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Kampf gegen Windmühlen: zwei Schneepflüge im Konvoi bei Bayrischzell.

Umgestürzte Bäume halten Feuerwehr in Atem

Gesperrte Straßen und Schienen: Schneechaos legt Landkreis lahm

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Pausenloser Schneefall hat dem Landkreis am Wochenende massive Probleme bereitet. Bäume stürzten um, Straßen wurden gesperrt, die Bahnstrecken ab Holzkirchen südwärts sogar komplett.

Landkreis - Die Meteorologen haben den Mund nicht zu voll genommen: Von der „schneeträchtigsten Lage, die es am Alpenrand geben kann“, hatten sie vor dem Wochenende gewarnt. Eine Warmfront gleitet auf ein Bodenhoch mit kalter Luft – es schneit. Und wie. Mit den Folgen dieser Luftmassenkollision hatte der Landkreis spätestens seit der Nacht auf Sonntag zu kämpfen. Dann nämlich wurde der Schnee durch steigende Temperaturen nass und schwer. Zu schwer für viele Bäume. Die knickten unter der weißen Last um und stürzten auf Straßen und Schienen. Auch Strommasten brachen ab wie Streichhölzer. Das Chaos war da.

27 von 37 Landkreis-Feuerwehren rückten aus, berichtet Sophie Stadler, Pressesprecherin des Landratsamtes Miesbach. Weil die Integrierte Leitstelle Rosenheim wegen der zahlreichen Notrufe vorübergehend überlastet war, wurde im Holzkirchner Feuerwehrhaus am frühen Sonntagmorgen eine Koordinierungsstelle eingerichtet. Von 5 bis 10 Uhr steckten hier Vertreter von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (THW) ihre Köpfe zusammen und arbeiteten die unzähligen Meldungen ab.

Mehrere Bäume waren infolge der anhaltenden Schneefälle südlich des Weilers Aberg nahe der A8 umgestürzt.

Obwohl die Einsatzkräfte fieberhaft umgestürzte Bäume und abgebrochene Äste von den Fahrbahnen räumten, mussten laut Stadler einige Verbindungen komplett gesperrt werden: die Staatsstraße 2073 zwischen Holzkirchen und Dietramszell, die Holzkirchner Nordspange zwischen der Bahnunterführung und dem McDonalds-Kreisel, die Ortsverbindungsstraßen zwischen Kreuzstraße und Otterfing sowie zwischen Sollach und Fellach und zu guter Letzt der Markweg zwischen Otterfing und Hofolding. Zeitweise ohne Strom waren die Bürger in Hartpenning (hier wurde die Notversorgung aktiviert) und in Teilen von Warngau und Holzkirchen. In Weyarn war das Netz sogar bis Sonntagvormittag gestört, teilt Stadler mit. Generell sei der Landkreis-Norden stärker vom Schneechaos betroffen gewesen als der Süden.

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Die Polizei bestätigt diese Einschätzung. Anders als im Nachbarlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen, wo sich am Samstagvormittag auf der B 472 bei Reichersbeuern ein 19-Jähriger bei einer Kollision zwischen zwei Pkw ums Leben gekommen ist, blieben schwere Unfälle im Landkreis zum Glück aus. Das Telefon stand dennoch nicht still in den Inspektionen. Im Holzkirchner Bereich blieben in der Nacht auf Sonntag zwei Autos im Schnee stecken geblieben. Auch auf der A 8 rutschten etliche Fahrzeuge in die Leitplanke oder in den Graben, es blieb aber bei leichten Blechschäden.

Ruhig war es auf den Bahngleisen südlich von Holzkirchen. Das hatte allerdings einen Grund: die Bayerische Oberland (BOB) hatte den Betrieb auf allen Strecken ins Oberland am Sonntagmorgen gegen 6.30 Uhr eingestellt, wie Sprecherin Anna Graser auf Nachfrage mitteilt. Der schwere, pappige Schnee habe viele Weichen blockiert, die Schneebruchgefahr in den Waldstücken, durch die die Zuglinien verlaufen, sei hoch gewesen. Für die Fahrgäste war am Bahnhof Holzkirchen Endstation – in jeglicher Hinsicht. Einen Schienenersatzverkehr mit Bussen gab es nämlich nicht. „Wir hätten gar nicht genug Fahrzeuge bekommen und die wären auf den Straßen auch nicht weit gekommen“, erklärt Graser.

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Was das Wetter anbelangt, entspannte sich die Lage ab Sonntagmittag. Der Schneefall ließ nach. Durch die immer weiter ins Plus kletternden Temperaturen blieb die Schneebruchgefahr aber weiter hoch. Die Einsatzkräfte blieben deshalb weiter in Bereitschaft, betont Stadler: „Alle sind auf Abruf.“ Sollte es erforderlich sein, werde man die Koordinierungsstelle wieder aktivieren. Dies gelte auch für die kommenden Tage, weil weitere Schneefälle angekündigt sind.

Das dürfte wegen der milderen Temperaturen vorerst die Berge betreffen, wo sich die Lawinengefahr weiter verschärfen wird (siehe unten). Aber auch im Tal könnte es bald Nachschub von Frau Holle geben. Für Mittwoch und Donnerstag sind wieder Schneefälle angekündigt. Dann allerdings voraussichtlich bei Dauerfrost. Eigentlich eine gute Nachricht, denn Pulverschnee schaut schöner aus, lässt sich leichter Wegschaufeln – und knickt keine Bäume um.

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