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Ist guter Dinge für 2019: Sozialarbeiter Sebastian Poll im Freizeit- und Kulturkeller in Miesbach.

Früher kamen bis zu 25 Jugendliche

FuKK Miesbach: Die Zwangspause hat Spuren hinterlassen

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Der Freizeit- und Kulturkeller (FuKK) Miesbach hat fast seinen gesamten Nachwuchs verloren. Schuld ist eine eilige Schließung wegen Brandschutz-Mängel. So geht es jetzt weiter.

Miesbach – So dunkel wie im vergangenen Spätsommer war es im Freizeit- und Kulturkeller (FuKK) in Miesbach schon lange nicht mehr. Wegen Mängeln beim Brandschutz musste die beliebte Jugendeinrichtung quasi über Nacht geschlossen werden. Rund zwei Monate blieben die Lichter aus. Die Folgen merken die Betreuer bis heute, berichtete Sozialarbeiter Sebastian Poll nun im Miesbacher Stadtrat. „Durch die Zwangspause ist uns fast der gesamte Nachwuchs weggebrochen. Und das tut uns richtig weh.“

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FuKK Miesbach: Die Zwangspause hat Spuren hinterlassen

Eigentlich nämlich war der FuKK auf einem guten Weg. Das ganze vergangene Jahr über lagen die durchschnittlichen Besucherzahlen pro Tag über den Werten von 2016 und 2017. An jedem der vier Öffnungstage pro Woche schauten mindestens 25 Jugendliche ab zwölf Jahre (darunter immer mehr Mädchen) vorbei, um im Clubraum Billard zu spielen, in der Disco Musik aufzulegen oder im Computerraum an der Playstation zu zocken. Letzteres sei momentan gerade wegen des boomenden „E-Sports“ (virtuelle Wettkämpfe in Computerspielen) ein echter Renner, erzählte Poll. „Wir haben sogar ein Turnier ausgerichtet.“

Auf dem absteigenden Ast sei hingegen das Internet-Café – nur logisch in Zeiten von Smartphones und WLAN. Nicht mit mangelnder Nachfrage, sondern vielmehr mit strengen Sicherheitsvorschriften hat der Kraftraum des FuKK zu kämpfen. Da man keine ständige Beaufsichtigung garantieren könne, habe man beschlossen, das kleine Fitnessangebot in einen weiteren Discoraum umzuwandeln. „So können wir mehrere Musikgeschmäcker gleichzeitig bedienen“, erklärte Poll.

Sein Improvisationstalent stellte das FuKK-Team 2018 auch während der durch die Bauarbeiten am Brandschutz verursachten Schließung im August und September unter Beweis. Um die Jugendlichen nicht einfach wegschicken zu müssen, habe man spontan mit mobilen Angeboten wie einem Café oder Sportprogrammen im Freien für Ersatz gesorgt. „Federn lassen mussten wir aber trotzdem“, räumte Poll ein. „Das ist einfach saudumm gelaufen.“ Auch die Tatsache, dass die von den Jugendlichen selbst angestoßenen Renovierungsarbeiten in den Räumen durch die Bauarbeiten in Mitleidenschaft gezogen wurden, habe sich nicht gerade positiv auf deren Motivation ausgewirkt. Dennoch sind Poll und seine Kollegin, Sozialpädagogin Gisela Staudinger, sowie die Jugendleiter guter Dinge, dass sie die Begeisterung der Jugendlichen zurückerobern können.

Dass diese die Kontakte zu Vertrauenspersonen außerhalb ihrer Familien brauchen, zeigt der wachsende Bedarf an Beratungsgesprächen, sagte Poll. „Ich komme oft gar nicht mehr aus dem Büro raus.“ Besonders der tragische Tod einer Jugendleiteranwärterin durch einen Stromschlag in der Badewanne habe die gesamte FuKK-Familie im vergangenen Jahr tief getroffen. Es sei aber ergreifend gewesen, wie gut die Jugendlichen diesen Schock aufgearbeitet hätten – unter anderem mit einem von ihnen selbst mitorganisierten Trauergottesdienst.

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FuKK Miesbach: Mehr Stellen beantragt

Um den jungen FuKK-Besuchern weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung stehen zu können, bat Poll die Stadträte um eine Aufstockung der Teilzeitstelle seiner Kollegin Staudinger. „Das ist eine Investition in die Zukunft“, sagte er. „Wir können da viele Probleme abfangen.“ Ein weiterer Punkt auf seinem Wunschzettel war die Schimmelbehandlung in einigen der Kellerräume.

Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) versprach, bezüglich der Stelle mit dem Kreisjugendring (KJR) in Kontakt zu treten. Lob für die Arbeit des FuKK erhielt Poll von Jugendreferent Christian Mittermaier (CSU). „Ihr seid ein wichtiger Pfeiler für die Jugendlichen in Miesbach.“ Und Verena Assum (CSU) betonte, sie sei „jedes Jahr aufs Neue begeistert, was ihr alles macht.“ Die Frage von Erhard Pohl (CSU), ob der FuKK über Kooperationen mit dem vom Verein Eigeninitiativ betriebenen Haindlekeller nachdenke, beantwortete Poll mit einem Nicken. Die Zielgruppen seien zwar etwas unterschiedlich, aber: „Wir helfen uns, wo wir können.“

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