Das Ausbaugebiet auf der Karte: Den blaumarkierten Bereich im Gewerbegebiet Nord in Miesbach will die Telekom mit Glasfaseranschlüssen versorgen.
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Das Ausbaugebiet auf der Karte: Den blaumarkierten Bereich im Gewerbegebiet Nord in Miesbach will die Telekom mit Glasfaseranschlüssen versorgen.

Breitbandausbau

Glasfaser in Miesbach: Telekom will 100 Firmen anschließen – wenn genug mitmachen

  • Sebastian Grauvogl
    VonSebastian Grauvogl
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Die Telekom will ihr Gigabit-Hochgeschwindigkeitsnetz im Gewerbegebiet Nord in Miesbach ausbauen - aber nur, wenn genug Firmen dabei sind. Die Stadt hofft, dass viele zuschlagen.

Miesbach – Für so manchen Privatmann, der nach wie vor aufs schnelle Internet wartet, klingt es wie ein Sechser im Lotto: 100 Haushalte werden kostenlos ans Glasfasernetz angebunden, wenn sich mindestens 30 Prozent von ihnen für einen Anschluss der Telekom entscheiden. Doch die Sache hat einen Haken: Privatleute kommen leider nicht in den Genuss dieses Angebots, sondern nur Firmen im Gewerbegebiet Nord in Miesbach. Für die will die Telekom ihr Gigabit-Hochgeschwindigkeitsnetz ausbauen. Und das sogar mit einem neuen Verlegerverfahren samt kürzerer Bauzeiten, wie das Unternehmen mitteilt.

Miesbachs Bürgermeister Gerhard Braunmiller weiß über die Pläne der Telekom Bescheid. Und er begrüßt, dass das Unternehmen im Gewerbegebiet nun in den eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau einsteigt. Den rund 100 Unternehmen, die (je nach Vertrag) künftig bis zu 100 GBit pro Sekunde durch die Leitung schicken können, rate er daher, das Angebot unbedingt anzunehmen, betont Braunmiller. „Wir können es nur empfehlen. Je höher die Bandbreite, desto besser.“ Vor allem eben in einem Gewerbegebiet.

Die letzte Ausbaustufe Am Windfeld ist noch gar nicht so lange her. Seit Abschluss des ersten Förderverfahrens des Freistaats im Jahr 2018 stehen den Betrieben hier Übertragungsgeschwindigkeiten von im Schnitt 50 MBit pro Sekunde zur Verfügung. Chancen auf eine erneute Aufstockung gab es daher vorerst nicht. Bis nun eben die Telekom signalisiert hat, selbst in Sachen Glasfaser tätig zu werden.

„Die Zukunft ist Glas,“ sagt Jean-Pascal Roux, Leiter Wohnungswirtschaft und Breitbandausbau Geschäftskunden der Telekom. Eine flächendeckende Breitbandversorgung sei die Basis für Wirtschafts- und Innovationsstärke. Ein leistungsstarker Glasfaseranschluss gehöre so selbstverständlich in jedes Haus und in jeden Gewerbebetrieb wie früher der Telefonanschluss.

Zumindest beim geförderten Ausbau entstand aber in den vergangenen Jahren in vielen Gemeinden der Eindruck, dass die Telekom eher im Schneckentempo unterwegs ist. Längst beauftragte Maßnahmen hingen teils monatelang in der Warteschleife, weil der Konzern keine Baufirmen fürs Verlegen der Kabel auftreiben konnte. Zumindest im Gewerbegebiet Nord in Miesbach ist dieses Risiko nun offenbar gebannt. Wie die Telekom mitteilt, kommen hier „alternative Verlegeverfahren“ zum Einsatz. „Sie sind zeitsparend, nachhaltig und kosteneffizient im Ausbau, führen zu kürzeren Bauzeiten und somit weniger Belastungen für die Anwohner“, schreibt das Unternehmen.

Ein Blick in den Online-Blog der Telekom zeigt, was es damit genau auf sich hat. Schon die Planungen würden heute weitgehend digital ablaufen. Mit Kameras und Lasertechnik ausgestattete Autos fahren das Ausbaugebiet ab und erfassen jedes Detail entlang der Strecke. Aus den so gewonnenen Daten werde dann die optimale Trasse virtuell erfasst und in der „Glasfaser-Fabrik“ weitgehend automatisiert geplant. Um auch dem Flaschenhals Tiefbau aufzuweiten, setzt die Telekom nun auf ein Fräsverfahren. Die Straße wird dabei nur für einen schmalen Schlitz geöffnet und nach dem Einlegen des Kabels in einer Tiefe von nur noch 30 bis 40 statt 60 Zentimeter sofort wieder verschlossen.

Obwohl sich das Verfahren in Deutschland und auch weltweit „bestens bewährt“ habe, hätten viele Kommunen noch Bedenken zu Gewährleistung und möglichen Folgeschäden. Diese Sorgen seien aber allesamt widerlegbar, betont die Telekom. Im Miesbacher Gewerbegebiet Nord soll dies nun erneut bewiesen werden. Aber erst, wenn sich besagte 30 Prozent der dort ansässigen Firmen für den Glasfaseranschluss entscheiden haben. Die Frist dafür endet am 17. November.

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sg

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