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Ein ansprechendes Entrée soll der Miesbacher Bahnhofsplatz werden. Dazu gehört auch die Erweiterung des alten Postgebäudes sowie eine Tiefgarage unter dem Platz.

Stadtrat unter Zugzwang

Großprojekt Bahnhofsplatz: Investor macht‘s auch ohne Stadt

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Miesbach hat ein Problem: Architekt Joachim Staudinger stellte am Montag die geänderten Pläne des Bahnhofsplatzes vor - mein einer unmissverständlichen Botschaft:

Miesbach - Diplomatie ist die Kunst, in freundlich-zurückhaltender Weise klare Botschaften zu senden. Der Parsberger Architekt Joachim Staudinger beherrscht dieses Metier recht gut, wie er am Montagabend im Miesbacher Stadtentwicklungsausschuss bewies. Den Termin diente eigentlich dazu, auch den Vertretern der Initiativen und Stammtischen das Großbauprojekt am Bahnhofsplatz mit neuem Gebäude und Tiefgarage zu erläutern. Doch Staudinger nutzte die Gelegenheit, auch die aktualisierte Planung vorzustellen. Und die damit verbundenen Konsequenzen.

Wie berichtet, plant die Eigentümerfamilie Medvejsek mehrere Vorhaben rund um den Bahnhof. Für ihr Bahnhofsgebäude, das neu gebaut werden soll in seiner Form vor dem Zweiten Weltkrieg, liegt bereits ein gültiger Vorbescheid vor. Nun soll ein Vorbescheid für die Vergrößerung des benachbarten alten Postgebäudes sowie den Neubau einer Tiefgarage unter dem in Privateigentum stehenden Bahnhofsplatz folgen. Zuletzt versagte der Stadtrat sein gemeindliches Einvernehmen, weil das Postgebäude mit dann 55 Metern zu lang sei – es brauche eine Unterbrechung.

Die aktuelle Planung weist diese geforderte Zäsur nun auch im Grundriss auf, nicht nur im Höhenunterschied. Damit liegen laut Staudinger alle notwendigen Voraussetzungen für das Einfügen vor. Zudem habe er die nicht öffentlich gewidmete Fläche überplant. Die Gestaltung des öffentlichen Bereichs sei dagegen Sache der Stadt, die dafür Zuschüsse aus der Städtebauförderung generieren könne.

Zusammenfassend stellte der Architekt fest, dass die Planung nun – auch nach Rücksprache mit dem Landratsamt als Entscheidungsbehörde – genehmigungsfähig sei. Das rechtlich geforderte „Einfügen in die Umgebung“ sei kein Problem – „das kriege ich immer hin“. Die Frage sei nur, ob die Stadt damit einverstanden ist. Sollte die Stadt dagegen sein und mit einem Bebauungsplan samt Veränderungssperre reagieren, würde das Projekt mehrere Jahre auf Eis liegen. „Das wäre für beide Seiten kontraproduktiv“, gab Staudinger zurückhaltend zu bedenken. Und auch ein Rechtsstreit „dürfte für niemanden erbaulich sein“. Problematisch sei aus verkehrstechnischer Sicht lediglich der Anbau im Süden an das Postgebäude, in dem sich die Zufahrt zur Tiefgarage befinden soll. Sie würde an der Stelle einmünden, an der sich derzeit der Fußgängerübergang befindet.

Dass eine Konfrontation nicht gewünscht sei, bekräftigte auch der Ausschuss. „Wir wollen den Platz gemeinsam entwickeln“, stellte Franz Mayer (CSU) fest, „aber dazu muss auch die Verkehrsplanung passen.“ Markus Seemüller (FW) regte an, auf die Investorenfamilie zuzugehen und zum Gespräch einzuladen – „die Stadt sollte Dienstleister sein“. Wie Zweiter Bürgermeister Paul Fertl (SPD) zusagte, soll dies in Kürze geschehen.

ddy

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