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Laden zum Ausverkauf: (v.l.) Michael Griesbeck, Ferdinand Huber, Siegfried Rummel, Ursula Rummel, Theresa Baumann, Reiner Bober, Heidi Schäfer, Kathrin Baumann und Annelies Bicherel.

Flohmarkt am Samstag

Großer Ausverkauf: Miesbacher verabschieden sich vom alten Pfarrheim

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Der Abriss des Miesbacher Pfarrheims steht kurz bevor. Bei den ehemaligen Nutzern mischen sich drei Gefühle: Abschiedsschmerz, Unsicherheit - aber auch Freude auf die neuen Räume.

Miesbach – Der letzte Pinselstrich im Pfarrsaal gebührte denjenigen, deren Vorfahren einst den Grundstein dafür gelegt hatten: In ihren Vereinsfarben orange-schwarz haben die Mitglieder der Kolpingsfamilie Miesbach ihr Logo auf die blanken Wände gemalt, daneben die Speisekarte für die letzte große Veranstaltung im 1928 erbauten Pfarrheim: den großen Flohmarkt am morgigen Samstag. „Vielleicht lassen wir die Wand ja stehen und integrieren sie in den Neubau“, meint Kolping-Chef Michael Griesbeck.

Der Wehmut in seiner Stimme ist nicht zu überhören. Griesbeck macht kein Geheimnis daraus, dass der Abriss nie Wunsch von Kolping gewesen ist. „Uns verbindet sehr viel mit diesem Haus“, erklärt der Vorsitzende. Seit der Eröffnung 1929 habe der Verein hier seine Heimat, im Stüberl viele schöne Stunden verbracht.

Abschiedsschmerz wegen vielen Erinnerungen

Damit ist die Kolpingsfamilie nicht allein. Auch die vielen anderen Nutzer verabschieden sich in diesen Tagen von mehr als nur einem alten Gebäude. Von der Mutter-Kind-Gruppe über die Firmvorbereitung bis hin zum Pfarrfest oder Bibelkreis: So manchen Miesbacher hat das Pfarrheim sein ganzes Leben lang begleitet. Ja sogar das eine oder andere Ehepaar habe sich hier kennengelernt, meint Pfarrgemeinderatsvorsitzender Ferdinand Huber und lacht. „Die Faschingsbälle waren legendär.“

Heuer bleiben die Maschkera ausgesperrt, das Pfarrheim wird zur Großbaustelle – und zum Hochsicherheitstrakt. Bereits begonnen haben die Tiefbauarbeiten an den Versorgungsleitungen auf den Parkplätzen. „Der Kindergarten wird von der Nabelschnur des Pfarrheims getrennt“, erklärt Kirchenpfleger Siegfried Rummel. Ab März rückt dann das Gebäude selbst in den Fokus. Weil es mit Asbest belastet ist, steht vor dem eigentlichen Abbruch eine aufwendige und teure Entkernung an. Laut Rummel muss eine Spezialfirma das kontaminierte Material in sogenannten Unterdruckkammern entfernen. „Da darf nichts nach außen dringen“, sagt Rummel. „Die Vorschriften sind streng.“ Auch die Sicherheit für den angrenzenden Katholischen Kindergarten gilt es zu gewährleisten.

Neue Verkehrsführung in Kolpingstraße während der Bauzeit

Umgekehrt sollen die Baufahrzeuge nicht vom normalen Verkehr blockiert werden. Gemeinsam mit der Stadt habe man sich auf eine befristete Aufhebung der Einbahnregelung verständigt, erklärt Rummel. Damit sei die Einfahrt in die Kolpingstraße von beiden Seiten her möglich. Eltern, die ihren Nachwuchs zum Kindergarten bringen oder davon abholen, könnten ihre Autos während der Bauphase auf dem Parkplatz der Raiffeisenbank abstellen, sagt Rummel und dankt dem Kreditinstitut für das Entgegenkommen.

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Improvisationstalent haben auch die anderen Nutzer des Pfarrheims unter Beweis gestellt. Die Damen des Frauenbunds basteln ihre Kränze und Osterkerzen im Pfarrhaus, der Bibelkreis trifft sich im alten Kindergarten, die Band der Katholischen Jugend rückt für ihre Proben im Keller der Katholischen Jugendstelle eng zusammen, und der Kirchenchor probt direkt in Mariä Himmelfahrt. Die Kolpingsfamilie hat sogar einen Keller als Raum für Stüberl und Lager angemietet, bei größerem Platzbedarf dürfen die Mitglieder ins Feuerwehrhaus ausweichen. Man kennt sich und man hilft sich in Miesbach. Kein Übergangsdomizil mehr braucht die Bücherei, die Mitte der 1960er-Jahre im Pfarrheim eingerichtet wurde. Sie wurde bereits 2006 aufgelöst.

Flohmarkt am Samstag, 15. Februar

Genug Ware für den großen Ausverkauf am morgigen Samstag von 9 bis 14 Uhr gibt es trotzdem. Von Kaffeekannen über Gläser und Geschirr bis hin zu Vorhängen und Lampen ist alles zu haben. „Wer will, darf sich auch eine Tür mitnehmen“, meint Pastoralreferentin Kathrin Baumann und lacht. Nur die Stühle sind größtenteils verkauft. Sie hätten sich beim Online-Portal eBay-Kleinanzeigen reißenden Absatzes erfreut, erzählt Rummel.

Ist der Flohmarkt rum, hat die Abrissfirma grünes Licht. Läuft alles nach Plan, könnte das laut jüngster Schätzung rund 5,8 Millionen teure, neue Pfarrheim Anfang 2022 bezugsfertig sein. Pünktlich zum Kolpingfasching, sagt Griesbeck – und räumt schmunzelnd ein, dass es auch anstrengende Zeiten im Pfarrheim gab. Das Aufräumen nach den Feiern, zum Beispiel. „Ich weiß gar nicht, wie viele Kilometer wir mit dem Besen in dem riesigen Saal zurückgelegt haben.“

Ein großes Abschiedsfoto

will die Kolpingsfamilie beim Flohmarkt am morgigen Samstag im Pfarrheim machen. Ausgangspunkt ist ein historisches Foto, das 1929 bei der Eröffnung aufgenommen wurde. Eingeladen sind alle, die sich in irgendeiner Form mit dem Miesbacher Pfarrheim verbunden fühlen.

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