+
Stephen Hank, Redaktionsleiter von Miesbacher Merkur, Holzkirchner Merkur und Tegernseer Zeitung.

Glosse zur Woche

Eine Trennung, ein Skandal und die wirklich staade Zeit

  • schließen

Was hat uns in der Woche vor Weihnachten bewegt? Unser Autor Stephen Hank hat zurückgeblickt - und ist dabei auf dreierlei gestoßen.

Jetzt also auch noch Helene Fischer und Florian Silbereisen. Trennung! Nach zehn Jahren! Und dabei ist vor Weihnachten doch sowieso schon so viel los. Wer soll sich darüber noch Gedanken machen? Ich sicher nicht.

„Der Schatz vom Silbereisen“ - bitte lesen!

Fischer und Silbereisen – das war das Traumpaar des deutschen Schlagers. Es gibt darüber einen guten Roman von Karl May: „Der Schatz vom Silbereisen“. Ich habe es irgendwo im Bücherregal. Man sollte es sich aus aktuellem Anlass unter den Baum legen und über die Feiertage ein wenig darin schmökern.

Sie haben es vielleicht bemerkt. Dieser Text enthält eine Unschärfe. Natürlich war es „Der Schatz im Silbersee“, aber auch diese Geschichte ist zum Amüsement des Publikums frei erfunden. So wie Karl May – trotz seiner großen schriftstellerischen Erfolge erwiesenermaßen ein Hochstapler – eigentlich alles erfunden hat.

„Es könnte einem schlecht werden!“

In der Unterhaltungsliteratur sei das erlaubt. Fassungslos hingegen haben wir in der Redaktion die Nachrichten aus Hamburg verfolgt, nach denen ein Reporter des Magazins Spiegel über Jahre hinweg teils erfundene Reportagen veröffentlicht und dafür auch noch reihenweise Preise eingeheimst hat. Wenige Stunden, bevor der Skandal publik wurde, habe ich mit Landwirtschaftsschülern in Holzkirchen über die Verantwortung der Medien diskutiert und dabei auch noch aus dem Pressekodex – Ziffer zwei – zitiert, in dem es um journalistische Sorgfalt geht. Es könnte einem schlecht werden! Der vermeintliche Kollege hat der gesamten Branche einen schweren Schlag versetzt. Der langjährige Stern-Chefredakteur Andreas Petzold bringt es auf Twitter auf den Punkt: „Opfer sind Leser und Kollegen. Die Währung, in der bezahlt werden muss, ist Vertrauen. Gewinner sind Besserwisser und Verschwörungstheoretiker.“ Besser könnte man es nicht formulieren.

Bitte schnell, bitte gleich!

Dabei hatte die Woche so gut angefangen. In unserem Bestreben, alles richtig zu machen, haben wir die Veröffentlichungswünsche, die uns vor Weihnachten ins Haus geflattert sind, brav abgearbeitet. Auch wenn es sich eigentlich nicht mehr nachvollziehen lässt, warum die Gedanken nach einer vollgepackten Adventszeit nicht einfach mal verharren können und stattdessen schon mit Vollgas ins nächste Jahr schweifen. Vereinsausflug im Januar, Prunksitzung im Februar, Frühjahrssingen im April – bitte schnell, bitte gleich.

Besinnlich gestimmt hat uns auch eine Terminmeldung, die eine Woche vor dem ersten Weihnachtstag eingetroffen ist: „Umweltgerechte Entsorgung von Christbäumen“. Seither überlege ich, ob unser Baum überhaupt noch den lästigen Umweg übers Wohnzimmer nehmen soll. Man würde sich das Schmücken und die ganze Nadelei ersparen.

Weihnachten ist die wirklich staade Zeit

Wie Helene Fischer wohl Weihnachten feiert? Ist ihre Trennung nur erfunden, um die „Helene-Fischer-Show“ am ersten Weihnachtstag zu pushen? Gibt es in ihrem Haus Silberfische? Und wer tröstet Florian? Ich bin ratlos. Aber ich freue mich auf Weihnachten. Es ist die wirklich staade Zeit.

sh

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Coronavirus im Landkreis Miesbach: 397 positiv Getestete - Die Lage am Montag
Der Landkreis Miesbach steht wegen des Coronavirus weitgehend still. Alle News hier im Ticker.
Coronavirus im Landkreis Miesbach: 397 positiv Getestete - Die Lage am Montag
„Weltentdecker“: Miesbacher Spielzeugladen erhält hohe Auszeichnung
Trotz Corona-Krise: Uwe Dietrich hat mit seinem Miesbacher Spielzeugladen Grund zur Freude:  Eine Zeitschrift hat ihn zum „Fachgeschäft des Monats“ gekürt.
„Weltentdecker“: Miesbacher Spielzeugladen erhält hohe Auszeichnung
Ministerbesuch im Corona-Hotspot
Besonderer Besuch in besonderer Lage. Um sich ein Bild von der Situation im Hotspot Miesbach zu machen, hat Innenminister Joachim Herrmann die Einsatzleitung in der …
Ministerbesuch im Corona-Hotspot
Retter richtet flammenden Appell an Ausflügler: „Unsere Berge werden leider immer noch überrannt“
Trotz des Coronavirus zieht es viele Ausflügler bei schönem Wetter in die Berge und an den See. Lebensgefährlich, finden die Retter im Landkreis - und appellieren an die …
Retter richtet flammenden Appell an Ausflügler: „Unsere Berge werden leider immer noch überrannt“

Kommentare