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Lässt sich die Laune nicht von den katastrophalen Schäden verderben: Erhard Pohl, Warmbadreferent.

Das auch noch: Frühzeitiger Saisonschluss wegen kaputter Heizung

Ist das Warmbad noch zu retten, Herr Pohl?

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Miesbach – Die Technik nicht mehr brauchbar, das Becken so gut wie hinüber - und ganz neu: Heizung kaputt. Das Warmbad ist ein Freizeit-Wrack. Referent Erhard Pohl erklärt die Folgen im Interview.

Nicht nur unter dem wechselhaften Wetter hatte das Miesbacher Warmfreibad in diesem Sommer zu leiden. Auch durch den maroden Zustand von Becken und Technik baumelte die Badesaison stets am seidenen Faden. Vor zwei Wochen ist zudem die Heizungsanlage ausgefallen. Ob das Bad deshalb bereits am kommenden Sonntag schließt und wie die Stadt ihre Freizeiteinrichtung trotz Haushaltsleck über Wasser halten will, erklärt Warmbadreferent Erhard Pohl (54) im Interview.

Herr Pohl, ohne Heizung könnten Sie das Bad ja eigentlich gleich zusperren, oder?

Pohl: Nein. Wir haben ja noch unsere Solaranlage. Weil die Sonne in den vergangenen Tagen kräftig eingeheizt hat, liegt die Wassertemperatur momentan bei angenehmen 27 Grad. In der kommenden Woche soll das Wetter aber schlechter und vor allem deutlich kühler werden, und so macht ein Betrieb nach dem 4. September keinen Sinn mehr. Außerdem können wir die Gasheizung nicht so ohne Weiteres reparieren.

Warum nicht?

Pohl: Das ist leider etwas aufwändiger. Ein Steuerungsventil ist kaputt gegangen. Kostenmäßig bewegen wir uns aber zum Glück noch in einem bezahlbaren Rahmen. Die Badesaison 2017 ist deshalb also nicht gefährdet. Heuer mussten wir dank der Solarabsorberanlage nur an 33 von 111 Öffnungstagen mit Gas zuheizen. Aber leider ist die veraltete Heizung nicht das einzige Problem.

Sie sprechen von der Beckenfolie.

Pohl: Ganz genau. Auch da haben wir im Sommer Blasen am Boden festgestellt. Es muss sich also ein größerer Riss gebildet haben, durch den Wasser eingedrungen ist. Wenn wir das Becken im Frühjahr leeren, werden wir die Folie genau kontrollieren und versuchen, das Leck zu schließen. Mehr als eine Flickschusterei wird das aber nicht werden.

Was angesichts der städtischen Haushaltslage nicht überrascht.

Pohl: Das ist natürlich richtig. Trotzdem hat diese Saison eindrucksvoll gezeigt, dass sich die Komplettsanierung des Bads nicht unendlich aufschieben lässt. Es werden immer wieder Defekte auftreten, und die gehen mit der Zeit ja auch ins Geld. Ganz zu schweigen von einer möglichen Schließung mitten in der Saison. Solange wir die große Lösung nicht anpacken, wird das jedes Jahr eine Zitterpartie. Heuer ist sie aber zum Glück noch einmal gut gegangen.

Wie fällt denn die Bilanz aus?

Pohl: Noch haben wir ja ein paar Tage mit schönem Wetter vor uns. Trotzdem war es eine eher durchwachsene Saison. Am Ende werden wir bei den Eintritten wohl nur auf 60 bis 70 Prozent des extrem guten Vorjahreswerts von 30 000 Besuchern kommen. Kein Wunder bei einem so wechselhaften Sommer. Die meisten Leute gehen eben erst ins Bad, wenn es länger als drei Tage am Stück sonnig und warm ist. Dafür hatten wir heuer keine ungeplanten Schließtage, was auch auf unsere wieder bessere personelle Besetzung zurückzuführen ist. Unsere Stammschwimmer und treuen Dauerkartenkäufer konnten also selbst bei schlechtem Wetter ins Becken. Erfreulich ist auch, dass wieder 920 Schüler den Sportunterricht in unserem Bad absolviert haben

Zimperlich durften die bei der um zwei Grad niedrigeren Solltemperatur aber nicht sein, oder?

Pohl: Natürlich merkt man den Unterschied zwischen 22 und 24 Grad. Im Endeffekt waren es aber nur einige wenige Badetage, an denen das Wasser wirklich nur diese Mindesttemperatur hatte. Ein paar kräftige Sonnenstunden haben gereicht, dass wir gegen Mittag wieder bei den gewohnten 24 Grad und mehr waren. Das haben wir den Gästen so erklärt, und die meisten waren damit auch zufrieden.

Wann dürfen die Schwimmer denn auf ein neues Bad hoffen?

Pohl: Das kann momentan niemand sagen. Es hängt eben an der Finanzlage der Stadt. Das heißt aber nicht, dass jetzt nichts passiert. Im Gegenteil: Wir treiben die Planungen weiter voran. Die drei Fachbüros, die ihre Konzepte präsentiert haben, müssen uns noch ein paar Detailfragen beantworten, dann sollte sich der Stadtrat eigentlich für eine Lösung entscheiden können. Wenn wir wieder Geld haben, sollten wir die günstige Zinssituation nutzen und sobald wie möglich loslegen. Wir können nicht darauf warten, bis die komplette Summe in der „Portokasse“ ist. Dafür sind die Investition und die Dringlichkeit zu groß.

sg

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