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Pongratz nimmt Bauausschuss in die Pflicht

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Von: Dieter Dorby

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Homogene Baukultur, ruhige Dachlandschaft: Der Miesbacher Ortsteil Grießer darf in Sachen Baukultur als gelungene Siedlung angesehen werden. Die Ortsgestaltungssatzung solll der Stadt Vetorecht verschaffen. © Thomas Plettenberg

Der Miesbacher Bauausschuss hat sich für das Aufstellen einer Gestaltungssatzung ausgesprochen, doch im Stadtrat wurde gezaudert. Nun wurden die Fälle eingegrenzt, die man damit verhindern will. Die Bürgermeisterin nahm das Gremium in die Pflicht, für die Satzung in den Fraktionen zu werben.

Auf Dächern aufgeständerte sowie freistehende Fotovoltaikanlagen, Riesengauben und Dächer ohne erkennbaren Hauptfirst – eine komprimierte Auswahl unerwünschter Entwicklungen in Sachen Baukultur hat sich Miesbachs Bauausschuss in seiner jüngsten Sitzung bildhaft vor Augen geführt. Bauamtsleiter Lutz Breitwieser sammelte dazu Negativbeispiele jenseits der Landkreisgrenze im österreichischen Tirol. Dabei erinnerte er: Die gezeigten Entwicklungen seien auch in Miesbach nach dem bayerischen Baurecht möglich.

Das Visualisieren unerwünschter Auswüchse hatte nun den Sinn, das geplante Regelwerk in seiner inhaltlichen Stoßrichtung zu erklären, nachdem der Stadtrat im Mai die Ortsgestaltungssatzung wieder zurück an den Bauausschuss verwiesen hatte. Damals hatten gerade dessen Mitglieder eine erneute Diskussion im Fachgremium angeregt, nachdem die Festlegungen zu Solaranlagen infrage gestellt worden waren.

Was bei besagten Fotovoltaikanlagen möglich ist, zeigte nun die Fotoschau. „Das wären bei uns mittlerweile verfahrensfrei zulässig“, erklärte Breitwieser. Bei Quergiebeln und Dachaufbauten, von denen es ebenfalls extreme Formen gab, solle die Stadt Augenmaß walten lassen, warnte er: „Wir müssen aufpassen, dass wir mit unseren Regeln nicht Wohnraum verhindern.“ Denn Dachgauben – so verpönt sie aktuell im Landkreis auch sein mögen – seien „ein probates Mittel zur Belichtung des Dachgeschoßes“. Auch könne man mit Pfahlbauten im Überschwemmungsgebiet einiges ermöglichen.

Florian Ruml (FW), der als ehemaliger Bauamtsleiter von Hausham Erfahrungen mit der Ortsgestaltungssatzung gesammelt hat, riet daher, nicht zu viel zu wollen: „Das Problem bei der Gestaltungssatzung ist, dass man sich irr machen lässt und zu viel regeln will.“

In der Tat ist die Ortsgestaltungssatzung, die sich die Stadt Miesbach geben will und über die der Stadtrat in seiner Sitzung am 18. November entscheiden soll, eine schwere Angelegenheit. Denn sie soll für eine Vielzahl von Fällen gelten und dabei in Worte fassen, welche ästhetischen Bausünden nicht zugelassen werden sollen, die im Rahmen des normalen Baurechts jedoch möglich wären. Das Problem: Je konkreter und umfangreicher das Regelwerk ausfällt, desto größer ist die Gefahr, dass es angreifbar wird.

Deshalb schloss sich auch Dritter Bürgermeister Michael Lechner (FW) Ruml an: „Wir sollten nicht penibel werden.“ Und Manfred Burger (Grüne) stellte fest: „Wenn etwas ausgeschlossen ist und trotzdem passt, kann man immer noch eine Befreiung aussprechen.“ Ruml schränkte jedoch ein: „Ich kann aber nicht festlegen, dass freistehende Solaranlagen zulässig sind, wenn sie den Mitgliedern des Bauausschusses gefallen.“

Der Bauausschuss soll in seiner Sitzung am 30. Oktober dien Satzungsentwurf absegnen und dem Stadtrat empfehlen. Ein erneutes Zaudern soll es nach Bürgermeisterin Ingrid Pongratz (CSU) dann nicht mehr geben. Sie forderte die Mitglieder des Bauausschusses auf, in ihren Fraktionen dafür zu werben.

ddy

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