„Manuel Greindl vom Miesbacher Manuelis steht vor seinem Lokal
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„Was mache ich, wenn es beim dritten Gang anfängt, zu regnen?“ Manuel Greindl, Chef des Miesbacher Manuelis, nimmt den regulären Betrieb erst wieder auf, wenn er drinnen Gäste bewirten darf. Bis dahin gibt es Streetfood.

Corona-Lockerungen

Freischank: Nicht alle Wirte legen los - „Dieses Kasperltheater ist nicht praktikabel“

  • Bettina Stuhlweißenburg
    vonBettina Stuhlweißenburg
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Gastronomen dürfen ab Samstag draußen Gäste bewirten. Doch die Freude hält sich in Grenzen. Vielen Wirten ist der Vorlauf zu kurz. Außerdem vermissen sie eine entscheidende Perspektive: Die Öffnung der Innengastronomie.

Miesbach - Nach monatelangem Lockdown darf am Samstag die Außengastronomie wieder öffnen. Doch nicht alle Wirte machen davon Gebrauch.

„Wir sind ein reines Menü-Restaurant“, sagt zum Beispiel Manuel Greindl, Chef im Miesbacher Manuelis. „Was mache ich, wenn es beim dritten Gang anfängt, zu regnen? Reingehen dürfen die Gäste ja nicht.“ Greindl hat deshalb beschlossen, erst dann wieder richtig loszulegen, wenn er seine Gäste auch drinnen bewirten darf. Bis dahin will er weiter Streetfood verkaufen – und ein paar (Steh)tische auf die Terrasse stellen, damit sich die Gäste zumindest hinsetzen können. Es herrscht Selbstbedienung, drei bis fünf Gerichte stehen am kioskartigen Fenster zur Auswahl.

Corona in Miesbach: Wirte vermissen von der Politik klaren Leitfaden

Greindl ist sauer auf die politisch Verantwortlichen. „Wie immer gibt es von der Regierung keinen klaren Leitfaden. Mal auf, mal zu. Dieses Kasperltheater ist für uns nicht praktikabel.“ Hundert bis 200 Arbeitsstunden steckten in seinen Menüs mit bis zu neun Gängen. „Wenn nach 150 Arbeitsstunden die Inzidenz plötzlich wieder steigt, muss ich alles wegschmeißen.“ Außerdem kocht Greindl nur mit regionalen und saisonalen Zutaten. „Die kriege ich nicht von heute auf morgen, ich muss mich langfristig vorbereiten können.“

Ähnlich sieht es Hans Vogl. Der Inhaber des Altwirts in Großhartpenning ist Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands im Kreis Miesbach. Er sagt: „Die Öffnung der Innengastronomie ist mit Abstand das Wichtigste.“ Er selbst sperrt erst am 7. Juni auf. „Ich habe nichts mehr da, meine vier Kühlhäuser sind leer und abgeschaltet.“ Er müsse erst einkaufen, seine 30 Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen. „Das geht nicht so schnell.“ Denn im Gegensatz zu anderen Gastronomen hat Vogl kein To-Go-Angebot. „Das lohnt sich für uns nicht. Wir sind ja nicht im Zentrum von Holzkirchen oder am Münchner Marienplatz.“

Corona in Miesbach: Weinkeller muss erst aufgefüllt werden

Der noch neue Wirt des Seehauses in Tegernsee plant, seine Freischankfläche am Montag in Betrieb zu nehmen. „Mein Weinkeller ist leer, ich muss erst einkaufen“, sagt Christian Wörner. Zwar freue er sich, endlich loslegen zu können, „ich habe aber auch Respekt davor“. Schließlich sei das Seehaus erst seit April in Betrieb - mit vier Mitarbeitern. Weitere vier hofft Wörner, bis Montag aus der Kurzarbeit holen zu können. „Sie hatten noch keine Gelegenheit, sich optimal einzuarbeiten. Deshalb bitte ich die Gäste um Nachsicht.“

Im Fischbachauer Café Winklstüberl laufen die Vorbereitungen bereits seit Tagen auf Hochtouren. „Freudig haben wir erfahren, dass wir ab Samstag die Außengastronomie öffnen dürfen“, sagt Thekla Mairhofer. „Wir hatten uns zwar auf Sonntag eingestellt, aber trotzdem versuchen wir, jetzt spontan alles hinzubekommen.“ Hierbei profitiert das Winklstüberl auch vom laufenden Tortenverkauf und der To-Go-Karte - es ist kein Kaltstart für das Café.

Mairhofer plant mit 75 Tischen, an denen bis zu fünf Personen sitzen dürfen. „Eine Reservierung vorab wäre gut, kann aber auch vor Ort getätigt werden.“ Zur Gästeregistrierung verwendet Mairhofer die Luca-App. Aber auch handschriftliche Registrierungen seien möglich.

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