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Wichtig oder Luxus? Stadtrat streitet über Zuschuss für Landestheater

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Von: Sebastian Grauvogl

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Operette „Der Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künneke
Feierte 2019 Premiere: die Operette „Der Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künneke. © Andreas Leder

In haushaltstechnisch harten Zeiten haben es Zuschussanträge besonders schwer. Das musste nun auch das Freie Landestheater Bayern im Miesbacher Stadtrat erfahren.

Miesbach – Die Dramaturgie rührte schon aus dem Drehbuch. Unter Tagesordnungspunkt zwei hatten die Stadträte einen Nachtragshaushalt für das 2019 erneut klamme Miesbach zu verabschieden. Auch wenn dieser laut Kämmerer Josef Schäffler letztlich nur mehr kosmetischer Natur war, kamen doch wieder die schwer verdaulichen Zahlen auf den Tisch. Mit diesen im Magen, sollte das Gremium dann Geschmack an einer durchaus üppigen Zusatzausgabe finden: einem Zuschuss fürs Freie Landestheater Bayern.

Kein Wunder also, dass es dem ein oder anderen am Ratstisch ob der vermeintlich luxuriösen Ausgabe sauer aufstieß. Zumal der Trägerverein des Theaters den gewünschten Betrag von 35 000 auf 40 000 Euro pro Jahr aufgestockt hatte. „Das ist eine klassisch freiwillige Leistung“, fand Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FWG). Ein Verzicht auf die Zahlung werde zwar den Miesbacher Haushalt nicht retten, ein Signal sei es aber allemal. „Alles andere wäre den Bürgern nicht zu vermitteln“, sagte Lechner. Unterstützung erhielt er von Seiten der Grünen. „Kultur ist eine wichtige Aufgabe. Aber was wir nicht haben, können wir auch nicht ausgeben“, sagte Astrid Güldner. Manfred Burger erinnerte, dass sich das beantragte Zuschussvolumen in nur drei Jahren um mehr als 33 Prozent erhöht habe. „Das sehe ich nicht ein.“

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Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) hatte zuvor pro Freies Landestheater argumentiert. Mehr als 20 Vorstellungen im Bereich Oper, Operette, Musical, Kindermusiktheater und Sprechtheater plane das Ensemble 2020 in seinem Stammhaus in Miesbach. Hinzu kämen Aktionen für Menschen mit Behinderung. Bei der Beurteilung des Zuschusses müsse man bedenken, dass die Stadt nach jeder Aufführung samt Proben eine Rechnung für die Nutzung des Waitzinger Kellers stelle. Dies spiele rund 40 bis 45 Prozent der Ausgaben wieder ein. „Generell ist Kultur immer ein Draufzahlgeschäft“, machte Pongratz deutlich. Noch unwirtschaftlicher wäre aber, ein externes Tourneetheater zu engagieren. Bei nur zehn eingekauften Veranstaltungen käme schnell ein sechsstelliger Betrag zusammen.

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Diese Erfahrung habe die Stadt bereits gemacht, erinnerte Alfred Mittermaier (CSU). „Wir sind damit schon mal baden gegangen.“ Hier gehe es nun um nicht weniger als die Frage, ob man hinter dem Freien Landestheater Bayern stehe. Für Inge Jooß (SPD) war die Antwort klar: „Auch die kulturelle Versorgung gehört zu den Pflichten einer Kreisstadt“, sagte sie. Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) verwies in dem Zusammenhang auf andere bezuschusste Projekte, etwa den Kunstrasenplatz des SV Miesbach oder die energetische Sanierung der Eishalle des TEV Miesbach. Deshalb sollte man nun auch das Herz gegenüber dem FLTB aufmachen und den Zuschuss gewähren.

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Der Durchbruch in der Debatte gelang letztlich Erhard Pohl (CSU). Er beantragte, sich auf einen Zuschuss von 37 500 Euro zu verständigen und diesen für drei Jahre lang zuzusagen. „Das erspart uns die immer gleichen Diskussionen,, und das Freie Landestheater kann besser kalkulieren.“ Ein Vorschlag, der am Ende eine Mehrheit fand. Mit 14:9-Stimmen beschloss der Stadtrat das neue Budget.

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