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Eingespieltes Team: Sabine Hurnaus-Pfleger und Hündin Pepper sind zweimal wöchentlich für jeweils drei Stunden im Unterricht dabei. Pepper musste zuvor eine einjährige Ausbildung samt Eignungstest absolvieren.

Interview mit Lehrerin und Hundehalterin

Warum Hündin Pepper jetzt in der Schule arbeitet

Miesbach – Die Mittelschule Miesbach hat eine neue Aushilfslehrerin - und die geht auf vier Beinen. Im Interview erklärt ihre Besitzerin, wie Pepper den Schülern hilft. 

Tiergestützte Pädagogik – insbesondere mit Hunden – liegt im Trend. Die Vierbeiner können die Lernatmosphäre im Klassenzimmer verbessern und dazu beitragen, dass sich ruhige, verschlossene Schüler öffnen. Sabine Hurnaus-Pfleger (45) aus Gmund ist Inklusionslehrerin an der Miesbacher Mittelschule und die einzige ihres Standes im Landkreis. Wir haben die Mutter eines behinderten Sohnes zur positiven emotionalen Wirkung ihres Schulhundes Pepper – einer Australien Shepherd Hündin – auf Kinder befragt.

Frau Hurnaus-Pfleger, was hat Sie dazu bewegt, sich für die Arbeit mit Hunden in der Schule ausbilden zu lassen?

Hurnaus-Pfleger: Ich bin selber seit 15 Jahren als Klassenlehrerin an unterschiedlichen Schulen im Landkreis tätig. Als sich herausstellte, dass mein Adoptivsohn Roman Autist ist, war klar, dass ich nicht mehr Vollzeit arbeiten kann. Ich habe mich schließlich darauf besonnen, dass ich nebenher noch dringend etwas für meinen Kopf brauche.

Und da kam Ihnen spontan Tierpädagogik in den Sinn?

Hurnaus-Pfleger: Wir haben genau genommen schon immer Hunde in der Familie gehabt, also lag die Idee für mich relativ nahe. Außerdem hatte ich mir schon ganz früh Gedanken darüber gemacht, irgendwie meinen Lehrerberuf und die Arbeit mit Tieren zu verknüpfen. Schließlich habe ich verschiedene Kurse zum Beispiel im Bereich Tierheilpraktik und später auch tiergesteuerte Pädagogik besucht und davon natürlich auch hin und wieder in der Schule erzählt, wodurch auch meine Chefs auf das Thema aufmerksam geworden sind. Die Mittelschule in Miesbach ist ja inzwischen offiziell Inklusionsschule.

Ihre Hundedame Pepper haben Sie aber nicht aus rein beruflichen Gründen.

Hurnaus-Pfleger: Nein, Pepper habe ich mir wegen meines Sohnes angeschafft. Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, wie ich verhindern kann, dass Roman in der Nacht abhaut, wie es autistische Kinder vereinzelt tun. Ich brauchte also einen jungen Hund, den ich dahingehend erziehen kann. Irgendwann kam mir der Gedanke, dass ich Pepper weiter ausbilden könnte, um sie in der Schule einsetzen zu können.

Wie gestaltet sich diese Ausbildung?

Hurnaus-Pfleger: Der Hund war ein Jahr lang sozusagen Azubi in der Schule und wurde sowohl von mir als auch regelmäßig von einer Münchner Tierärztin für Verhaltenstherapie geschult. Pepper musste während ihrer Lehrzeit ihre Eignung als Schulhund unter Beweis stellen. Im Rahmen einer Abschlussprüfung wurde beispielsweise getestet, ob sich der Hund nicht zum Beißen oder zu aggressivem Verhalten hinreißen lässt. Außerdem wurden ein Unterrichtsbeispiel nachgestellt und der Grundgehorsam des Tieres geprüft.

Warum nun also ein Hund in der Schule?

Hurnaus-Pfleger: Tiere lassen sich im Unterricht sehr vielseitig einsetzen. Es ist erwiesen, dass sie eine positive emotionale Wirkung auf uns Menschen haben. In der Schule können sie wahre Türöffner sein, wenn Kinder etwa nicht sprechen. Die bloße Anwesenheit von Pepper führt dazu, dass die Kinder gelöster und entspannter sind. Streicheln und Körperkontakt bewirken eine Muskelentspannung. Pepper hört ja auf Kommandos. Und wenn zum Beispiel ein schüchterner Junge merkt, dass der Hund auf ihn hört, steigert das sein Selbstbewusstsein. Kinder, die regelmäßig Kontakt zu Tieren haben, sind empathischer und sozial kompetenter. Zudem können sie besser lernen.

Welchen Regeln folgen die Einsätze?.

Hurnaus-Pfleger: Der Hund wird zunächst einmal nur ganz gezielt in Absprache mit der sogenannten Inklusionsgruppe eingesetzt. Er soll ja nicht ablenken. Pepper hält sich außerdem in einem für sie vorgesehenen Zimmer auf und ist geimpft. Außerdem achten wir natürlich sehr auf Hygiene und darauf, dass Schüler sie nicht ohne Erlaubnis berühren. Im Schulhaus bewegt sich der Hund ausschließlich an der Leine und zusammen mit mir. Obligatorisch ist zudem eine spezielle Haftpflichtversicherung und dass der Hund nur für kurze Phasen eingesetzt wird. Die Arbeit bedeutet für Pepper schließlich auch einen gewissen Stress.

ah

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