+
Im Wald trafen ein 48-jähriger Fischbachauer und ein 20-jähriger Bayrischzeller aufeinander.

Beide landen vor Gericht

Betrunkener Bursche trifft im Wald auf aggressiven Wanderer - mit Folgen

Der eine verfährt sich angeblich beim Umparken. Der andere ist angeblich nicht handgreiflich geworden. Für beide endete die Geschichte nun auf der Anklagebank.

Bayrischzell – Die Parteien waren im Wald aneinander geraten, jetzt sahen sie sich vor Gericht als Angeklagte wieder. Sie hatten sich gegenseitig angezeigt. Einem 20-jährigen Bayrischzeller warf die Staatsanwaltschaft fahrlässige Gefährdung des Straßenverkehrs vor, einem 48-jährigen Fischbachauer vorsätzliche Körperverletzung.

Was war passiert? Laut Anklageschrift fuhr der 20-Jährige an einem Nachmittag im Oktober des vergangenen Jahres gemeinsam mit einem gleichaltrigen Freund irrtümlich auf eine Forststraße beim Zipfelwirt in Bayrischzell. Im angrenzenden Wald wollte er sein Auto wenden, musste dazu aber an einer spazieren gehende Familie mit Kinderwagen vorbei. Laut deren Aussage war der Wagen mit einer Geschwindigkeit von etwa 50 Kilometern unterwegs. „Da die Straße sehr schmal war, musste ich zur Seite springen, um nicht überfahren zu werden“, so die Ehefrau des 48-jährigen Angeklagten.

Der Bayrischzeller konnte seinen Wagen schließlich wenden und traf beim Zurückfahren abermals auf die Familie, die ihm offenbar mit dem Kinderwagen den Weg versperrte, um das Auto zu fotografieren und die Rüpel zur Rede zu stellen. Der 48-Jährige soll dann den Beifahrer aus dem Auto gezogen und an den Wagen gedrückt haben. Deshalb die Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung.

Ausschlaggebend für die Verhandlung war dann aber die dritte Begegnung an diesem Nachmittag. Am Zipfelwirt hatte der 20-Jährige seinen Wagen abgestellt, und wieder kam die Familie vorbei. Laut Aussage der Mutter hat der Bayrischzeller bei dieser Gelegenheit Drohungen ausgesprochen. „Sonst hätten wir wahrscheinlich von einer Anzeige abgesehen.“ Die verständigte Polizei traf den Fahrer dann zu Hause an – und zwar in alkoholisiertem Zustand.

Bezüglich der Geschehnisse beim zweiten Aufeinandertreffen gingen die Darstellungen deutlich auseinander. Immerhin räumte der Angeklagte ein, die Türe zugehalten zu haben. Der Beifahrer habe aussteigen wollen. „Ich dachte, der will uns was tun“, sagte der Fischbachauer. Schließlich habe der junge Mann noch versucht, aus dem Fenster zu klettern.

Der Zeuge schilderte dies anders. Der 48-Jährige habe ihn am Hemd gepackt, rückwärts aus dem Fenster gezogen und anschließend ans Auto gedrückt. Ein ärztlicher Befund bestätigte Prellungen am Rücken. Der Angeklagte schüttelte darüber nur den Kopf: „Ich habe ihn nicht angerührt.“ Sein Verteidiger bezeichnete das Attest als „fadenscheinig“, und auch die Ehefrau verneinte eine Attacke ihres Gatten. Da die Zeugenaussagen an dieser Stelle auseinandergingen, stellte das Gericht das Verfahren mangels Beweisen gegen Zahlung einer Geldauflagen in Höhe von 250 Euro ein.

Weniger glimpflich kam der 20-jährige Angeklagte davon, der sich während des Prozesses nicht äußerte. Immerhin: Wegen des regelmäßigen Alkoholkonsums hielt ihn die Staatsanwaltschaft für „reifeverzögert“ und sprach sich für eine Anwendung des Jugendstrafrechts aus. Dem folgte Richter Klaus-Jürgen Schmid und verurteilte den Bayrischzeller zu einer Zahlung von 250 Euro an die Caritas, drei Monaten Führerscheinentzug und drei Terminen bei der Suchtberatung.

Video: Betrunkene Männer mit Bobby-Cars

von Leah Stefan/Video: Glomex

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Unser Advents-Rezept des Tages: Omas Hundetraum
Warum eigentlich nicht auch mal unseren vierbeinigen Freunden ein paar Plätzchen backen? Wie auch der Hund in der Vorweihnachtszeit verwöhnt wird, lest ihr hier in …
Unser Advents-Rezept des Tages: Omas Hundetraum
Bahnübergänge: Diese Gefahrstellen sollen entschärft werden
Neun Bahnübergänge gibt es in der Gemeinde Fischbachau, aber nur einer davon ist technisch gesichert. Einige Gefahrstellen könnten mit verhältnismäßig wenig Aufwand …
Bahnübergänge: Diese Gefahrstellen sollen entschärft werden
Nachdem er einer Fremden half: Mann vor Disco brutal zusammengeschlagen
Als ein Mädchen mit ihrem Auto im Schnee stecken geblieben war, halfen ein 20-Jähriger und zwei Freunde sofort. Nun liegt der junge Mann schwerverletzt im Krankenhaus.
Nachdem er einer Fremden half: Mann vor Disco brutal zusammengeschlagen
Pro Rettungsgasse: Einsatzkräfte informieren bei Aktionstag
Gerade zu Ferienbeginn sind die Autobahnen voll.  Und doch scheitert immer wieder das Bilden einer Rettungsgasse. Am Freitag gab’s nun einen Aktionstag am Irschenberg.
Pro Rettungsgasse: Einsatzkräfte informieren bei Aktionstag

Kommentare