Diva und Diener: In „Gretchen 89 ff“ schlüpfen die Schauspieler Leonie Fuchs und Stephan Leitmeier in insgesamt 18 Rollen.
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Diva und Diener: In „Gretchen 89 ff“ schlüpfen die Schauspieler Leonie Fuchs und Stephan Leitmeier in insgesamt 18 Rollen.

Interview zu „Gretchen 89 ff“

Gretchen, Kästchen, skurrile Typen: Regisseurin Steffi Baier über ihre neue Komödie, das Theater und die Szene

  • VonKatrin Hager
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Eine rasante Komödie und eine Liebeserklärung ans Theater und seine Typen bringt Erfolgsregisseurin Steffi Baier jetzt in Miesbach auf die Bühne. Im Interview verrät die Irschenbergerin mehr über „Gretchen 89 ff“. Und über Theaterleute hinter der Bühne.

Miesbach – Luisenburg-Festspiele in Wunsiedel oder Münchner Lustspielhaus: Steffi Baier (47) kommt als Regisseurin anspruchsvoller Stücke weit herum. Trotzdem inszeniert sie immer wieder auch mit Laien in der Region Erfolgsstücke – wie 2018 den „Judas“ in Miesbach oder aktuell mit dem Irschenberger Theater „Die Hinrichtung“ oder dem Ehepaar Benda-Pelzer „Love Letters“ im Waitzinger Keller.

Nun kommt die Irschenbergerin mit einem Stück in die Kreisstadt, das sie in der Pandemiezeit mit zwei Profi-Schauspielern erarbeitet hat: Am Samstag, 25. September, ist im Waitzinger Keller ihre Inszenierung von Lutz Hübners „Gretchen 89 ff“ zu sehen – eine rasante Komödie über Talente und Neurosen und eine Liebeserklärung ans Theater und seine Skurrilitäten, in der Leonie Fuchs und Stephan Leitmeier in verschiedenen Varianten in die Rolle von Schauspielerin und Regisseur schlüpfen. Im Gespräch erklärt Regisseurin Baier, was es mit „Gretchen 89 ff“ auf sich hat.

„Wahrheit hängt immer auch vom Blickwinkel ab“

„Gretchen 89 ff“ – das klingt nach Gretchenfrage. Welche Bedeutung hat der Titel denn?

Steffi Baier: „Im Stück wird immer dieselbe Szene fürs Theater geprobt: die „Kästchenszene“ aus Goethes „Faust“. Die befindet sich auf Seite 89 folgende – ich weiß nur noch nicht, in welcher Ausgabe eigentlich (lacht). In meiner Reclam-Ausgabe ist die Szene auf Seite 79 ff. Da müsste man mal den Autor fragen... Um diese Szene kreist das ganze Stück, in verschiedenen Zweier-Konstellationen mit verschiedenen Typen und Charakteren. Es ist immer dieselbe Szene, und doch gibt es verschiedene Interpretationen. So ist es auch mit der Wahrheit: Was ist die Wahrheit? Das hängt immer auch davon ab, welchen Blickwinkel man hat.“

Steffi Baier, Regisseurin aus Irschenberg

Das Stück ist also ein Blick hinter die Theaterkulissen?

Steffi Baier: „Genau, wie in einem Kaleidoskop. Lutz Hübner hat sehr exaltierte Typen genommen, davon lebt das Stück und natürlich auch das Theater. Von den Runden, den Kleinen, den Dünnen, den Großen. Wenn alles gleich wäre, bräuchte man ja keine Geschichten zu erzählen. Dass es mal rumpelt und man aufeinanderprallt, das muss auch so sein am Theater. Im Stück gibt es zum Beispiel den Wiener Regisseur, der ist sehr lustig. Oder den Hospitanten, der in die Schauspielerin verliebt ist. Und den Requisiteur, der die Schauspielerin fragt, ob sie am Kästchen lieber Silber- oder Goldfolie hätte, während sie damit hadert, dass ihre Kollegin viel erfolgreicher ist. Einfach herrlich!“

„Eigentlich ist die Welt draußen noch verrückter“

Die Typen sind also gar nicht so weit her geholt?

Steffi Baier: „Überhaupt nicht. So hab ich das in meiner Anfangszeit an den Kammerspielen und am Residenztheater auch kennengelernt, und ich hoffe, dass es immer noch so ist. Dass einer der Busen schon fast rausfällt, und es muss trotzdem noch hochgezogen werden, weil sie das immer so hat – ich nenne jetzt keine Namen (lacht). Die Theaterwelt ist schon sehr bunt, und so soll es auch sein. Aber eigentlich ist die Welt draußen ja noch verrückter.“

Es ist also keine Tragödie, die die Zuschauer erwartet.

Steffi Baier: „Überhaupt nicht. Es gibt ernsthaftere Passagen, aber es ist eine sehr komische und rasante Komödie. Die zwei Schauspieler schlüpfen in insgesamt 18 Rollen. Zwischen den Szenen gibt’s Musik, von Mozart bis zu den Rolling Stones. „Vom Himmel, durch die Welt, zur Hölle“, heißt es im Prolog zum „Faust“ – ein bissl ist es auch im Stück so: Man geht auf eine Reise.“

Vorstellung im Waitzinger Keller

Die Vorstellung findet am Samstag, 25. September, ab 20 Uhr im Saal des Waitzinger Kellers in Miesbach statt. Karten zu 18 und 16 Euro gibt es unter 0 80 25 / 7 00 00, per E-Mail an ticket@waitzinger-keller.de und über München Ticket. Aktuell gilt die 3G-Regel. Die Maske darf am Platz abgenommen werden.

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ag

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