„Tatort“-Star gestorben - nur 14 Tage nach seiner Frau

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Beeindruckende Kulisse: Aus der halbrunden Dorffassade wurde im zweiten Teil des Stücks ein schmucker Stadt-Straßenzug. Dem Publikum, das die Stuhlreihen bei der Premiere restlos füllte, gefiel es.

Freilicht-Theater zu 100 Jahre Stadterhebung

Gelungene Premiere: Rumplhanni begeistert zum Jubiläum

Beeindruckendes Bühnenbild, starke Schauspielleistung: Das Miesbacher Volkstheater hat mit seinem Gemeinschaftswerk „Die Rumplhanni“ überzeugt. Hier unsere Premieren-Kritik.

Miesbach – Ein Pfannenflicker-Bankert greift ebenso bedenkenlos zielstrebig wie naiv verletzlich nach ihrem Glück in einer Welt, die auch ohne Ersten Weltkrieg schon aus Darben und Kampf bestünde. Die Johanna Rumpl und ihre Mitmenschen zeigen bei der Schriftstellerin Lena Christ in den „Erinnerungen einer Überflüssigen“ eindringlich die Lebensumstände in Oberbayern zur Zeit der Miesbacher Stadterhebung vor 100 Jahren. Traudl Bogenhausers Bühnenversion, „Die Rumplhanni“, wurde als Höhepunkt des Jubiläumsjahrs aufgeführt.

Die aufwendige Inszenierung des Miesbacher Volkstheaters als Kooperation des Trachtenvereins mit dem Kulturamt der Kreisstadt (wir berichteten) feierte nach monatelanger Vorbereitung auf der Freilichtbühne im Waitzinger-Park Premiere. Rund 50 Mitwirkende, verstärkt um 40 Statisten, tummelten sich in 21 Szenen auf und hinter den Schauplätzen des weiten Halbkreises unterhalb des Trachtenheims, gelenkt von Regisseur Walter Kohlhauf. Das mehr als dreistündige Stück – die Teamarbeit in der längeren Umbau-Pause vor dem zweiten Teil war ebenfalls sehenswert – präsentiert neben hervorragend Schauspielern auch liebevolle Details und eine historisch-informative Atmosphäre.

Erlebte Geschichte: Die Bierstube vermittelte das Dorfleben vor 100 Jahren.

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Allen voran überzeugt Ursula Lippkau in der vielschichtigen und widersprüchlichen Titelrolle. Als gleichermaßen liebende wie verzweifelnde und raue Herumgestoßene nimmt die Außenseiterin selbstbestimmt ihr Schicksal in die Hand und verfolgt ihr Recht auf einen guten Platz im Leben – wenn es auf dem Land nichts wird, dann halt im zweiten Teil in München. Die gute Seele an ihrer Seite verkörpert überzeugend Simona Eckl in der Rolle der lebenserfahrenen und kämpferischen Großmutter Rumpl-Wabn. Die Zerrissenheit zwischen Alltagsgrant und Sorge um die Familie in einer auch kommunikativ kargen Umgebung macht Theresia Benda als Schwiegermutter des Hauser-Bauern (Stephan Rühl) deutlich. Zusammen mit seiner Frau (Heidi Völkl), Sohn Simmerl (Sepp Brugger) und Töchterchen Liesei (Stephanie Rühl) muss dieser die Existenz täglich neu erkämpfen muss und sucht wie alle anderen rücksichtslos seinen Vorteil. Dazwischen verabschieden sich Rekruten mit Gesang und Saufereien in den Krieg.

Nachdem von den Hauser-Bauern nichts zu erhoffen ist und sie keine Stelle im Dorf erhält, will Hanni in die Stadt. Herausragend gespielt ist das gegenseitig gemeine Abblitzen-Lassen zwischen ihr und dem grandiosen Florian Ruml als buckligen Staudenschneider Girgl, der vergeblich nach einer Braut sucht und Hanni doch letztlich verlacht.

In München angekommen landet die Rumplin erst einmal im Gefängnis. Nach mehreren Dienststellen begegnet sie schließlich beim Martlbräu dem Metzger-Hans (sehr gut: Klaus Ruml). Bei ihm kommt sie wohl doch noch an ihr Ziel: „A Haus und a Kuah und a Millisupperl in da Fruah.“ Denn aus ihrer Hoffnung auf den Wirtssohn wurde nichts. Der schneidige Soldat ist verlobt, und seine Todesnachricht bricht dem Martlbräu-Vater (Walter Kohlhauf) das Herz.

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Auf allgemeine Begeisterung stieß das Halbkreis-Bühnenbild von Stefan Baumgartner, Paul Martin, Stephan Rühl und Klaus Beer. Drei stattliche Bauernhof-Giebel und ein Schupfentor prägen den ersten Akt, dazu Nebenbühnen im Bauerngartl, oberhalb vor dem Trachtenheim und am Abhang zum Waitzinger-Park.

Wie Vorhänge werden für den zweiten Teil die gepflegten Münchner Stadthaus-Fassaden davorgezogen. Dazu gibt es seitlich einen Gefängnis-Käfig und am anderen Eck ein verwinkeltes Arme-Leute-Haus. Im Mittelteil schufen die Bühnenbildner eine Wirtsstube, dörflich-rustikal für Teil eins und bürgerlich-elegant für Teil zwei. Und die Fläche im Vordergrund gibt noch mal eine Bühne ab.

In der Aufführung sorgen viele stimmige Szenen-Einzelheiten für das Eintauchen des Publikums in die gar nicht so gute alte Zeit, und schöne Regie-Einfälle erregen immer wieder Gelächter. Freilich verzögern sie auch die Handlung. Nur, wer will Wagen und Kutsche von Karl Weber mit seinen Kaltblütern Hannerl und Wendy davor missen, oder die zahlreichen Flaneure auf der prächtigen Münchner Straße, oder die alten Kinderspiele mit Abzählreimen und Fangsterl von Simon Völkl mit Theresa und Sophie Kremb? Nicht wirklich… Die Atmosphäre im Waitzinger-Park, die spürbare Einheit und Einigkeit der großen Theaterspieler-Gemeinschaft, der Tiefgang des Bühnengeschehens und das viele Herzblut in allem machen „Die Rumplhanni“ zu einem einzigartigen Erlebnis.

Von Gudula Beye


Weitere Aufführungen

„Die Rumplhanni“ geht nochmals über die Freilichtbühne, am 27., 28. und 29. Juli sowie am 3. und 4. August, jeweils um 20.30 Uhr. Karten gibt es über München Ticket oder www.miesbach.de. Bei Regen gibt es kostenlose Capes. Bei unzumutbaren Wetter erfährt man unter 0 80 24 / 7 00 00, ob gespielt wird.

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