Hat trotz Lockdown genug zu tun – dank To-Go- und Lieferservice: Manfred Papst vor seinem gleichnamigen Bistro in Holzkirchen.
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Hat trotz Lockdown genug zu tun – dank To-Go- und Lieferservice: Manfred Papst vor seinem gleichnamigen Bistro in Holzkirchen.

To-Go- und Lieferservice

Gastro-Boom trotz Schließung? So kommen die Lokale der Region mit dem Lockdown zurecht

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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  • Jonas Napiletzki
    Jonas Napiletzki
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Essen zum Mitnehmen oder zum Ausliefern: Die Gastronomen der Region bieten vielfältige Angebote - trotz des Lockdowns. Besondere Menüs gibt es bei vielen auch an Silvester.

Landkreis – Essenholen statt Essengehen: Was im ersten Lockdown für Gäste wie Gastronomen teilweise noch Neuland war, hat sich mittlerweile gut eingespielt. Die Liste an To-Go- und Heimlieferangeboten, die täglich auf der Serviceseite der Heimatzeitung veröffentlicht wird, hat bereits eine stattliche Länge erreicht. Die Vielfalt reicht vom fertigen Schweinsbraten mit Kartoffelknödel über Steaks zum Fertiggaren bis zum kompletten Fondue-Set für Silvester. Wir haben uns umgehört, wie zufrieden die Gastronomen mit der Nachfrage der Kunden sind.

Fondue für die ganze Familie

Manfred Papst, Inhaber des gleichnamigen Bistros in Holzkirchen, ist von seinen Kunden so begeistert, dass er sich für Silvester etwas Besonderes überlegt hat: ein Fondue-Paket. „Die Leute müssen sich um nichts kümmern, außer ums Abholen“, sagt der Gastronom. Das Angebot mit Rinder-, Schweine-, Lamm- oder Geflügelfleisch – alternativ auch mit Riesengarnelen – stellt Papst mit hausgemachten Soßen, Baguettes und Gemüse bereit. Auch portionierte Rinderbrühe können die Kunden im Atrium abholen. Bestellungen nimmt das Bistro bis zum heutigen Mittwoch an. „Erstaunlicherweise haben wir gerade beim Fondue viele Solo-Bestellungen für eine Person“, sagt Papst schmunzelnd. „Vermutlich sitzen die Leute aber nicht alleine vor dem Topf, sondern bestellen zusammen bei unterschiedlichen Lokalitäten.“ Das sei auch gut so, angesichts seines guten Geschäfts sorgt sich Papst um andere Gastronomen. „Im ersten Lockdown waren wir unter den wenigen Restaurants, die geliefert haben“, sagt er. Im zweiten Lockdown sei die Nachfrage um rund 20 Prozent gesunken, da auch andere Gaststätten nachgezogen hätten. „Insgesamt geht’s uns aber sehr gut, alle Mitarbeiter werden weiter bezahlt und wir kämpfen trotz der reduzierten Arbeitszeit nicht ums Überleben.“ Ähnlich geht es auch dem Café Krugalm.

Platzerl-Teller nach Wunsch

Sie heißen Krugalm-Bussel, Punschherzen oder Ceylon-Stangerl: Mehr als 20 Sorten Plätzchen und natürlich den beliebten Stollen haben die fleißigen Weihnachtsbäcker im Café Krugalm in Fischbachau in der Adventszeit in den Ofen geschoben. Und obwohl die Spezialitäten wegen des Corona-Lockdowns nur zum Mitnehmen angeboten wurden, griffen die Kunden eifrig zu. Ob sortenrein oder auf gemischten Tellern: „Die sind richtig gut gegangen“, sagt Seniorchefin Christine Fink. Seit Anfang Juni führt ihre Tochter Michaela Storr das beliebte Ausflugscafé. Schwiegersohn Tom Storr, der normalerweise als Koch im Arabella Hotel am Spitzingsee arbeitet, steht derzeit auch mit in der Küche. „Das Hotel hat ja komplett zu“, erklärt Fink. Die To-Go-Speisekarte des Cafés profitiert hingegen profitiert davon. So standen über die Weihnachtstage unter anderem Rehbraten und Gänsebrust im Menü. Natürlich mit dazu passenden Vor- und Nachspeisen. Die Ausgangssperre ab 21 Uhr hat den Wirten dafür ein ungewohnt ruhiges Weihnachtsfest beschert. „Da hatten wir mal richtig Zeit für die Familie.“ Geöffnet ist aktuell immer am Wochenende und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr. An Silvester und Neujahr bleibt die Krugalm hingegen geschlossen, erklärt Fink. „Da geht tagsüber nicht viel.“ Bei Ausflugswetter ist hingegen ordentlich was los im Abholbereich, berichtet Fink. „Über einen Becher Kaffee freut sich jeder – vor allem im Winter.“

