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Soll es im Landkreis Miesbach nicht mehr geben: gespritzte Felder.

Kreistag appelliert

„Glyphosatfrei“ als neues Gütesiegel für den Landkreis

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Miesbach will „glyphosatfreier Landkreis“ werden. So lautet der einstimmige Beschluss des Kreistags. Zuvor hat man sich aber noch ein wenig angegiftet.

Landkreis – Über den Einsatz des Unkrautbekämpfungsmittels Glyphosat wird seit Jahren heftig gerungen. Verboten ist der Wirkstoff, der im Verdacht steht, krebserregend zu sein, bislang nicht. Jetzt schlägt die EU-Kommission sogar vor, die Zulassung um weitere zehn Jahre zu verlängern. „Wir können keine Verbote aussprechen“, stellte Landrat Wolfgang Rzehak (Grüne) deshalb im Kreistag eingangs auch klar. „Es kann nur ein Appell sein.“

Der Beschluss, den das Gremium einstimmig fasste, sieht vor, dass auf landkreiseigenen Flächen auf den Einsatz von glyphosathaltigen Spritzmitteln verzichtet wird. Überdies wolle man darauf hinwirken, dass auch Gemeinden, Privatpersonen und Firmen wie etwa Hausmeisterdienste oder die Bahn auf andere Unkrautbekämpfungsmethoden umschwenken und Landwirte den Einsatz weiter reduzieren. Der Kreisbauernverband unterstützt das Vorhaben und setzt auf intensive Information und Beratung. „Der Vorbildcharakter des Landkreises soll in der Bezeichnung ,Glyphosatfreier Landkreis Miesbach‘ zum Ausdruck kommen“, heißt es im Beschluss.

In der Sache waren sich alle Fraktionen einig. „Es geht darum, Lebensräume zu erhalten“, sagte Heinrich Schwabenbauer (CSU), der an den einst „mutigen Beschluss“ erinnerte, auf gentechnisch erzeugte Nahrungsmittel in Schulmensen zu verzichten. Es komme wie damals eine Welle in Gang. Jetzt gelte es, mit Argumenten diejenigen zu überzeugen, die glauben, auf den Einsatz von Glyphosat nicht verzichten zu können. Auch Michael Lechner (FWG) forderte ein klares Signal: „Es ist wichtig, dass wir uns positionieren.“

Karl Bär (Grüne) dankte der Zivilcourage Miesbach, die sich seit Jahren für das Thema starkmacht. Mit dem Beschluss bringe man die Unterstützung des Landkreises für deren Belange klar zum Ausdruck, ergänzte SPD-Fraktionssprecher Martin Walch. Klaus Fresenius (FWG) hielt den Beschluss für „schadlos“, warnte allerdings davor, die Debatte zu emotional zu führen und auf Industrieseite ein Feindbild aufzubauen: „Wir sollten offen bleiben in unserer Meinungsbildung und alle Forschungsergebnisse berücksichtigen.“

Leicht spöttisch reagierte CSU-Fraktionssprecher Josef Bierschneider auf die Glyphosat-Initiative des Landrats. „Schön, dass Du Dich nach drei Jahren im Amt des Themas angenommen hast“, merkte er an. Die Kommunen verzichteten schon viele Jahre auf den Wirkstoff, stellten das aber nicht groß heraus. Er forderte Rzehak auf, einen Aktionsplan vorzulegen. „Wir würden von der Kreisverwaltung gerne wissen, wie sie andere – beispielsweise die Bahn oder Privatpersonen – zum Verzicht bewegen will“, sagte er. „Ein reiner Appell wird dem Thema nicht gerecht.“

Rzehak reagierte gelassen. Da der Landkreis anderen in dieser Sache keine Vorschriften machen könne, setze er auf ein einstimmiges Votum als Signal nach außen. Seine Verwaltung werde aber gerne zusammenschreiben, was sie in dieser Sache unternehme – „das ist in zwei Tagen passiert“. Zuständig für ein Glyphosat-Verbot sei die Bundesregierung, belehrte er den CSU-Fraktionssprecher. Er finde es schade, dass das bislang noch nicht erfolgt sei. „Vielleicht“, sagte er, „sprichst Du mal Deinen Bundestagsabgeordneten an.“

sh

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