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Gratis-Aktion soll Menschen zum Impfen animieren

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Von: Felicitas Bogner

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Freie Auswahl im Miesbacher Kleiderladen: Maria Eham vom Betreuungsteam und BRK-Kreisgeschäftsführer Robert Kießling haben gut erhaltene Ware im Angebot.
Freie Auswahl im Miesbacher Kleiderladen: Maria Eham vom Betreuungsteam und BRK-Kreisgeschäftsführer Robert Kießling haben gut erhaltene Ware im Angebot. © Thomas Plettenberg

Die Corona-Inzidenz im Landkreis ist am Freitag mit 637 zwar auf den niedrigsten Wert seit Anfang November gefallen. Das medizinische Personal ist aber an seiner Belastungsgrenze. Das hat den Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), Robert Kießling, veranlasst, eine Gratisaktion ins Leben zu rufen.

Miesbach - Sie soll dazu beitragen, die Impfquote wieder ein kleines Stück in die Höhe zu treiben. „Wir kommen – wenn wir keinen harten Lockdown wollen – schlichtweg nur durchs Impfen aus der aktuellen Lage“, mahnt Kießling. Sein Konzept: kostenlose Kleidung als Dank für Geimpfte oder auch als Ansporn zum Impfen. „Jeder Geimpfte – egal ob seit einer Stunde oder schon geboostert – darf sich im BRK-Kleidermarkt in Miesbach ein Teil kostenlos mitnehmen“, verspricht der Kreisgeschäftsführer.

Zu verschenken hat das BRK normalerweise nichts. Es ist also auch ein Hilferuf. „Wir werden damit wahrscheinlich nicht die Welt bewegen. Aber wenn sich jeder nach seinen Möglichkeiten einsetzt, dass sich mehr Menschen impfen lassen, ist schon etwas gewonnen“, erklärt Kießling. Die Notwendigkeit dazu sieht er nicht zuletzt mit Blick auf seine Mitarbeiter: „Auch in unserem Landkreis und bei unseren BRK-Helfern ist die Leistungsgrenze erreicht“, heißt es in einer Pressemitteilung des BRK-Kreisverbands. „Der Rettungsdienst ist mit zeitintensiven Hygienemaßnahmen und Verlegungsfahrten extrem belastet.“

Michaela Götschl, die beim BRK den Rettungsdienst leitet, geht auf Nachfrage ins Detail. Zum einen gebe es das Standard-Desinfektionskonzept. „Dabei wird alles, womit der Patient Kontakt hatte, nach der Fahrt desinfiziert“, berichtet sie. Wesentlich aufwendiger sei das Prozedere, wenn ein Covid- oder Covidverdachtspatient transportiert wurde. „Das dauert mit dem Wechseln der Schutzkleidung teils über eine halbe Stunde“, weiß Götschl. Grob geschätzt seien aktuell mindestens 20 Prozent aller Fahrten Verlegungen von Corona-Patienten oder Infekt-Transporte ins Krankenhaus. „Dann kommen noch diejenigen dazu, bei denen sich erst im Nachhinein herausstellt, dass sie wegen Covid in die Klinik eingeliefert wurden“, berichtet Götschl. Laut Kießling können die Notfallsanitäter und Rettungsassistenten in einer Schicht nicht einmal mehr eine kurze Verschnaufpause einlegen. Obendrauf kommen Überstunden.

Michaela Götschl
leitet beim Kreisverband
den Rettungsdienst.
Michaela Götschl leitet beim Kreisverband den Rettungsdienst. © Thomas Plettenberg

Aber nicht nur auf den Rettungswagen ist die Lage brisant. Der ambulante Pflegedienst des BRK hat seine Grenzen bereits erreicht. „Menschen werden wesentlich früher aus den Krankenhäusern entlassen und brauchen dann Hilfe“, sagt Kießling. Doch dringende Aufnahme-Ersuche hätten aus Kapazitätsgründen bereits abgelehnt werden müssen. Besonders tragisch sei so eine Situation für Angehörige. „Es ist schlimm, wenn jemand für seinen Partner, seine Eltern oder Großeltern auf das Angebot der ambulanten Pflege angewiesen ist, weil er selbst berufstätig ist, und diese nicht geleistet werden kann“, verdeutlicht er das Dilemma. Überdies seien auch noch weitere BRK-Leistungsbereiche stark eingeschränkt oder gar ganz eingestellt, wie aktuell beispielsweise die Demenzbetreuung.

Laut dem Geschäftsführer gibt es auch in den Reihen des Kreisverbands selbst noch „einige wenige Ungeimpfte“. Das macht die Situation nicht leichter. Mehr und mehr Mitarbeiter kommen inzwischen auf Kießling zu, um ihm ihre Verzweiflung zu klagen. „Sie sagen, dass sie bald einfach nicht mehr können“, berichtet der Kreisgeschäftsführer. „Zum Glück hat bisher noch niemand komplett das Handtuch geworfen.“ Das BRK sei auf jeden Einzelnen der rund 200 ehrenamtlichen und hauptberuflichen Helfer dringend angewiesen.

Nähere Informationen

Die BRK-Gratisaktion läuft von Montag, 29. November, bis Samstag, 4. Dezember. Jeder Geimpfte darf sich im BRK-Kleidermarkt in der Bahnhofstraße 4 in Miesbach ein beliebiges Teil selbst aussuchen und gratis mitnehmen. Es gelten die üblichen Öffnungszeiten. Das BRK freut sich gleichzeitig über weitere Kleiderspenden.

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