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Stephen Hank, Redaktionsleiter von Miesbacher Merkur, Holzkirchner Merkur und Tegernseer Zeitung

Glosse

Über die Unberechenbarkeit der Welt

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Wir leben in unruhigen Zeiten. Im Rahmen unserer Zeitungskolumne „Was mich bewegt“ hat unser Autor Stephen Hank einen Blick auf die Welt geworfen.

Die Welt ist so unberechenbar geworden. Syrien, USA, Russland – manchmal frage ich mich, wie die Menschen in 50 Jahren auf diese Zeit blicken werden. So wie wir heute auf die Kubakrise 1962? Respektvoll, abgeklärt, mit einem Hauch von Nostalgie? In sich ruhend in der Gewissheit, dass es in dem Konflikt damals nicht zum Äußersten gekommen ist?

Die Welt ist so unberechenbar geworden. Gar „besorgniserregend“ sei die Lage, hat Wladimir Putin in diesen Tagen festgestellt. Ein weiser Mann, ich entdecke nahezu prophetische Züge. Schade, dass er nichts zu melden hat. Vielleicht wussten Sie es nicht: Die Machtbefugnisse eines russischen Präsidenten sind sehr beschränkt. Er darf nur unter Aufsicht telefonieren, ein Mal pro Tag. Auslandsgespräche sind gesperrt.

Die Welt ist so unberechenbar geworden. Der Präsident der USA beschimpft seinen früheren FBI-Chef via Twitter als „verlogenen Schleimbeutel“. Ich habe es nachgeprüft: Es gibt im Körper über 150 Schleimbeutel, ein verlogener ist nicht darunter. Fake News also, und ich frage mich jeden Tag, wie lange Donald Trump noch durchs Weiße Haus irrlichtert. Bis 2021 wird es wohl mindestens noch dauern, denn der Mann wurde in einer demokratischen Abstimmung gewählt. Andererseits: Demokratische Wahlen im Ausland werden mir zunehmend suspekt. Parteien und Präsidenten bekommen dort Zweidrittel-Mehrheiten, während die Regierungsbildung bei uns ein halbes Jahr dauert.

Die Welt ist so unberechenbar geworden. Inzwischen schätze ich deshalb das Berechenbare – und stelle mir im Alltag vor, wie ich mich in einer veränderten Welt nach heutigen Routinen sehnen würde. Seltsam, oder? Man neigt dazu, schnell mal unzufrieden zu werden.

Dabei gibt es dafür eigentlich keinen Anlass. Erst dieser Tage habe ich wieder eine Flasche Wein geschenkt bekommen. Einen spanischen Rotwein, Jahrgang 2008, verhüllt in Karton und Folie. Beim Auspacken sind mir ein Kalender aus dem Jahr 2010 und die Visitenkarte eines Vertriebsmitarbeiters in die Hände gefallen. Geschenkten Wein aus dem Keller verschenken – wer macht denn so was? Ich persönlich verwische zumindest die Spuren. Die Welt – sie ist so unberechenbar geworden.

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