Lernen aus der Geschichte: Franz-Josef Rigo will einen Historischen Verein ins Leben rufen, um Geschichte in ihrer gesamten Bandbreite zu behandeln. Dazu zählt auch der überaus ambivalente Ludwig Thoma, der im Kurpark von Rottach-Egern verewigt wurde.
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Lernen aus der Geschichte: Franz-Josef Rigo will einen Historischen Verein ins Leben rufen, um Geschichte in ihrer gesamten Bandbreite zu behandeln. Dazu zählt auch der überaus ambivalente Ludwig Thoma, der im Kurpark von Rottach-Egern verewigt wurde.

Offen für alle Generationen und Bereiche

Geplanter Historischer Verein soll Geschichte im Landkreis Miesbach lebendig machen

  • Dieter Dorby
    VonDieter Dorby
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Der Landkreis Miesbach erfreut sich einer vielfältigen Geschichte, doch diese wird lediglich auf Ebene der Städte und Gemeinden bewahrt und gepflegt. Um für den gesamten Landkreis übergreifende Zusammenhänge schaffen zu können, will Franz-Josef Rigo einen Historischen Verein ins Leben rufen.

Miesbach – Der große Tag war eigentlich für Freitag, 22. Januar, geplant. Im Waitzinger Keller in Miesbach sollte die Versammlung zur Gründung eines „Historischen Vereins für die Stadt und den Landkreis Miesbach e. V.“ abgehalten werden. Aber die Corona-Pandemie lässt eine solche Zusammenkunft nicht zu. Also wurde der Termin nun verschoben. Ein Ersatz wird fürs Frühjahr ins Auge gefasst. Wann genau steht noch nicht fest.

Dagegen hat sich am Vorhaben selbst nichts geändert, sagt Franz-Josef Rigo. Der Journalist aus Bad Wiessee gilt als Initiator dieses Projekts, das eine Plattform schaffen will, die die Geschichte der 17 Kommunen im Landkreis Miesbach miteinander verknüpfen und in einen Kontext stellen soll. „Der Landkreis genießt nicht nur eine immens hohe touristische Strahl- und Anziehungskraft, sondern auch eine große kulturelle Tradition“, sagt der Wiesseer, der selbst Geschichte studiert hat. „Er hat ein breites, vielseitiges Spektrum zu bieten.“

Landrat und Bürgermeister als Schirmherren

Im Vorfeld hat Rigo bei einer Reihe von Bürgermeistern deren Bereitschaft abgefragt, ein solches Vorhaben zu unterstützen. „Das Interesse ist groß“, berichtet er. Landrat Olaf von Löwis und Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller übernehmen sogar die Schirmherrschaft.

Das Problem der Überalterung aktiv angehen

Die Idee, einen solchen Historischen Verein ins Leben zu rufen, kam Rigo durch eine TV-Dokumentation über Vereine und deren Bedeutung für die Gemeinschaft. Dabei erkannte er einen Weg, wie Geschichte in ihrer breitesten Form einen Platz im Leben der Gesellschaft finden kann. Vor allem geht es ihm darum, dass es ein Projekt für alle Generationen ist. „Bestehende Vereine, die sich mit Geschichte beschäftigen, haben das Problem, dass sie sich schwertun, sich für junge und jüngere Generationen zu öffnen.“ Doch gerade das sei unerlässlich, will ein Verein überleben. „Man muss sich verjüngen, sonst stirbt man aus“, stellt Rigo nüchtern fest.

Dass es gelingen kann, junge Leute für wissenschaftliches Arbeiten zu begeistern, zeigen aus seiner Sicht die im Oktober 2019 wiederbelebten „Miesbacher Hefte“. Wie berichtet, hatte der Abiturient Leon Walther vom Gymnasium Miesbach mit seiner Seminararbeit zum Thema Migration eine neue Ausgabe ermöglicht – nach 16 Jahren Pause. Grundlage war ein historisches Dokument: ein Mannschaftsbuch des früheren Miesbacher Bergwerks. „Das zeigt, dass Nachwuchs da ist“, sagt Rigo überzeugt.

Kultur, Archäologie und Brauchtum

Er selbst strebe kein Amt im neuen Verein an. „Ich möchte ihn nur auf den Weg bringen.“ Er finde es spannend zu sehen, was daraus entsteht. Wichtig sei ihm nur, dass fundiert gearbeitet wird. „Ich will flankierend tätig sein und jungen Leuten unter die Arme greifen.“

Rigo, der sich als „kritischen Lokalpatrioten“ bezeichnet und sich selbst vor allem mit der Zeit zwischen 1933 und 1945 auseinandersetzt, sieht die Themen eines Historischen Vereins breit gefächert. „Kultur, Archäologie, Brauchtum – genau genommen gehört das alles rein. Denn es sind die verschiedenen Blickwinkel, die einen vergleichenden Ansatz erst ermöglichen.“ Und selbstverständlich solle nichts tabuisiert werden.

Viele Informationen gesammelt

Um zu erfahren, wie solche Vereine andernorts arbeiten und die Jugend einbinden, hat Rigo viele Gespräche geführt. Zwei Experten sollen bei der Versammlung eine Orientierung geben: die Professoren Manfred Treml, Vorsitzender des Verbands bayerischer Geschichtsvereine, und Wilhelm Liebhart, der als führender Vertreter der wissenschaftlichen Heimatkunde gilt.

Eine große Rolle spielen beim Thema Geschichte die Archive der Städte und Gemeinden, die zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehören. „Sie sind das Rückgrat der geschichtlichen Überlieferung, das kulturelle Gedächtnis.“ Archivgut gehöre in professionelle Hände gelegt, „damit es für heutige und künftige Generationen konserviert und erschlossen wird. Wo diese Voraussetzung fehlt, werden selbst die wertvollsten Kulturgüter und Archivalien zur toten Materie.“ Gelinge es aber, mit diesen Schätzen zu arbeiten, könnten wichtige und interessante Forschungsarbeiten entstehen. Und vielleicht ist sogar eine eigene Zeitschrift möglich, die die wissenschaftliche Arbeit regelmäßig dokumentiert.

ddy

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