Roastbeef zum Fertiggaren daheim

Einen Backofen braucht, wer das Abholangebot des Restaurant Terra in Holzkirchen genießen will. Manuel Charaf El-Din und sein Team grillen Roastbeef am Stück vor, die Kunden garen es dann daheim auf den Punkt fertig. „Sie erhalten von uns eine detaillierte Anleitung, damit am Tag des Genusses nichts schiefgehen kann“, heißt es auf der Homepage des Terra. Die Mindestabnahme beträgt ein Rohgewicht ab 500 Gramm, die passenden Beilagen gibt es mit dazu. Nach den Weihnachtsfeiertagen heizt das Restaurantteam den Grill nun auch für Silvester an. Das Prozedere aus Vorgrillen und späterem Fertiggaren sei eine gängige Praxis in der Gastronomie, etwa bei größeren Empfängen, erklären die Experten. „Hier werden die einzelnen Zutaten separat vorbereitet, schnell runtergekühlt und bei einer genau eingestellten Temperatur kurz vor dem Servieren zu Ende gegart. Wer sein Roastbeef nach der Abholung an Silvester lieber an Neujahr oder noch später genießen möchte, kann dies bedenkenlos tun. „Die Gerichte sind gekühlt mindestens zwei Tage ohne Qualitätsverlust haltbar.“

Vier-Gang-Menü für Genießer

Weniger haltbar, aber ohnehin termingebunden portioniert sind die Lachsforellen, Jakobsmuscheln und Kalbsbäckchen, die das Gasthaus Jennerwein in Gmund für Silvester vorbereitet. Franz Weber, Bruder des Gastro-Chefs sagt: „Wir bieten aber auch außerhalb der Feiertage Gerichte zum Abholen an.“ Sie seien schon im ersten Lockdown vorne mit dabei gewesen – „und jetzt läuft es ebenfalls sehr gut“. Weber hofft zwar dringlich auf die Wiederöffnung des Lokals. „Bis dahin haben wir aber glücklicherweise viele treue Stammkunden, auf die wir zählen können.“ Auch an Weihnachten hätten die Gäste das Angebot viel genutzt.

Hüttenküche vom Wallberg

Das Berggasthaus Wildbachhütte kann derzeit neben seinen Stammkunden auch auf die Gemeinde Rottach-Egern zählen. Andreas Hiederer, der die Wirtschaft gemeinsam mit seinem Bruder Sebastian führt, erklärt: „Normalerweise müssen alle Autofahrer für die Mautstraße zu uns drei Euro bezahlen.“ Die Gemeinde erlasse allen Kunden des Gasthauses diese Gebühr. „Nicht zuletzt deshalb läuft es sehr gut“, sagt Hiederer. Erste Staatshilfen seien bereits angekommen. „Und auch die Abholung von unserern Hüttengerichten läuft gut.“ Beispielsweise Kasspatzn, Gulasch, Schnitzel und andere Klassiker bietet Hiederer – auch an Silvester.

Fleisch aus eigener Landwirtschaft

Dank der familieneigenen Landwirtschaft haben die Stögers vom Schnapperwirt in Fischhausen trotz des neuerlichen Lockdowns alle Hände voll zu tun. Schließlich wollen Schafe und Ochsen weiter versorgt werden. Doch auch die Küche des Gasthofs bleibt nicht kalt. Das am eigenen Hof produzierte Fleisch erfreut sich auch im Mitnahmegeschäft großer Beliebtheit, erzählt Seniorchef Andreas Stöger. „Wir sind sehr zufrieden und dankbar, dass so viele Einheimische unser Angebot annehmen.“ Neben Ochs, Ente und Gans sei auch das Wild vom Fischhausener Jäger Andreas Leitner ein echter Renner auf der To-Go-Speisekarte des Schnapperwirt. Mittwochs bis sonntags, jeweils von 11 bis 14 Uhr und von 16.30 bis 19.30 Uhr nimmt die Wirtsfamilie die Bestellungen entgegen. Besonders viele sind an den Weihnachtsfeiertagen eingegangen, berichtet Stöger. „Da sind ganze Familienverbände gekommen.“ An Silvester bleibt der Schnapperwirt aber geschlossen. „Da kochen die Leute daheim“, sagt Stöger. Und die Wirtsfamilie kann im kleinen Kreis feiern. sg / nap

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