Viel saftiges, frisches Grün gab es heuer für das Vieh auf den Bergwiesen, hier auf der Wechselam im Suttengebiet.
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Viel saftiges, frisches Grün gab es heuer für das Vieh auf den Bergwiesen, hier auf der Wechselam im Suttengebiet.

Bislang keine Bedrohung durch den Wolf

Gemischte Bilanz des Almsommers im Kreis Miesbach: Viel Futter, aber weniger Vieh

  • Gabi Werner
    VonGabi Werner
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Es war ein insgesamt guter Almsommer im Landkreis Miesbach. Der viele Regen hat dafür gesorgt, dass das Futter fürs Vieh reichlich wuchs. Die Almbauern plagen aber auch Zukunftssorgen.

Miesbach/Tegernsee – Es gab Zeiten, da hat extreme Trockenheit den Almbauern im Landkreis schwer zu schaffen gemacht. 2018 war so ein Jahr. Damals mussten manche Landwirte ihre Rinder sogar früher als gewöhnlich wieder ins Tal treiben. Mancherorts wuchs nicht genügen Futter nach. Heuer ist das Gegenteil der Fall. Wegen des vielen Regens sei das junge Gras stetig nachgewachsen – „es war ein sehr ertragreicher Sommer“, berichtet Susanne Krapfl vom Fachzentrum Almwirtschaft, das dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Holzkirchen angegliedert ist. Auch die Wasserversorgung auf den Almen war zu jeder Zeit sichergestellt.

Problem der Zukunft: Zu wenig Vieh auf den Almen

Neigt sich hier also ein Almsommer nach Maß dem Ende entgegen? Nicht ganz. Der diesjährige Auftrieb hat deutlich gezeigt, mit welchen Sorgen die Almwirtschaft in Zukunft zu kämpfen haben wird. Wie Krapfl erklärt, sei nicht mit Sicherheit zu sagen, ob heuer überhaupt genügend Vieh auf den Almwiesen graste, um das viele Futter verwerten zu können. Anders gesagt: Die Almbauern haben zunehmend Probleme, ausreichend Pensionsvieh für ihre Almen zu bekommen. Das bestätigt auch der Tegernseer Bezirksalmbauer Anton Maier (zum Dersch), der unter anderem die Wechselalm im Rottacher Suttengebiet bewirtschaftet. „Es wird immer schwieriger, dass man die Almen voll bringt“, sagt der Landwirt aus Ellmau.

Almwirtschaftlicher Verein hätte viel mehr Tiere vermitteln können

Der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) ist dafür zuständig, Landwirte, die ihre Rinder auf den Almen unterbringen wollen, und die Almbauern zusammenzubringen. „Er hätte heuer sehr viel mehr Tiere vermitteln können“, berichtet Krapfl. Sie fürchtet, dass sich dieser rückläufige Trend weiter fortsetzen könnte. Allgemein gebe es immer weniger Landwirte, und große Betriebe mit Laufstall würden häufig keine Notwendigkeit sehen, ihr Vieh auf die Alm zu bringen. „Das ist die große Sorge der Zukunft“, sagt Krapfl: „Wo bringen wir die Tiere her, die wir auf den Almen bräuchten?“

Glücksfall: Bedrohung durch den Wolf heuer (noch) kein Thema

Eine weitere große Sorge wurde schon im Vorfeld des Almsommers heftig diskutiert. Glücklicherweise traten die schlimmsten Befürchtungen nicht ein – eine Bedrohung des Almviehs durch den Wolf blieb im Landkreis Miesbach aus. Das Problem sei damit aber nicht behoben, betont Anton Maier. „Der Wolf kommt näher, wir müssen auf der Hut bleiben.“ Man müsse weiterhin aufklären und Druck ausüben, fordert der Landwirt. „Denn das geht auf Dauer nicht gut.“ Schon in Kürze, nämlich am Samstag, 2. Oktober, plant der Bayerische Bauernverband (BBV) unter dem Titel „Ausgebimmelt – Schutz für Weidetiere“ eine Großkundgebung am Münchner Königsplatz zum Thema Wolf. Krapfl vermutet, dass bei der Demo auch viele Almbauern aus der Region dabei sein werden. Krapfl macht deutlich: „Wir haben keine Möglichkeit, uns auf den Almen vor dem Wolf zu schützen.“

Trotz vieler Unwetter: Nicht so viele Unfälle wie befürchtet

Grundsätzlich ist das Vieh am Berg den unterschiedlichsten Gefahren ausgesetzt. Unwetter mit Murenabgängen und Blitzeinschlägen fordern immer wieder ihre Opfer. Noch liegen Susanne Krapfl keine genauen Zahlen über Unfälle in diesem Almsommer vor. Doch angesichts der vielen Unwetter in diesem Sommer sei ihr Eindruck, dass „erstaunlich wenig passiert ist“. Das kann Maier bestätigen. Einige Abstürze und verunfallte Tiere habe es zwar gegeben, „von größeren Unfällen ist unser Gebiet aber verschont geblieben“.

Wegen Corona: Keine Almabtriebe mit Besucherschar

Eigentlich ist ein unfallfreier Sommer Anlass, um das Vieh beim Almabtrieb festlich zu schmücken und unter den Augen von Zuschauern ins Tal zu treiben. Mitte Oktober werden die letzten Bauern und Senner im Landkreis Miesbach das Vieh zurück in die heimischen Ställe bringen. Wegen Corona gehen die meisten Almabtriebe heuer allerdings im Stillen über die Bühne. „Es wird wohl nur auf wenigen Almen so festlich wie sonst“, glaubt Krapfl.

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