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Die Innungsbesten aus zwei Landkreisen würdigten Kreishandwerksmeister Martin Heimgreiter (r.) und seine Stellvertreter Anton Lugauer (2.v.l.) und Herbert Kozemko (5.v.r.). Geehrt wurden (v.l.) Andreas Beck, Leonhard Würzhuber, David Rott, Simone Müller, Andreas Hagleitner, Lisa Walleitner, Stefan Schröferl, Monika Stich, Franz Oberhauser (Ehrenpreis), Josefa Estner, Sebastian Bäuml, Sebastian Nolte und Franz Holzer.

Freisprechungsfeier des Handwerks

Hier sind "wahre Könner am Werk"

Landkreis - Es war ein Fest fürs heimische Handwerk. In Miesbach wurden am Wochenende 174 junge Männer und Frauen von Kreishandwerksmeister Martin Heimgreiter traditionell freigesprochen. Das geringe Interesse von politischer Seite kritisierte er als „mangelnde Wertschätzung“.

„Ihr seid etwas Besonderes“, rief der stellvertretende Kreishandwerksmeister Anton Lugauer den jungen Leuten zu, bevor er ihnen die Zeugnisse überreichte und die Innungsbesten unter den munteren Klängen der Tölzer Danzlmusi ehrte. Für den Bäckermeister aus Gmund steht fest, dass die neuen Gesellen, die ihre Ausbildung erfolgreich hinter sich gebracht haben, fachlich in Form sind für „das Handwerk der Zukunft“. Einen wesentlichen Beitrag lieferten aber auch die Ausbildungsbetriebe. Das Handwerk ist im Raum Miesbach / Bad Tölz-Wolfratshausen mit 5400 Betrieben und 16 000 Beschäftigten ein bedeutender Wirtschaftsfaktor.

Voll des Lobes waren auch der katholische Miesbacher Pfarrer Stefan Füger, Vizebürgermeister Paul Fertl und der Tölzer Landrat Josef Niedermaier. Füger bekannte freimütig, er habe von einer Freisprechung im Handwerk vorher nichts gewusst und sei deswegen „sehr erfreut“ über die Einladung. Der Priester befand – auch bezugnehmend auf Jesus, dessen Vater Zimmermann war –, dass es die Aufgabe des Handwerks sei, „zum Wohle der Menschheit“ zu handeln.

Kein Wunder, dass die Freisprechung im Waitzinger Keller stattfand. Für Vizebürgermeister Fertl kann man an dieser historischen Stätte, einem „architektonischen Schmuckstück“, ermessen, was frühere Handwerker-Generationen zu leisten imstande waren. Er sah mit Blick auf die vielbewunderte Ausstellung der Bäcker, Metzger, Schreiner und Metallbauer vor den Toren des Festsaals „Könner am Werk“.

Landrat Niedermaier, ein gelernter Bäckermeister, hielt ein Plädoyer für die duale Ausbildung, „ein einmaliges System“, das unter allen Umständen bewahrt werden müsse. „Das ist eine gesellschaftliche Errungenschaft, die man nicht in Frage stellen sollte“, sagte der Kreispolitiker, der sich auch mit Akademikern erfolgreich messen will. Niedermaier: „Frieden, Freiheit und Wohlstand sind bei uns über Generationen gewachsen, weil die entsprechenden Strukturen vorhanden waren.“

Für Kreishandwerksmeister Heimgreiter, Schreiner in Waakirchen, war es ein trauriger Aspekt, dass nur wenige Politiker den Weg in den Waitzinger Keller gefunden hatten. „Das ist die mangelnde Wertschätzung unserer Arbeit“, warf er den Ferngebliebenen vor. Dabei beschäftigte sich seine Rede über weite Strecken mit dem politischen Geschehen in Bund, Ländern und Kommunen. Und der Welt, dabei vor allem mit dem Flüchtlingsdrama. Hier müsse gehandelt werden: „Wir haben eine Situation, die man nicht verdrängen und auch nicht verschieben kann.“ Schuldzuweisungen seien deswegen fehl am Platz. Es dürfe nicht so weit kommen, sagte Heimgreiter, dass „Kinder im Stall zur Welt kommen, weil in der Herberge kein Platz mehr für sie war“. Er nahm auch das Münchner Oktoberfest ins Visier, verwies auf einen eklatanten Widerspruch: Auf der einen Seite treffe man dort „Millionen von Menschen, die für puren Luxus eine Milliarde Euro ausgeben. Auf der anderen Seite jammern sie über die Kosten für die Flüchtlinge“.

Heimgreiter ist überzeugt, dass die neuen Gesellen in der großen Handwerksfamilie „Vorbilder sind, die man ein bisschen beneidet“. Er wünsche sich, dass die jungen Kollegen, wo immer sie gefragt sind, Verantwortung übernehmen und „mutige, leistungsfähige und neugierige“ Handwerker sind.

Hugo Molter

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