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Der Allrounder geht: Mit Gerhard Brandl verliert das Landratsamt einen vielseitigen Mitarbeiter.

Gerhard Brandl verlässt das Landratsamt

Ein Diplomat sagt zum Abschied leise Servus

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Verkehr, Familie, Arbeit und Presse – Gerhard Brandl war der Alleskönner am Landratsamt. Nach 42 Jahren verabschiedet sich der 64-Jährige in den Ruhestand. Ein Porträt zum Abschied.

Miesbach

–  Ein paar Pflanzen stehen noch im Büro von Gerhard Brandl (64). Sonst ist der Schreibtisch fast leer, die Regale ausgeräumt. Viel hat der Miesbacher sowieso nicht an Deko ins Büro gestellt. Nur der Schreibtischstuhl, der kam immer mit. Nur: Eine Woche, bevor Brandl seinen Ruhestand antrat, wollte auch der Stuhl nicht mehr. Nach vielen Jahren bequemer Zweisamkeit brach ein Bein ab. Eine Woche später folgt ihm nach 42 Jahren Arbeit jetzt auch sein Besitzer in die Rente.

Am Landratsamt war Brandl eine echte Institution. In seinen Dienstjahren war er in vier verschiedenen Häusern tätig, jedes Mal ein komplett anderer Bereich – von Straßenverkehr über Jobcenter bis Jugend und Familie und zuletzt Öffentlichkeitsarbeit. Vor allem an der niedrigen Zahl der Arbeitslosen hat der gebürtige Münchner seinen Anteil.

Brandl, das weiße Haar zurückgekämmt, sitzt an einem zweiten Tisch in seinem Büro und wischt mit der Hand über die Fläche. Kein Staubkorn fliegt auf. „Die Pressestelle war ein guter Abschluss“, sagt er und lacht. Brandl lacht herzlich, die blauen Augen leuchten dabei. Seit vier Jahren war er stellvertretender Pressesprecher. „Ich hatte nie Magengrimmen am Sonntagabend, weil ich wieder in die Arbeit musste“, sagt er. Auch in den anderen Bereichen nie.

Der Liebe wegen zog der gebürtige Münchner 1980 in den Landkreis, erst nach Hausham und zehn Jahre später nach Miesbach. Von den drei Söhnen – einer ist 33 und die Zwillinge 27 Jahre alt – wohnt nur noch einer bei Brandl und seiner Frau Manuela. Ob in der Familie oder im Job – Brandl sagt über sich selbst: „Ich bin mit Sicherheit eher ein gutmütiger Mensch.“ Diese Art war es wohl auch, die ihm am Landratsamt die ein oder andere Zusatzaufgabe einbrachte.

Als Vermittler trat Brandl zuletzt auf, als Ombudsmann. Bei den Verhandlungen zwischen Verwaltung und Unternehmen war diplomatisches Geschick gefragt. „Das lernt man im Laufe der Zeit.“ Und Zeit zu lernen hatte Brandl schließlich genug. 1991 begann er am Landratsamt in der Straßenverkehrsbehörde. „Da haben wir als eine der ersten Kommunen in Bayern auf die elektronische Akte umgestellt.“ Viele Gespräche waren notwendig und auch hier Diplomatie. Was heute ganz normal scheint, war zu dieser Zeit beinahe eine Revolution.

Revolutioniert hat Brandl auch als Leiter des Amtes für Arbeit und Soziales – nach über zehn Jahren Straßenverkehr und drei Jahren im Amt für Jugend und Familie. Seinen Fußabdruck hinterließ Brandl, als der Landkreis zur Optionskommune wurde. „Das war eine spannende Sache.“ Auch wenn die Gründung des Amtes samt Jobcenter von der Agentur für Arbeit argwöhnisch begleitet wurde. „Wir führten immer wieder heiße Gespräche, erlebten ein Auf und Ab im Kampf um die Existenz“, erinnert sich der 64-Jährige.

Einen festen Plan hat Brandl nun nicht mehr, keine Punkte auf einer Liste, die er im Ruhestand abarbeiten will. „Ich bin nicht der Typ für zu viele Termine in der Freizeit“, sagt er. Stress habe man in er Arbeit schon genug gehabt. Er wird nun das machen, das er auch bisher schon gemacht hat. Nur eben ein bisschen öfter. Schwimmen in Schliersee und Tegernsee, Wandern und kleinere Reisen unternehmen. Brandl sagt über sich: „Ich bin ein Genussmensch.“

Vermissen wird er die Arbeit nicht. „Dafür den einen oder anderen Kollegen.“ Schließlich sei er in den Jahren am Landratsamt mit vielen ins Gespräch gekommen und auf offene Ohren gestoßen. „Das kollegiale Verhältnis und gute Arbeitsklima wusste ich zu schätzen.“

Nur von einer Sache wird sich Brandl noch nicht trennen: Er bleibt Vorsitzender der Kreisverkehrswacht. Er wird also weiter die besten Kinder beim Fahrradführerschein ehren oder Oldtimer-Treffen veranstalten. „Mein erster Käfer wäre jetzt auch ein Oldtimer“, sagt Brandl und verschränkt die Arme hinter dem Kopf. Er blickt sich in seinem Büro um. „Es war mein eigener Wunsch, mit 64 Jahren aufzuhören“, sagt er. „Ich freu’ mich auf meinen Ruhestand.“

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