Verfügung.“ Ein Raunen geht durch den Saal. Obermüller wischt sich den Schweiß von der Stirn. Dass er schwitzt, liegt nicht nur an der Debatte. In dem kleinen Raum ist es heiß geworden. Alle Stühle sind besetzt, auf den Bänken drängen sich die Menschen.

23 FW-Mitglieder sind zur Versammlung gekommen – deutlich mehr als die 13 Wahlberechtigten bei der ursprünglichen Wahl im März. Damals war Hartl unterstellt worden, gezielt Unterstützung mitgebracht zu haben. Dieses Mal ist die Neumitglieder-Kampagne Obermüllers erfolgreich. Unter anderem begrüßt er den Tegernseer Stadtrat Peter Friedrich Sieben, Eibls Sohn Stefan und den „erfolgversprechenden Nachwuchs“ der Familie Hölscher.

Es folgt die Wahl. Um ein erneutes Debakel zu verhindern, ist Michael Fischl, Landesgeschäftsführer der Freien Wähler, aus München gekommen. Er übernimmt die Wahlleitung. Obermüller verteilt Listen, auf denen sich die Mitglieder eintragen. Ein Nicht-Mitglied bittet er, den Saal zu verlassen. Der Mann weigert sich. Obermüller lässt ihn bleiben.

Bei der Wahl des Vorsitzenden ist Obermüller wieder Herr der Lage: Er nominiert Hölscher. Gegenkandidaten finden sich keine. FWG-Kreisrat Franz Zehendmaier schlägt zwar Hartl vor, doch der wiegelt ab: „Na nix! Ich bin auch bei keiner Versammlung mehr da!“ Hölscher wird mit 14 zu 9 Stimmen gewählt. Eibl folgt mit 15 Stimmen als Stellvertreterin, Stefan Eibl mit 16 als Schriftführer, Obermüller mit 15 als Schatzmeister.

Freie Wähler Miesbach: Aufruf zum Zusammenhalt

Zum Abschluss der Sitzung findet die neue Vorsitzende versöhnliche Worte. „Ich habe in der Diskussion bewusst nichts gesagt“, kommentiert die 53-Jährige, die im September vergangenen Jahres für die Freien Wähler für den Landtag kandidiert hatte. „Was war, das war. Ich will nach vorne sehen. Lasst es uns gemeinsam angehen.“ Die Mitglieder nicken. Einer steht auf und sagt: „Kumma zamm und vertrau ma uns.“

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