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Die Stadtkapelle um Dirigent Wolfgang Probst spielte im rappelvollen Waitzinger Keller. 

Frühjahrskonzert im Waitzinger Keller in Miesbach

Stadtkapelle entführt das Publikum von Bayern in die Karibik

Eine musikalische Reise beim Frühjahrskonzert: Die Stadtkapelle Miesbach bewies sich im Waitzinger Keller einmal mehr als Klangkörper. Anspruchsvollen Stoff servierten die 62 Musiker scheinbar mühelos.

Miesbach – Während sich draußen schön langsam der Regen mit Schnee vermischte, machte die Stadtkapelle für die Besucher im rappelvollen großen Saal des Miesbacher Waitzinger Kellers musikalisch die Heizung an und sorgte für eine wohlige Grundstimmung. Der 62-köpfige Klangkörper entführte das sichtlich angetane Publikum bei seinem Frühjahrskonzert auf eine Reise von Bayern über Wien durch die halbe Welt bis in die Karibik, immer fest verwurzelt in heimischen Gefilden.

Nachdem Julius Fucik mit seinem berühmten „Triumph-Marsch“ die Gladiatoren hatte einziehen lassen, wünschte Ansager Sepp Grundbacher, der informativ und humorvoll durch den Abend führte, den Musikanten „a guads Gelingen“, weil er natürlich schon wusste, dass ihnen das nun folgende dreizehnminütige Werk einiges abverlangen würde: die Ouvertüre zur Oper „Wilhelm Tell“ von Gioachino Rossini. Doch Dirigent Wolfgang Probst führte seine Musikanten – wie auch den ganzen Abend über – sicher, unaufgeregt und mit leichter Hand durch das anspruchsvolle Stück, dem das Publikum bewundernden Beifall folgen ließ. Der Musikmeister selbst hatte die „Sofie Polka“ komponiert, die er seiner Tochter widmete, und die lebensfrohe Polka „Zum Sternbauer“, die einer musikalischen Freundschaft mit Südtirol entsprang. Auch der stimmungsvolle Konzertmarsch „Sonne über Losinij“ stammt aus Probsts Feder. Alle drei Eigenkompositionen werden in Kürze auf einer im März zusammen mit anderen Kapellen eingespielten CD zu hören sein.

Ziemlich genau 150 Jahre ist es her, dass der gewaltige Konzertwalzer „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss (Sohn) in seiner Konzertfassung uraufgeführt wurde. Ein passender Anlass, dem „Walzerkönig“ die Ehre zu erweisen. Die Stadtkapelle tat dies in gebotener musikalischer Qualität und Feierlichkeit.

Musikvorstand Gerhard Probst und Thomas Brunner vom Bezirksmusikverband nahmen diverse Ehrungen in Form von Leistungsabzeichen für die Jungen und Urkunden für langjährige Mitgliedschaft vor. Sepp Grundbacher bezeichnete es als Phänomen und Glücksfall, dass es neben dem Trend zum permanenten „Wischen“ am Handy unter Jugendlichen auch einen deutlichen Trend zur Blasmusik gebe, und viele erfahrene Musikanten, die ihr Können an die Jungen weitergeben.

Draußen knapp über der Null-Grad-Grenze, drinnen im Saal karibisches Flair: Hans Zimmers opulente Filmmusik zu „Fluch der Karibik“ stand auf dem Programm. Hier waren besonders die Schlagwerker gefordert, und auch hier erwies sich die Stadtkapelle als homogener, kraftvoller, exakt und sensibel agierender Klangkörper, der auch diese Herausforderung eines so komplexen Werks mit Bravour meisterte. Gleiches galt auch für den brasilianischen Evergreen „Tico Tico“, der in den 1940er Jahren Berühmtheit erlangte und von zahlreichen Musikern und Formationen gespielt wurde. Die Miesbacher interpretierten das schwungvolle, fetzige Stück mit allerlei rhythmischen Tücken trotz ihres zahlenmäßig großen Klangkörpers leicht und locker. So schnell wollten die Besucher danach nicht heimgehen, und die Kapelle war auf die stürmische Nachfrage nach Zugaben bestens vorbereitet. Sie brachte noch zwei Standards und landete schließlich nach einem erlebnisreichen österlichen Rundflug wieder in Bayern. Und nichts hätte sich besser geeignet als der „Bayerische Defiliermarsch“, die „heimliche bayerische Nationalhymne“.

Ein zweites Konzert mit diesem Programm spielten die Musikanten der Blaskapelle Agatharied unter der Leitung Wolfgang Probsts fand am Ostermontag im Haushamer Alpengasthof Glück Auf.

Reinhold Schmid

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