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Effektiv und günstig: Ein Landwirt spritzt glyphosathaltiges Pflanzenschutzmittel auf sein Feld. Im Landkreis Miesbach verzichten die Bauern größtenteils schon auf das Herbizid. 

EU-Zulassung um fünf Jahre verlängert

Glyphosat-Verbot: Der Landkreis Miesbach macht’s vor

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Die EU hat die Zulassung für Glyphosat verlängert. Ein Trauerspiel, findet Rüdiger Obermaier vom Landwirtschaftsamt. Dabei könne man von heute auf morgen auf das Herbizid verzichten. So wie das Landratsamt.

Holzkirchen – Zulassung verlängert. Diese Nachricht aus Brüssel sorgte Anfang der Woche für Kopfschütteln bei Naturschützern. Ob der umstrittene Unkrautvernichter Glyphosat weiter zugelassen wird, war lange unklar. Nun jedoch verständigten sich die EU-Staaten nach langem hin und her auf eine Verlängerung eben jener Zulassung über fünf Jahre. Gerade noch rechtzeitig. Mitte Dezember wäre diese nämlich ausgelaufen. Dann hätte der Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln nicht mehr verwendet werden dürfen. 

Und das wäre auch gut so gewesen, findet Rüdiger Obermaier, ein offenkundiger Glyphosat-Gegner. Aus seiner Sicht könnte man sofort auf das Pestizid verzichten. „Es gab schließlich auch eine Zeit vor dem Glyphosat“, sagt Obermaier, der im Landwirtschaftsamt in Holzkirchen arbeitet und sich privat im Aktionsbündnis Zivilcourage für eine glyphosatfreie Zukunft engagiert. Eine Zeit nach dem Glyphosat sieht er nun erst recht in weite Ferne gerückt. Der Wirkstoff ist schlicht zu beliebt.

Rüdiger Obermaier.

Das hat für Obermaier praktische wie finanzielle Gründe: „Es ist günstig und arbeitstechnisch einfach einzusetzen. Der Landwirt muss nur mit der Spritze übers Feld fahren.“ Außerdem stecke hinter dem Unkrautvernichter ein Millionen-Euro-Markt, den einflussreiche Lobbyisten zu verteidigen wüssten. „Es kann doch aber nicht sein, dass man das Geld als Argument in den Vordergrund stellt, bei all den Risiken“, sagt Obermaier. Viel eher wäre es wichtig, die Ursachen für die Unkraut-Probleme anzugehen, statt nur die Symptome mit der Chemiekeule zu bekämpfen.

Seit Mitte der 70er-Jahre ist der Pestizid-Wirkstoff auf dem Markt. In der EU ist er mittlerweile äußerst umstritten. Einerseits ist das Glyphosat hoch wirksam, andererseits steht es im Verdacht krebserregend zu sein und die Umwelt zu schädigen. Deswegen sträubten sich einige Staaten, einer weiteren Zulassung zuzustimmen. Bis Montag. 

Während in Brüssel noch über die Zukunft des Unkrautvernichters diskutiert wurde, hat der Landkreis Miesbach bereits ein Zeichen gesetzt. Seit März verzichtet dieser auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf eigenen Liegenschaften. „Wir wollen diese Gifte aus unseren natürlichen Kreisläufen verbannen“, sagte Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) damals. Seither setzt der Landkreis ausschließlich auf umweltschonende Unkrautbekämpfung: Die Mitarbeiter jäten per Hand und Stahl-Besen.

Einige Kommunen im Kreis, darunter Bad Wiessee, Gmund, Waakirchen und Weyarn, tun es dem Landratsamt gleich und haben die Pestizide schon vor Jahren aus der gemeindlichen Grünflächenpflege verbannt. Wobei an dieser Stelle gesagt sei: Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf Wegen und Plätzen ist grundsätzlich verboten. Nur mit entsprechender Genehmigung dürfen Kommunen Chemie versprühen. Für das umstrittene Glyphosat etwa wird diese kaum noch erteilt.

Auf landwirtschaftlichen Flächen sieht das Ganze freilich anders aus. Hier entscheiden die Bauern, ob sie glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel auf ihre Äcker sprühen. Das Landratsamt kann kein Verbot aussprechen. Doch das braucht es offenbar auch gar nicht. Denn die Landkreis-Bauern gingen vorbildlich voran, sagt Obermaier: „Bei uns wird es in der Landwirtschaft nicht groß eingesetzt. Da muss ich den Landwirten ein Kompliment machen.“

Diejenigen Landwirte, die noch am Glyphosat festhalten, will das Landratsamt dazu animieren, darauf zu verzichten. „Auf landwirtschaftlichen Flächen soll der Einsatz von Glyphosat weiter reduziert werden“, heißt es in einem Beschluss aus dem Juli diesen Jahres, in dem sich der Kreistag zum Gütesiegel „Glyphosatfreier Landkreis Miesbach“ bekannt hat. Auch der Kreisbauernverband unterstützt das Vorhaben.

Bundesweit ist der Absatz von Glyphosat nach Informationen der dpa in den vergangenen Jahren bereits zurückgegangen. Eine Entwicklung, die Obermaier wohlwollend verfolgt. Er hofft nun, dass weitere Kommunen und Landkreise aus eigenem Antrieb heraus nachziehen – selbst ohne EU-Verbot.

fp

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