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Max Niedermeier ist  Integrationsbeauftragter des Landkreises. Übergriffe auf Asylbewerber oder Helfer, sagt er, gibt es hier keine.

„Wir haben keinen rechtslastigen Fall“

Gewalt gegen Asylbewerber: Nicht im Landkreis Miesbach

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Wüste Beschimpfungen, Überfälle und tätliche Attacken: Übergriffe auf Asylbewerber und Helfer sind in Teilen Bayerns an der Tagesordnung. Im Landkreis Miesbach zeigt sich hingegen ein anderes Bild.

Landkreis – Es sind zwar noch vorläufige Zahlen, sie sprechen dennoch eine deutliche Sprache. Bayernweit wurden Flüchtlinge und Asylbewerber bis September 2016 weit über 400 Mal Opfer einer rechten Straftat (wir berichteten im Hauptteil). Hinzu kommen über 90 Attacken auf Asylunterkünfte. Außerdem, auch das geht aus den von der Bundesregierung veröffentlichten Fallzahlen hervor, sind immer wieder auch ehrenamtliche Helfer von Übergriffen betroffen, die sich für Flüchtlinge engagieren.

Völlig anders stelle sich die Situation hingegen im Landkreis Miesbach dar, wie Anton Huber, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, auf Nachfrage unserer Zeitung betont. „Es ist uns definitiv kein einziger Fall mit einem rechtsradikalen Hintergrund im gesamten Landkreis bekannt“, sagt der Sprecher. Eine detaillierte Statistik für 2016 werde kommende Woche veröffentlicht.

Huber zufolge habe es im beobachteten Zeitraum lediglich zwei Fälle von leichter Körperverletzung im Landkreis gegeben, bei denen jeweils ein Asylbewerber das Opfer gewesen sei. Ein fremdenfeindlicher Hintergrund liege hier aber nicht vor. „Unerheblich“ nennt Huber diese Zahl im Vergleich zu anderen Regionen. „Wir haben hier kein Problem mit rechten Übergriffen.“ Häufiger seien Streitereien unter den Asylbewerbern. „Da geht es dann meistens ums Essen oder ums Bett“, informiert Huber.

Die Definition von „Übergriff“ ist polizeilich übrigens recht weich formuliert. „Darunter fällt eigentlich alles, wo sich ein Betroffener unwohl fühlt.“ Massive Beleidigungen sind also schon als Übergriff zu werten. Ebenfalls unbekannt sind dem Polizeipräsidium Fälle, bei denen Helfer oder Hilfsorganisationen zur Zielscheibe geworden sind.

Diesen durchaus positiven Eindruck kann Reinhard Schuster, stellvertretender Leiter der Miesbacher Polizeiinspektion, nur bestätigen. „In unserem Dienstbereich ist mir weder ein Fall von Einheimischen bekannt, die übergriffig geworden sind, noch ein Angriff auf Ehrenamtliche“.

Ähnlich verhält es sich in Holzkirchen, wie Dienststellenleiter Johann Brandhuber berichtet: „Null. Wir haben hier Gott sei Dank keinen rechtslastigen Fall.“ Vereinzelt, sagt Brandhuber weiter, sei es indes schon zu „Unmutsäußerungen, Anfeindungen und verbalen Entgleisungen“ – auch gegenüber Helfern – gekommen. Diese seien einerseits jedoch sehr selten und andererseits bislang nicht strafrechtlich relevant geworden, weil sie nicht angezeigt wurden. „Oder wir wissen es einfach nicht“, räumt Brandhuber ein.

„Wir werden vielleicht mal krumm angeschaut“, berichtet Max Niedermeier, Integrationsbeauftragter des Landkreises. „Ansonsten sind mir bei uns überhaupt keine Auffälligkeiten bekannt.“ Als Integrationsbeauftragter stehe er in regelmäßigem Austausch mit der Polizei und den Flüchtlingshelfern und sei entsprechend umfassend informiert. „Ich habe aber noch nie gehört, dass zum Beispiel einer unserer Helfer angemacht worden wäre. Da passt alles.“ Persönlich habe ihn vor einiger Zeit ein anonymer Brief erreicht, in dem er als ,Asyl-Max‘ bezeichnet worden sei, der sich doch besser mehr um die ,armen Deutschen‘ kümmern solle. Als wirkliche Anfeindung habe er das jedoch nicht verstanden. „Das kann man verkraften.“

ah

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