Das Hauptgebäude des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) an der Frauenschulstraße in Miesbach.
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Repräsentatives Anwesen: Das Hauptgebäude des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) an der Frauenschulstraße wurde bereits 1885 als Sitz der Direktion des Miesbacher Bergwerks errichtet. Jetzt muss es generalsaniert werden.

Berufliches Schulzentrum

Frühere Frauenschule in Miesbach wird saniert - lange Geschichte

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Ein geschichtsträchtiges Schulhaus wird generalüberholt: Das Hauptgebäude des Beruflichen Schulzentrums in Miesbach bekommt eine (behutsame) Sanierung.

Miesbach – Die hohen Herren des Miesbacher Bergwerks schufen sich einen repräsentativen Sitz. Von 1885 bis 1887 entstand auf der Anhöhe an der heutigen Frauenschulstraße ein dreigeschossiger, unverputzter Backsteinbau. Im Miesbacher Kulturführer von Alexander Langheiter ist zu lesen, dass das Direktionsgebäude der Grubenführung mit einem Blech-Walmdach im Stil der Neurenaissance, Holzbalkonen im Schweizerhausstil, einer Beletage im ersten Stock sowie einem Hauptportal mit toskanischen Säulen und einer halbrunden Freitreppe ausgestattet wurde. Auch ein Großteil der historischen Innenausstattung hätte sich bis heute erhalten.

Frauenschulstraße

Was Historiker freut, macht auch den aktuellen Hausherren stolz. „Das Gebäude ist noch gut in Schuss“, sagt Martin Greifenstein, Leiter des Beruflichen Schulzentrums (BSZ) Miesbach, das das zuletzt 1984 renovierte Haus heute nutzt. Die Generalsanierung für rund 2,5 Millionen Euro (abzüglich einer voraussichtlichen Fördersumme von 700 000 Euro), die in der jüngsten Kreistagssitzung beim Thema Investitionen in die weiterführenden Schulen auftauchte, beziehe sich in erster Linie auf neue Toilettenanlagen und den Brandschutz. Letzteres müsse man in enger Absprache mit dem Denkmalschutz in Angriff nehmen, weiß Greifenstein. „Das ist schon eine große Herausforderung.“

2021 sollen deshalb in erster Linie Planungsarbeiten stattfinden. So sind für das Haushaltsjahr 2021 auch vorerst nur 120 000 Euro eingeplant. Keinen Modernisierungsbedarf sieht der Schulleiter hingegen in Sachen Unterricht. Sogar EDV-technisch sei das alte Bergwerkshaus gut aufgestellt. „Alle Klassenräume haben Internet.“

Ohnehin nicht angetastet werden der 1926/27 von Lorenz Grühn errichtete und nach dem damaligen Landwirtschaftsminister Anton Fehr benannte Fehrhof, der einst einen Lehrgarten und eine Lehrküche beinhaltete. Auch das 1982 hinzugefügte Wohnheim mit Saal zwischen Schulhaus und Bauernhof bleibt unverändert.

Am Windfeld

Schon weiter in der Sanierungsplanung sind dafür die Gebäude der Berufsschule Am Windfeld. Wie berichtet, werden die einzelnen Trakte sukzessive energetisch modernisiert. Die Außenwände werden gedämmt, die Fenster ausgetauscht, die Heizungssteuerung (die Schule hängt am zentralen Blockheizkraftwerk an der Münchner Straße) erneuert. Das Raumprogramm erfährt hingegen keine Überarbeitung, erklärt Greifenstein. Lediglich in der Landmaschinenhalle werde ein neuer Fachraum zum Thema Elektromobilität geschaffen. „Das gehört zu einer modernen Kfz-Mechatroniker-Ausbildung dazu“, betont der Schulleiter.

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Laut Finanzplan investiert der Kreis rund 25,7 Millionen Euro in die Generalsanierung der Berufsschule (abzüglich voraussichtlich 10,2 Millionen Euro Fördergelder), wobei für heuer 1,6 Millionen Euro veranschlagt sind.

Eher behutsam modernisiert werden soll dafür das alte Backsteinhaus an der Frauenschulstraße. Greifenstein sieht hier durchaus auch eine historische Verpflichtung. So erhielt der Frauenschulverein bereits 1908 nach dem Umzug der Bergwerksdirektion nach München den Zuschlag für die Nutzung des Gebäudes, das ursprünglich der Unterbringung des Krankenhauses, dann der Mittelschule hätte dienen sollen.

Mit kriegsbedingten Unterbrechungen (da wurde der Backsteinbau als Kaserne und Lazarett zweckentfremdet) war das Haus die Heimat der Frauenschule, die seit 1977 den Titel Staatliches Berufsbildungszentrum für Hauswirtschaft und Sozialwesen trägt und auch männlichen Schülern offensteht. Nicht umsonst beschreibt Greifenstein das Schulhaus wie folgt: „Von außen nostalgisch, von innen voll auf Höhe der Zeit.“

sg

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